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03. Schule Buddestrasse kurz nach der Fertigstellung 1904

Aus der Wilhelmsburger Zeitung vom 04.Juli 1972

Ade, Du alte liebe Schule

04.

Der alten Bahnhofsschule als Gruß zum Abschied !

Das alte Gebäude der Schule Buddestraße soll in den Sommerferien abgebrochen werden. Sicher hat man bei ihrem Bau nicht an eine so kurze Lebensdauer gedacht.

Als in den Jahren vor 1900 der große Güterbahnhof in Wilhelmsburg entstanden war und der Eisenbahnbauverein etwa 700 Wohnungen errichtet hatte, wurde von den Eisenbahnern am 09.April 1902 der Antrag zum Bau einer eigenen Schule für das Bahnhofsviertel gestellt. Genau 1 Jahr später, am 09.April 1903, begann der Bau, der mit Grundstück und Inneneinrichtung auf 80.000 Mark veranschlagt war. Ein halbes Jahr später am 13.Oktober, wurde das Gebäude feierlich eingeweiht.

Die gut und ausführlich geführte Schulchronik berichtet über manches Ereignis aus den 69 Jahren ihres Bestehens. Danach verglich der Vorsitzende des Schulvorstandes in seiner Ansprache "Schulhäuser einer früheren Zeit" mit unserem Neubau und zeigte "daß die Bahnhofsschule innerlich und äußerlich würdig ausgestattet sei".

1905 wurden der Schule 180 Mark zur Verfügung gestellt, damit für jede der 6 Klassen ein Bild als Wandschmuck angeschafft werden könne. Das für die damalige 1 Klasse ausgesuchte Bild von Volkmann "Wogendes Kornfeld" ist mir noch heute in bester Erinnerung und hat einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Als 1908 1500 Eisenbahner am Bahnhof wohnten, war wie die "W.Z." damals berichtete, ein vollständiges Gemeindewesen geschaffen. "Die Kolonie besitzt ein Postamt, der Eisenbahnbauverein stellte Grundstücke für Schule und Kirche zur Verfügung. Ein Geistlicher ist bereits angestellt, der in einem Bauernhaus des Bauvereins Gottesdienste hält. Eine reichhaltige Bücherei ist beschafft. Zur Ausübung der Krankenpflege und Wohltätigkeit sind 6 Diakonissinnen und Kindergärtnerinnen angestellt. Ein Frauenverein und ein Jungfrauenverein ist begründet sowie eine Koch- und Haushaltungsschule für die Konfirmandinnen. Eine Kanalisation mit Kläranlage ist im Entstehen. Eine Badeanstalt mit Wannenbädern soll im nächsten Jahr gebaut werden, ebenso ein kleines eigenes Krankenhaus". Dazu hatte jeder einen Kleingarten und damit Spiel- und Bestätigungsmöglichkeit für die Kinder.

Wenn man dabei an die bitteren Klagen unserer Jugend aus den neuen Wohngebieten am Bahnhof denkt, fragt man sich, ob wirklich alles das, was sich als Fortschritt ausgibt, wirklich solcher ist.

Von den Ausflügen der Schule wird ausführlich berichtet, so von dem Schulausflug 1910 mit dem Dampfer nach Wittenbergen. Die 280 Schüler und 100 Erwachsenen wanderten nach der Veddel zum Dampfer und kehrten abends von der Veddel wieder zu Fuß zurück.

In den Sommerferien unternahm der Rektor Viohl mit einer Jugendgruppe eine Zweitägige Wanderung in die Heide. Am ersten Tag um 6 Uhr war Abmarsch. Am Abend des selben Tages erreichte man Wilsede, zu Fuß natürlich. Gesamtmarschleistung 48 Km. Dann Strohlager und am 2 Tag Rückmarsch. Wegen heftigen Regens fuhr man das letzte Stück mit der Bahn.

1910 führte man die 3. Turnstunde in der Woche ein und freiwillige Spielnachmittage. Von einer Schnitzeljagd in den Harburger Bergen und einen Theaterbesuch wird berichtet. Die Schulchronik enthält auch einen Bericht mit Festfolge für einen "Unterhaltungsabend zur Feier des 25 Jährigen Regierungsjubiläums S.M. Kaiser Wilhelm II. am 14. Juni 1913". Um 8 Uhr begann das Fest, um 1 Uhr war das umfangreiche Programm abgewickelt.

