Ein Bericht von 1947

Wilhelmsburger Männer-Ruder-Club v. 1895

Mit seinen 52 Jahren gehört der Wilhelmsburger Männer-Ruder­ Club von 1895 zu den Sportpionieren auf der Elbinsel Wilhelmsburg. Vielleicht haben die damaligen Gründer selbst nicht ernstlich daran geglaubt, dass der Verein einmal nach so vielen Jahren noch von sich reden macht und zu den Erfolgreichsten des Norddeutschen Ruderer-Bundes zählt. Unzählige freudige Vereinsstunden sind es gewesen, die in einem unaufhaltbaren Tempo vorübergerauscht sind.

Das ist die Meistermannschaft des Wilhelmsburger Männer-Ruder-Klubs von 1895 im Jahre 1928. Von links nach rechts: L Krajewski, E. Becker, A. Grandt,. E. Grandt und Steuermann H. Hermann davor. Hinter ihm der große Siegerkranz

Und dennoch umspannen diese Jahre eine Zeit, die umwälzend auf allen Gebieten unseres politischen, wirtschaftlichen und technischen Lebens war; Jahre, die eine Kluft zwischen den Menschen und Dingen aufgerissen haben, die nur durch die Erinnerung zu überbrücken ist. Angefangen unter dem Kaiserreich, hindurchgegangen durch Blut, Rot und Qual des Weltkrieges 1914-18, durch Revolution, durch Inflation, durch Goldmarkzeit, durch 12 Jahre Drittes Reich und durch den größten grausamsten Krieg aller Kriege, das ist die äußere Struktur der verflossenen Jahre unseres Vereins.

61 Rennen - 30 Siege, Paul Bartsch war seinerzeit der. erfolgreichste Ruderer. Man siebt es an seinen Auszeichnungen. Auf das Trikot paßt kaum noch eine Medaille. Paul Bartsch war Ehrenmitglied des WMBC, er stammte vom RC Fortuna, einem weiteren Klub im Reiherstieg-Viertel. In Georgswerder gab es bei Sonnebon einst den RC »Blaue Welle«

Schon im Jahre 1894 fuhren die späteren Gründer des Wilhelmsburger Männer-Ruder-Clubs ihr erstes Rennen auf der Dove-Elbe in Wilhelmsburg. An einem heißen Sommerabend entdeckten einige junge Männer beim Baden auf dem Grund der Dove-Elbe in der Nähe des damaligen Eisschuppens von Schilling & Lohmann einen kleinen so genannten Ever- (vorn und hinten spitz), welcher mit vereinten Kräften an Land gebracht wurde. Nachdem er einigermaßen schwimmfähig gemacht worden war, erhielt er den Namen »Moses«, und die jungen Männer hatten ihren Wassersport. Junge Eisenbahner, die ihre Freizeit in einem leichten Ruderboot ebenfalls auf der Dove-Elbe zubrachten, forderten nun bald die Moses-Besatzung, die sich mit Paddeln betätigte, zu einer Wettfahrt heraus. Natürlich ging diese nicht so ohne, es mußte dem Sieger ein Preis winken. Dieser bestand aus einem kleinen Faß Bier und einen Korb belegter Butterbrote. Sieger wurde die Moses-Mannschaft. Beim Festschmaus, welcher im Eisschuppen stattfand, wurde dann die erste Anregung zur Gründung eines Ruder­Clubs gegeben. Es blieb aber zunächst bei dieser Anregung. Erst im folgenden Jahr, am 3. März 1895, wurde die Gründung im Lokal Adolf Koch, Schönenfelder Straße 61 (Badeanstalt),- Wirklichkeit. Gegründet wurden aber nicht ein, sondern gleich zwei Vereine. Der eine für die Älteren, schon über 25jährigen, erhielt den Namen »Wilhelmsburger Männer-Ruder-Club«, und der andere, für die Jüngeren, erhielt den Namen »Ruder-Club Pfeil«. Sein Zuhause hatte der Wilhelmsburger Männer-RC. bei W. Dörels, am Wilhelmsburger Bahnhof, und der R.-C. »Pfeil« bei Pinkale, Buscherweg.

Ja, so begann in Wilhelmsburg der Rudersport.

Artikel aus der Wilhelmsburger Zeitung vom 15.Mai 1981

Artikel aus der Wilhelmsburger Zeitung vom 02.Dezember 1977