75 Jahre Sängerbund Frohsinn

                                              

Wenn wir die Chronik unseres Vereins durchblättern, dann können wir mit berechtigtem Stolz auf die vergangenen 75 Jahre zurückblicken. Jedes dieser Jahre
ist voll von Ereignissen. Nie gab es ein tatenloses Dahingleiten, immer ein zielvolles Streben. Der Verein hatte stets in seiner Führung idealistisch eingestellte Vor-
sitzende und gute Chorleiter, die den Chor sicher durch die Jahrzehnte leiteten.

Am 6. August 1881 wurde der "Sängerbund Frohsinn" von sangesfreudigen Männern des Reiherstiegviertels gegründet. 1889 beteiligte sich der junge Chor
an einem Kreissängerfest in Wilhelmsburg. Der Gründer des Vereins, Sangesbruder Wilhelm Keesenberg, einer alteingesessenen Wilhelmsburger Familie entstammend war
damals der Vorsitzende Kantor Kohfahl aus Hamburg der Chorleiter. In den Jahren vor und nach der Jahrhundertwende erfolgte der Auf- und Ausbau des
Gebietes am Reiherstieg, das sich aus einem dörflich-ländlichen Vorort zu einem Industrieviertel entwickelte. Mit dieser Entwicklung hielt der Verein Schritt und
vergrößerte sich erheblich. Das Jahrzehnt vor dem ersten Weltkrieg war reich an chorischer Arbeit und an sängerischen Erfolgen. Das dankt der Chor seinem
damaligen Leiter, Herrn Karl Leiferrmann. Der Kriegsausbruch 1914 unterbrach die vielversprechende Entwicklung, die Mehrzahl der Mitglieder wurde Soldat,
das Vereinsleben kam zum Stillstand. Doch schon sehr bald nach Beendigung des Krieges fand sich der Verein unter Führung des Sangesbruders Hermann Harm
wieder zu sängerischem Tun zusammen. Es gelang ihm, den Verein wieder zu einem achtbaren Chor zu formen . 1924 übernahm unser Ehrenvorsitzender Rudolf
Reimers den Vorsitz. Mit Geschick und Zähigkeit baute er den Chor weiter auf. Als Chorleiter war damals Herr H. F. Kreidel verpflichtet. Das Schwergewicht
der musikalischen Arbeit lag in diesen Jahren in der Mitwirkung bei Sängerwettstreiten, die den Chor auch über die örtlichen Grenzen hinaus bekannt machten.
So errang der Chor bei Wettstreiten in Hamburg, Stade, Winsen und auch in Bielefeld wertvolle Preise, darunter die seinerzeit begehrte "Norag-Lyta"

Das 50. Stiftungsfest wurde dank musterhafter Organisation zu einem echten Wilhelmsburger Volksfest. 45 befreundete Vereine vereinten sich mit vielen Fest-
wagen zu einem stattlichen Festzug. Auf zwei Bühnen sangen im Festlokal die eingeladenen Chöre. Noch heute sprechen alte Wilhelmsburger gern von diesem
Sänger-Jubelfest. 1932 übernahm ein junger Chormeister, Herr Alex Grimpe, die musikalische Führung und leitete erfolgreich den Chor bei zahlreichen Konzerten,
Mitwirkungen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Preissingen.

Der Verein hat neben dem Chorgesang auch stets echte Geselligkeit gepflegt. Eine Frohsinn-Veranstaltung hatte von jeher einen guten Ruf in Wilhelmsburg, sei
es die traditionelle Maskerade, manch rauschende Silvesterfeier, verinnerlichte Weihnachtsbescherung oder fröhliche Fahrten und Wanderungen. Ehrend gedenken
wir hier des Sangesbruders Wilhelm Diekmann, der als Festausschuß-Obmann unermüdlich und mit Übersicht jahrelang für die Geselligkeit im Verein tätig war.

Und wieder war es der Krieg, der hart in unsere Gemeinschaft griff. Nachdem 1939 viele Sänger zum Wehrdienst eingezogen oder dienstverpflichtet wurden, brachten
die immer stärker werdenden Luftangriffe, die auch unser Wilhelmsburg schwer heimsuchten, das Vereinsleben 1943 zum Erliegen.

