Wilhelmsburger Hof

Georg-Wilhelm Str. 329

01. Diese Karte wurde abgestempelt am 07.07.1904

02. leider ohne Jahresangabe

03. Anfang der 1980er Jahre

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Aus dem kleinen Heft das zum 75 jährigen Bestehens sowie zur Übergabe an die nächste Generation des "Wilhelmsburger Hof" 1976 von Herman Wilkens herausgegeben wurde:

07. 1901

08. Verzeichnis der Grundstücke die Johannes Busch 1888 an die Wollkämmerei verkaufte

Vorwort

Die Buschen haben seinerzeit um 1890 einen Großteil ihrer Weiden an die Industrie verkauft, und zwar das Gebiet Hamburger Wollkämmerei, jetzt Merkel, Dittmeyer usw. Dieses Erbe wurde in viele Hände aufgeteilt. Johannes Busch nahm seinen Anteil und kaufte das Gelände am König-Georg-Deich/Georg-Wilhelm Straße und erbaute dort den "Wilhelmsburger Hof" sowie das trabergestüt "Wilhelmsburger Hof" (Farben lila/lila), das älteste Gestüt Norddeutschlands.

Zur Einleitung:

Zunächst, lieber Gast, fühle Dich bei uns wohl, laß es Dir schmecken und sup en Lütten, bett nix mehr ringeiht. De Verantwortung oder den lütten Krach to Hus muß Du sülben drägen oder bringst dien Angeheurige mit. Dat Glas kanns mitnehmen, dormit weet jeder, wo Du weurs, dat beruhigt wedder. Also lot nix anbrennen! Und nun mal Prost!

09. Hermann Wilkens

10. Johannes Busch, Erbauer des "Wilhelmsburger Hof"

Der "Wilhelmsburger Hof" wurde so gebaut, das gleichzeitig eine Gaststätte in den unteren Räumen vorgesehen war; diese wurde für monatlich 100 Mark verpachtet. Dafür verpflichtete sich der Pächter, die Beschäftigten des "Wilhelmsburger Hof" gegen Anrechnung der Pacht zu beköstigen. Außerdem wurde noch Platz für Ausspanngeschaffen, so daß der Pächter seine Pacht von vornherein schon sicher hatte. Als Pächter sind hier noch zu erwähnen: August Meyer, Maaßen, und über 25 Jahre Mudder Schlünz, und kurz vor dem zweiten Weltkrieg übernahm dann Hermann Riemann die Gaststätte.

 

Zu dem alten Herrn Johannes Busch selbst: Er fuhr jeden Morgen bis zum Jahre 1938 seine Milch von den etwa 30 Kühen auseinander, belieferte die Industrie sowie das Wilhelmsburger Krankenhaus auf dem Gelände der Wollkämmerei, und so manch eine Hausfrau, die fette Milch haben wollte, stand an der Straße und wartete auf ihren "Milchmann" mit der Melone. Nachmittags war er dann schon wieder in der "klosterburg" und machte dort als Züchter seine Geschäfte oder er war eben auf der Rennbahn. Hierzu ist noch zu sagen, daß er in seinem Leben nicht gewettet hat. Um nach Hamburg zu kommen, benutzte er die Straßenbahn, welche solange warten mußte, bis er seine Kaffeestebel anhatte und gut rasiert und gut gelaunt eingestiegen war. Es passierte aber auch, daß der Gerichtsvollzieher vorbeikam, um kleinere Beträge zu pfänden; diesen wimmelte er aber mit den Worten ab : " Ju könnt mi an Mors kleien!", und seine Frau meinte: "kleben sie man den Kuckuck unter de Kaffeestebel, dann kann er nicht so oft weg". Zur gleichen Zeit kaufte er aber den amerikanischen Hengst "Frank Guy"; dieses war der erste Amerikaner, der hier für 20 000 Mark eingeführt wurde.

Heute trifft man noch hin und wieder alte Wilhelmsburger, die seinerzeit für den "Wilhelmsburger Hof" gearbeitet haben oder in der Erntezeit mithalfen und erfreulicher Weise sagte niemand etwas Schlechtes, gern denken sie an die Zeit zurück. Es mußten doch herrliche Zeiten gewesen sein! Es galt schon damals das Prinzip: Leistung = Gegenleistung. Es kamen auch die Pächter des "Wilhelmsburger Hof" alle zurecht, sie mußten nur ordentlich und adrett alle Leute bewirten.

Zu dem alten Herrn Busch muß man noch sagen, daß er immer sehr viel Unternehmungsgeist hatte und sehr offen und geradlinig durch die Welt ging. Si wollte der Hamburger Staat im sogenannten Dritten Reich unbedingt den "Wilhelmsburger Hof" zu Leibe rücken, indem man als gegenleistung ein herrlich gelegenes Gut in Holstein, welches einem Juden gehörte, als Ersatz anbot. Die Antwort des herrn Busch an Herrn Dohrmann war ganz klipp und klar:" Daraus wird nichts, ich bleibe hier; wer garantiert mir, daß der jetzige Besitzer seine Heimat nicht eines Tages wiederhaben will".