Aus dem Kriegsjahr 1915 liegt ein ausführliches Ferien-Wanderprogramm vor für die Schuljugend Wilhelmsburgs, in dem es heißt:

"Das beste Mittel, Euch gesund zu erhalten sind Spiel und Wandern in der freien Natur. Während der Schulzeit werdet Ihr in den Turnstunden zu Leibesübungen angehalten. Jetzt kommen die Ferien. Eure Lehrer und Lehrerinnen und einige Herren fordern Euch auf, auch in den Ferien die Leibesübungen nicht zu vernachlässigen. Sie wollen Euch Gelegenheit geben, an einigen Tagen jeder Ferienwoche gemeinsam zu wandern und zu spielen. Bittet Eure Mütter, daß sie Euch Erlaubnis dazu geben".

Dann folgt ein ausführliches Programm mit Wanderungen an jedem Dienstag und Freitag. Auch in den Herbstferien wurde noch eine Wanderung durchgeführt nach Friedrichsruh, und wieder zu Fuß ! Nur der Rückweg von Bergedorf geschah mit der Bahn. Es nahmen 726 Kinder aus ganz Wilhelmsburg teil. Die Kinder zahlten 0,20 Mark. Selbst im Kriegsjahr 1917 wurden noch wieder vier Ferienwanderungen durchgeführt mit je etwa 700 Kindern. Nach Kriegsende war auch Werner Schäfer, einst mit mir Schüler der Bahnhofsschule, vorübergehend Lehrer der Bahnhofsschule.

Inder Folgezeit nimmt die Schule an allem teil, was die Zeit von ihr fordert. Einmal im Jahr 1937, entsteht sogar eine Klassenzeitung. "Herausgeber und unverantwortlicher Schriftsteller :Klasse 1 (damals die Abgangsklasse)". Lehrer und Schüler werden durch den Kakao gezogen und ihre kleinen Schwächen bloßgelegt.

Dann kommt der 2. Weltkrieg. Am 09.Mai fallen zwei Bomben, eine auf den Schulhof, die anderen in die nahen Gärten. Die Schule ist arg mitgenommen. Die Kriegszeit mit Bombenangriffen und Kinderlandverschickungen läßt die Schularbeit 1944 völlig zum Erliegen kommen. Im Juli 1945 beginnt langsam der Neuaufbau. Ostern 1948 hat die Schule 524 Schüler mit 11 Lehrern in 5 Klassenräumen. Noch während sie ihr 50jähriges Bestehen im Jahre 1953 mit einer eindrucksvollen Feier beging, wurden 40 Kinder in 5 Räumen unterrichtet. Der Schichtunterricht ging von 8 bis 16.45 Uhr. Trotzdem wurde der Schulneubau, der 1953 auf der Neubauliste stand, weiter abgeschoben. 1957 wurden 949.000 Mark für den Neubau von 12 Klassenräumen und 100.000 Mark für den Umbau des alten Gebäudes vorgesehen.

Am 05.November 1957 (welche Ironie des Schicksals !) berichtet die Schulchronik : " Ein Inspektor von der Feuerwehr irrte am 05.November auf dem Schulhof und auf den Nachbargrundstücken umher. Auf die Frage des Hausmeisters Hildebrand, was er dort suche, antwortete er mit der Gegenfrage :" Wo ist die neue Schule?" Ich soll die Feuersicherheit prüfen. Herr Hildebrand kann ihn kaum davon überzeugen, daß die neue Schule noch gar nicht gebaut ist. Der Herr Inspektor und die Feuerwehr sind anderer Ansicht. Wenn der Schulbau 1953 beschlossen ist, muß die Schule doch 1957 längst fertig sein."

Am 04.August 1958 beginnen endlich die Planierungsarbeiten. Am 02.Juni 1960 können die 12 neuen Räume in Benutzung genommen werden. Jubel überall, bei Lehrern, Schülern und Eltern, der Schichtunterricht ist nach 15 Jahren vorbei, jede Klasse hat ihr eigenes Klassenzimmer.