Der Krieg und der Zusammenbruch 1945, aber auch die schweren Nachkriegsjahre haben in Deutschland vieles zugrunde gehen lassen, was nicht mehr lebensfähig
war oder nur einer Tradition wegen noch existierte. Was aus einem inneren Kern heraus Daseinsberechtigung hatte, das überstand auch diese Zeit. "Frohsinn" zeigte
gerade in den Jahren der Not seinen unbändigen Lebenswillen und erhärtete durch chorische Leistungen seine kulturelle Berechtigung. Steil steigt die Linie der Erfolge
an, nachdem ein neuer Chorleiter, Herr Walter Rust, die Leitung und Ausbildung übernommen hatte. Viele neue interessierte Sänger wurden geworben. Der Verein
rückte auf in die Gruppe der größten Männerchöre Hamburgs.

l95O errang der Chor unter der musikalischen Führung von Herrn Rust bei dem Groß-Hamburger Sängerwettstreit einen geradezu triumphalen Erfolg: 1. Preis
in der 1. Klasse, sowohl für den Kunstchor als auch im Volksliedersingen. Dieser Erfolg war Ansporn zu neuen Taten; es folgten zahlreiche musikalische Veran-
staltungen. Im Herbst 1950 sang der Chor zum Abschlußkonzert der "Winsener Musikwoche", im April 1951 machten die Winsener Sangesfreunde unter Stadt-
musikdirektor Herrn Hermann Dubber ihren Gegenbesuch bei einem gemeinsamen Chorkonzert in Wilhelmsburg mit dem Singkreis der Wilhelmsburger Volks-
Hochschule gestaltete der Chor im Juni 1951 eine Carl-Maria-von-Weber-Feier zum 125.Todestage des Komponisten. Unser 70jähriges Bestehen feierten wir im
Herbst des gleichen Jahres mit einem Festkonzert, das zweimal veranstaltet werden mußte.

Musikalische Veranstaltungen von 1952 - 1955

1952
6. Februar              Aula Wilhelmsburg                  Mozart Abend
29. März                Eberthalle                               Beethoven-Abend (zum 125. Todestag)
23. September       Saal-Stüben                           Chorkonzert "Frohsinn im Lied"

1953
14. März               Eberthalle                               Schubert-Abend (zum 125. Todestag)
3. Juli                    Musikhalle                              Festkonzert des Sängerbundes
4. Juli                    Bergedorf                               Stundenkonzert beim Sängerbundesfest
1. Dezember         Musikhalle                              Chorkonzert des Sängerbundes

1954
20. März              Eberthalle                                Beethoven-Brahms Abend
2. Juni                  Aula Wilhelmsburg                  Volkstümliches Chorkonzert
3. Juni                  Aula Wilhelmsburg                  Volkstümliches Chorkonzert
9. November       Aula Wilhelmsburg                   Niederdeutscher Abend

1955
1. Februar           Gem.- Saal Wilhelmsburg        Niederdeutscher Abend
21. Februar         Musikhalle                             Chorkonzert des Sängerbundes
22. September    Saal-Stüben                           "Beschwinge Melodie"
5. November      Musikhalle                              Chorkonzert des Sängerbundes


Im Jahre 1953 trat der Verein dem Deutschen Sängerbund bei. Er wirkte von da ab bei allen Veranstaltungen des Sängerbundes Hamburg mit und erwarb sich
durch seine Leistungen einen geachteten Platz unter den führenden Männerchören Hamburgs.

In den letzten Jahren hat der Chor mehrmals im Rundfunk gesungen, sowohl anspruchsvolle Chorwerke als auch schlichte Volkslieder. In vielfachen Sendungen
wurden die hergestellten Bandaufnahmen übertragen. So wurde unser Chor einer großen Hörerschar bekannt.

Die stete Einsatzbereitschaft aller Sänger, die hingebungsvolle Arbeit der Vor- stands- und Festausschußmitglieder und die meisterliche Arbeit unseres Chorleiters
haben uns diese Erfolge ermöglicht. Wir gehen zuversichtlich in die Zukunft, einer guten Tradition verpflichtet, aber auch aufgeschlossen für Gegenwärtiges und
Künftiges.

Mitwirkende in unseren Veranstaltungen

Sopran: Ingeborg Bremert
            Helga Gabriel
            Margot Guilleaume
            Martina Wulf
            Ingeborg Reichelt
            Flanna Zwiebelmann

Alt:      Ursula Boese

Tenor:  Peter Anders
           Carl Theodor Hütterott

Bariton: Henry Harder
             Hans Kagel
Baß:      Eduard Wollitz

Violine:  Ingeborg Ludwig
Klavier: Wolfgang Peters
             Peter Schulz

Orgel:    Gertraud Klinghardt
Chöre:   Singkreis der Volkshochschule Wilhelmsburg
             Jugendchor der Wissenschaftlichen Oberschule Wilhelmsburg
             Städtischer Chor Winsen
             Singzirkel des M.-T.-V. Winsen
             Liedertafel Germania, Hoopte
            Orchester: Hamburger Symphonie-Orchester
            Hamburger Orchestergemeinschaft
            Orchestergemeinschaft Altona
            Wilhelmsburger Orchestergemeinschaft von 1929
            Winsener Konzertorchester

Rezitationen:      Rudolf Kinau

Quelle: Festschrift zum 75 Jährigen Bestehen, 1956