...Wilhelmsburger
Wappenkunde...
Die damals Selbständigen Städte Wilhelmsburg und Harburg hatten ebenso wie die Hansestadt Hamburg ihre eigenen Wappen.

Das Wilhelmsburger Wappen zeigt den braunschweigischen Löwen auf der einen, und vier Lilien auf der anderen Seite. Dieses war von 1925 bis 1927 das Wappen der Stadt Wilhelmsburg.
Als die beiden Städte Harburg und Wilhelmsburg zusammengeschlossen wurden, erhielten sie ein neues Stadtwappen.

Es handelte sich hierbei um das alte Harburger Wappen, daß dem Hamburger sehr ähnlich ist. Das Harburger Wappen, ein weißes Torhaus auf weißem Grund mit drei Türmen, und geöffnetem Tor in dem der braunschweigische Löwe steht, wurde um zwei Lilien auf den Zinnen der beiden Türme aus dem Wilhelmsburger Wappen ergänzt. Dieses Wappen hatte von 1931 bis 1937 Gültigkeit.

Seitdem die Selbständigkeit durch das Groß-Hamburg-Gesetz 1937 aufgehoben wurde galt in Wilhelmsburg das noch heute Gültige Wappen der Hansestadt Hamburg.
Artikel aus der Wilhelmsburger Zeitung vom 30.August 1968
Das Wilhelmsburger Wappen
Kein Wappen innerhalb des hamburgischen Bereiches hatte ein seltsameres Geschick als
das wilhelmsburgische. Ihm stand eine Herzogin Pate, und ein Gastwirt vom
Vogelhüttendeich fand es in der Kreuzkirche wieder auf.
Ein nicht-amtlicher Heroldsverband überarbeitete es, und die Ämter
bestätigten es nicht.
War
es als Stadtsymbol anfechtbar, so
wurden seine Lilien, die ins harburgisch-wilhelmsburgische
Wappen übernommen
wurden, unanfechtbar.
Es
war „tot" in dem Augenblick, als
Harburg-Wilhelmsburg hamburgisch
wurde, blieb aber dennoch lebendig
durch den Titelkopf der „Wilhelmsburger Zeitung
" und durch den nördlichen
Torbogen der Süderelbbrücke.
Im
Rathaus an der Mengestraße, wo
es ebenfalls prangt, sind die Farben
verkehrt gemalt worden. Am amüsantesten
ist aber, daß dieses innerhalb
unseres Stadtteils wirklich
sehr populäre Wappen derartig geliebt
und überehrfurchtsvoll geachtet
wurde, daß noch kein Bürgerverein es wagte, dies vogelfreie Symbol
für sich in Anspruch zu nehmen. Obwohl
amtlich „tot", ist das Wappen
so etwas wie halblebendig geblieben,
und auch die aus ihm abgeleiteten
Stadtfarben Blau-WeißGelb sind nur halbrichtig, denn das Rot
der neun Herzen fehlt in ihnen. So isst es wahrhaftig ein Wahrzeichen
für alle jene Halbheiten geworden,
mit denen sich Wilhelmsburg
auch noch heute immer wieder abfinden
muß.
Das
liliengeschmückte Löwenwappen
erschien am 3. Januar 1895, also vor
etwas mehr als 73 Jahren, in der „Wilhelmsburger Gemeindezeitung". Ihr
ehemaliger Herausgeber, Franz Kämmerer,
hatte es als „Erinnerung" an
den Herzog Georg-Wilhelm von Braunschweig
und Gründer von WiIhelmsburg
veröffentlicht (es wird sich bald
herausstellen, daß auch Journalisten
irren können!).
Die
Anregung
kam 1894
vom Gastwirt Rassmann am Vogelhüttendeich,
der es auf einer brüchigen Fahne und
am Gestühl der ostwilhelmsburgischen
Kreuzkirche fand. Als
„Wappen
des Herzoges" wurde es von
Pastor Beer und von den Lehrern
Schulz und Kaiser bestätigt.
Diese
drei .,Kenner" irrten sich indes.
Der herzogliche „Playboy" des 17.
Jahrhunderts führte nämlich ein ganz
anderes Zeichen, in der wohl ein Löwe, aber keineswegs eine Lilie figurierte.
Die Wappenblumen hatte dafür seine Gemahlin, „Gräfin von Wilhelmsburg"
(ab 1675) und „Dame de
Harbourg", Eleonore d`Olbreuse, deren
französisches Stammhaus sie führte.
Als Eleonore später Herzogin wurde,
dürfte sie wohl auch den herzoglichen
blauen Löwen ihres
Gatten
in anderen Farben, gold auf silbernem
Grund, in ihr Wappen hineingenommen
haben.
Nun,
Wilhelmsburg selbst hatte damit
noch lange kein Wappen, mag auch
seine Gräfin eines besessen haben. Denn ein Stadt- oder Gemeindewappen
muß verliehen werden, und das
geschah wahrscheinlich nie.
Um
die Jahrhundertwende nahm sich
der Beigeordnete Schmidt vom Wilhelmsburger
Gemeindebüro der Frage
energisch an. Ihm wurde damals
von dem bekannten Heraldiker Prof.
Hildebrandt gesagt, daß die Gemeinde
das Zeichen führen dürfe, wenn
der blaue, braunschweigische Löwe wieder auf
goldenem Felde erschiene und man
kleine Änderungen berücksichtige. Herr Schmidt verstarb
aber, und als das abgeänderte Wappen
Eleonores ab 1899 an der Süderelbbrücke
und im Rathaus prangte, war es immer
noch nicht verliehen, denn die
Kompetenz stand allein dem preußischen
Innenministerium zu.
Den
Elbinsulanern war das anscheinend
aber ganz gleichgültig. Das
Zeichen war da, und es setzte sich durch. Ja, es wurde sogar auf Gemeindesiegeln
und
Stadtwappen
amtlich
geführt. Vielleicht wird ja auch
noch mal die Beleihungsurkunde
gefunden. Wenn nicht, spricht dies
noch mehr für die Beliebtheit des
Zeichens. Indes, als 1927 Wilhelmsburg und Harburg miteinander verschmolzen (Eleonore hatte diesen Schritt schon 200 Jahre früher durch Personalunion vorweggenommen!),
wurden Leonores Wilhelmsburger Lilien
(die wohl aus dem Poitou stammen) über die
Harburger Seitentürme des neuen
Harburg-Wilhelmsburger Stadtwappens
gelegt. Damit waren zumindest die
Lilien durchs preußische
Innenministerium amtlich anerkannt.
Heute
ist das Ganze nicht mehr besonders
problematisch. Hamburger Stadtteile führen kein Wappen, und wenn sie eines besitzen, gilt es als „tot" und nur als Erinnerung an eine interessante Vergangenheit.
Dr.
H. H. Kohlhaus