11. u. 12. Johannes Busch (genannt Hans) und Ehefrau Helene

Jetzt zur zweiten Generation, Johannes Busch und frau Helene, geb. Borstelmann: Man muß wohl sagen sie haben eine der schwersten Zeiten mitgemacht, die man sich vorstellen kann. Erstens mußte er, der Junior, mit seinem Bruder Richard immer noch das tun, was der Alte anordnete. Nach der Erbauseinandersetzung bekam er die beste Stute, die aber dann ca. 15 Jahre güst blieb. Selbst Schäfer Ast konnte nicht helfen. Der Hengststall wurde ausgebomt, die Weiden waren nur noch ein Trichterfeld, drei Luftminen direkt um den "Wilhelmsburger Hof".  Bei Kriegsende wurde sogar noch eine Hausecke mit Artilleriefeuer von Harburg aus stark beschädigt. Der Wiederaufbau, das Neuanfangen mit der Zucht wurde gleich nach dem Krieg immer schwieriger, zumal die Einkünfte nachließen und die Flut von 1962 Herrn Busch jun. dann so ziemlich den rest gab. An dieser Stelle gehört noch Herrn Hans Krages, seine Frau und seine Beschäftigten für die Hilfe, das gesamte Vieh bei ihnen unterzubringen, ein herzliches Dankeschön. Das war echte nachbarschaftshilfe. Hans Busch juniors Hauptfehler war, daß er für diese Welt zu gut war, zu gut auch den Nachkriegspächtern gegenüber, die alles versprachen, aber nichts hielten und mit den Verträgen ihre Geschäfte machten. Für einen Nachkriegspächter sollte ich noch 3000,-DM an Elbschloss zahlen, weil er einen Teil des in dem Haus befindlichen Inventars verpfändete. Nur aus Kulanzgründen dem Vertreter der Elbschloss gegenüber habe ich 1000,-DM gezahlt. Die Pacht betrug bis 1962 210 ,-DM. Leider verstab Johannes Busch jun. bereits im Jahre 1963.

An dieser Stelle sollte Anna Bührung (Annemirdel), die bei der ersten Generation anfing und alle Sturm- und Drangjahre miterlebte, ebenso seit 1954 Hans Hinz, nicht unerwähnt bleiben - sie gehören auch jetzt noch praktisch zum Hause.

Nun hieß es für die dritte generation Maria Wilkens, geb. Busch und Hermann Wilkens, die Angelegenheit "Wilhelmsburger Hof" mit der Mutter und den geschwistern aufzuteilen, damit der "Wilhelmsburger Hof" wieder auf Vordermann kam. Somit übernahmen wir 1966 diesen. Das heißt, Renovierung vom Keller bis zum Turm, Umgestaltung der Wirtschaftsräume und Anpassung an die auf uns zukommende Industrie, das waren große und harte Aufgaben; aber an Mut hat es noch nie gefehlt. Wir hatten auch noch gute freunde bei der Arbeit. Hier sollte auch noch gesagt werden, daß das Erbe reell aufgeteilt wurde und unsere Mutter einen sicheren und ruhigen Lebensabend hatte und sie nach ihrem Tod sogar noch von ihren Ersparnissen den Großkindern etwas vermachen konnte. Für meine Frau war es selbstverständlich eine große Umstellung, jetzt statt für drei Personen, bis zu ca. 100 Essen zuzubereiten; denn sie hatte zwar 24 Kühe per Hand gemolken und Pferde mit Liebe versorgt sowie Schweine in kurzer Zeit so lang gefüttert, als ob sie damals schon eine Rippe mehr hätten. 1957 bekamen wir schon für 1 kg Lebengewicht 1,42,-DM. Nun hieß es nicht nur, Mittagsessen machen, sondern es mußten außerdem Hochzeiten, Vereinsfeste, Weihnachtsfeste sowie sonstige Familienfeiern hergerichtet werden. Do zu unserer Freude und hoffentlich zur Zufriedenheit der Gäste ließ gutes Personal nicht lange auf sich warten. Auch die Endrenovierung ist jetzt abgeschlassen, denn das Ziel war, zum 75 jährigen bestehen des "Wilhelmsburger Hof" und nach 10 jähriger eigener Bewirtschaftung es als unsere Pflicht anzusehen, dem Nachfolger, unserem Sohn Hans-Hermann und seiner Frau Beate einen betrieb zu übergeben, aus dem nicht gleich große Lasten ruhen. Seine Lehre hat Hans-Hermann als Hotel-Kaufmann im Hotel "Atlantic" unter Herrn Geyer und herrn Waltherspiel abgeschlossen.

13. Hans-Hermann Wilkens mit Ehefrau Beate

 

Damit gebe ich hiermit bekannt, daß Hans-Hermann und Beate den betrieb heute offiziell übernehmen. Meine Frau und ich wünschen ihnen gute Geschäfte, und wir hoffen, daß Sie, werte Gäste sowie Lieferanten, das vertrauen, welches Sie uns entgegenbrachten, auch dem neuen Gastwirtspaar entgegenbringen werden! Unser Sohn und seine Ehefrau werden sich bemühen, sie als gast immer zufrieden zu stellen. Falls Sie aber mal eine Reklamation oder ein Anliegen haben, seien Sie so nett, und sagen Sie es, so wie es in der Speisekarte, auf der letzten Seite steht.

Bevor ich nun meine Worte beende, möchten meine Frau und ich uns bei Ihnen für die Treue, die Sie uns gehalten haben, recht herzlich bedanken.

14. Hermann Wilkens und Frau Maria geb. Busch 

15.

16. 1976

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