Die Schäden der großen Flut von 1962 in den neuen Gebäuden werden mit Hilfe zahlreicher Geld- und Sachspenden sowie Verschickungen bis ins Saargebiet und nach Österreich überwunden. Einen Wirbel in Lehrer-, Schüler- und Elternschaft, in der Presse und der Bevölkerung rief der "Garderobenständer" hervor, der 1963 als Künstlerischer Schmuck auf dem Schulhof aufgestellt wurde. Der Künstler Müller Warnke hatte die Plastik, die keine inneren Beziehungen zum Schulleben zeigte, zwar "Raumkonstruktion" genannt, der Schulgemeinde schien allerdings der "Garderobenständer" treffender zu sein.

Die laufend fortgesetzten Wohnungsneubauten in der Umgebung von der Schule zwingen zu weiteren Schulausbau. Das Grundstück von Frau Hofmann in der Thielenstraße wurde erworben, und der langersehnte Bau der Turnhalle hat begonnen, ein Verwaltungstrakt mit Hausmeisterwohnung wird folgen, wenn das alte Schulhaus abgeräumt ist. Der erste Abschnitt aus der Geschichte der alten Bahnhofsschule ist abgeschlossen.

Der Verein für Heimatkunde, der die Geschichte unserer Heimatinsel pflegt, und die Schulleitung laden frühere Schüler und Lehrer, die Interesse daran haben, noch einmal zu einer gemeinsamen Besichtigung unserer alten Bahnhofsschule ein. Laßt uns doch noch einmal durch die alten Klassen und Flure gehen und in Erinnerung an de schöne Jugendzeit schwelgen.

Die Schulleiterin, Frau Grasfeder gibt uns am Sonnabend, dem 08.Juli 1972, um 15 Uhr Gelegenheit dazu. Der Hausmeister, Herr Westphal, wird uns auch die neuen Teile der Schule zeigen.

H.K.

 

05. Zählweise von unten nach oben und von links nach rechts

Erste Reihe - unten
1.(?) 2.Peter Meyer 3.Jürgen Schmidt 4.Günter Heitmann 5. ? Göhrke 6.Bernd Kaiser 7.Rolf Simmank 8.Jürgen Gerlach

Zweite Reihe - sitzend
1. Karl-Heinz Werner 2.Gerd Schwendtke 3. ? Hütköper 4.Irmgard Kirstein 5.Karla Scharnberg
6.Rosemarie Brandes 7. (?) 8. (?) 9.Ellen Sander 10.Ingrid Schmidt 11.Günther Rusch (stehend)

Dritte Reihe - stehend
Lehrer; Gustav Schuldt; 1.Klaus Wilke 2.(?) 3. Marietta Gehrke 4.Marianne Kaiser
5.Helga Feierabend 6.Helmut Meyer 7.(?) 8.Helga Ellefsen 9.Hildegard Rauschning 10.Klaus Köhnke

Vierte Reihe - oben
1.Hans-Heinrich Werner 2.Manfred Aldag 3.Egon Schreinicke 4.(?) 5.(?) 6.(?) 7.(?) 8.Edward Steinke 9.Gerhard Hankotius

 

dieses Bild erhielt ich mit dem folgenden Text von Gerhard Hankotius:

Moin Wilhelmsburger!
ich bin 1943 in der Buddestr. eingeschult worden. Die gesamte Klasse ist dann bis 1945 in Radegast bei Bleckede zur Schule gegangen. Wir waren Familienkinder bei den örtlichen Bauern. Das Klassen-Foto stammt etwa von 1946/47 und ist auf dem Schulhof in der Buddestr. aufgenommen worden. Es zeigt unten rechts Jürgen Gerlach, der wie ich (oben rechts) auf der Höhe gewohnt hat. Gruß,  hank

p.s. Der Lehrer auf dem Bild ist "Gustav (Guschi) Schuldt", ich bin Jahrgang 1937

Gerhard Hankotius

06.

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Abb. 01. - 04. von Peter Pforr steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Abb. 05. von Gerhard Hankotius steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Abb. 06. von Ilona Siemens steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.