100 Jahre
Schule
Rahmwerder Straße in Georgswerder
Die
erste Georgswerder Schule wird 1675 erbaut.
In diesem Jahr erhielten die Bewohner von Georgwerder die Genehmigung wegen des
„schlimmen und weiten Weges" einen eigen Schulmeister zu halten und eine
Schule zu bauen. 1860 hatte die Schule 180 Kinder, die alle in einem Raum von
6x7 Meter unterrichtet werden!
Die
Zahl der Schüler wächst weiter und nachdem schon die Wohnung des
unverheirateten Lehrers umgewandelt wurde, fordert die königliche Regierung
am 20. September 1900 den Bau eines neuen Klassenzimmers. Nach langen Debatten
beschließt jedoch der Schulvorstand an der bestehenden Schule nicht weiter,
sondern in Niedergeorgswerder neu zu bauen.
Kurz
nach 10 Uhr vormittags trafen die Klassen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen auf
dem Schulhofe der neuen Schule ein und nahmen dort selbst Aufstellung. Herr
Rektor Reinstorf gab seiner Freude Ausdruck, dass nun auch in Georgswerder
ein der Neuzeit entsprechendes Schulgebäude durch das Entgegenkommen der
Gemeinde entstanden sei, dankte allen, welche zu dem stattlichen Bau
beigetragen und übernahm das Gebäude im Namen des dreieinigen Gottes mit Gelöbnis,
dass in diesem Hause zum Segen der heranwachsenden Jugend, der Gemeinde und
des teuren Vaterlandes die Lehrerschaft ihre ganzen Kräfte einzusetzen bereit
sei. Herrn Direktor Reinstorf wurde feierlich der Schlüssel überreicht und
ein Festessen in dem Lokale des Herrn Gerds bildete den Abschluss der
Feierlichkeit. Hier brachte Herr Pastor Mannes den Kaisertoast aus, weitere
Toaste folgten auf die Gemeinde, den Schulvorstand, den Bauleiter, Herrn Lehrer
Schulz, die neuen Georgswerder Lehrer und - last not least - auf die Damen.
Kaum
eingezogen begannen für die neue Schule die Schwierigkeiten: bis zur
Fertigstellung der Schule Buddestr. mussten auch die Kinder aus dem
Bahnhofsviertel in der Rahmwerder Straße mit unterrichtet werden. So drängten
sich 680 Kinder in 13 Klassen in dem Schulgebäude, das Kollegium bestand aus 13
Lehrkräften, die teilweise von Lehrern aus Stillhorn unterstützt wurden.
Erst 1906 normalisierte sich der Schulalltag, die Schule hat nur noch 442 Schüler.
1907
wird
die Schulsparkasse eingerichtet.
1908
Die
Lehrer werden zur Fortbildung beurlaubt.
1914
Ausbruch
des 1. Weltkrieges, 4 Lehrer werden eingezogen, Ausgabe von Brotbüchern.
1917/18
Krankheit,
Vertretung und Kohlemangel machen einen geregelten Unterricht kaum möglich.
Die Schule wird für 2 Monate wegen fehlender Kohlen geschlossen
1920
Erstmalig
Wahlen zum Elternbeirat. Die Schule behält nur 4 Klassen. Die Oberklassen gehen
zur Bahnhofsschule. Lehrer Prigge kommt aus der Gefangenschaft zurück und
heiratet Frl. Baumgarten, auch Lehrerin an der Schule. Inflation.
1927
Die
Schule hat 169 Kinder und 6 Lehrkräfte.
1931
Die
Schule wird wieder selbständig, Rektor Reinstorf hatte vorher die
Bahnhofsschule und die Schule Rahmwerder Straße gemeinsam verwaltet.
1939
Auf Anordnung der Reichsregierung werden sämtliche Schulen am 28.8.
geschlossen. Die Schule in Georgswerder wird für militärische Zwecke
beschlagnahmt. Ausbruch des 2. Weltkrieges. Am 18. September konnte nach einer
gründlichen Reinigung des Schulgebäudes und nach dem Bau eines Luftschutzraumes
die Schule wieder beginnen. Hier bricht die Chronik ab. Wie sich die Herrschaft
der NSDAP auf die Schule und das Schulleben ausgewirkt hat, darüber schweigt
die Chronik, aber sicherlich war es in Georgswerder so ähnlich wie anderswo.
1945
setzt
die Schulchronik wieder ein und trägt nach: Am 1 wurden wegen der
Bombenangriffe sämtliche Hamburger Schulen geschlossen und erst nach 1 1/2 jähriger
Pause am 23.8.1945 wieder eröffnet. Der Unterricht beginnt zunächst für den
Jahrgang 1- 4 mit 230 Kindern. Das Kollegium besteht aus 2 Mitgliedern: Herrn
Schröder und Frau Ebersbach, später kamen noch Frau Kraushaar und Herr Bürgel
hinzu.
1946
Am 6.
Januar wird die Oberstufe eingerichtet. 408 Schüler, Herr Brumm kommt.
Schulspeisungen werden eingerichtet, die Schülerzahl erhöht sich auf 448.
1947
503 Schüler.
Eine Schulküche, eingerichtet in einem alten Kohleschuppen auf dem Schulgelände,
besteht im Juni glänzend ihre Feuerprobe, indem sie etwa 20 Pfund von den
Eltern gestiftetes Mehl zu Kleingebäck verarbeitet. Am Zubringer wird ein
Wohnlager eingerichtet, die Schülerzahl steigt auf 535. An der Schulspeisung
nehmen 520 Kinder teil.
1948/49
Am 1.4.
werden 13 Klassen mit 521 Kindern eingerichtet. Ein monatlicher Badetag in der
Schule Neuenfelder Str. wird eingeführt.
1949/50
542
Kinder, 14 Klassen, 14 Lehrkräfte und 7 Klassenräume.
19
50/51
Herr Bürgel
wird Schulleiter. Herr Brumm leitet den Chor der Schule mit 45 Kindern. Die
Innenausstattung der Schule wird durch freiwillige Arbeit der Eltern, Lehrer
und Kinder verbessert. Ein Schulgarten wird eingerichtet.
568
Kinder werden im Schichtunterricht in 15 Klassen mit 7 Klassenräumen
unterrichtet. Ein großes Sommerfest findet statt. Frau Kasten heiratet Herrn
Englich und Frau Chittka Herrn Cardinahl. Der Januar/ Februar bringt eine
Grippewelle, die zur zeitweiligen Schließung einer Klasse führt.
wird
das 50-jährige Schuljubiläum an 2 Tagen groß gefeiert.
1962
sah die
Schule so aus wie heute.
1962
brachte
aber auch die große Flut. Die Schule bot Schutz und Unterkunft für viele während
der schlimmen Tage und Nächte. Gleichzeitig veränderte sie aber auch den
Schulalltag. Die Laubenkolonie „Brummerkaten" wurde für unbewohnbar erklärt
und viele Menschen verließen fluchtartig Georgswerder. Die Schülerzahl sank
von 420 auf 300. Die Schule Rahmwerder Straße erhält eine Vorschule. ln
Wilhelmburg wird die Eingangsstufe eingeführt. Vorschule und 1. Klasse bilden
eine Einheit (E1 und E2). Die Schule ist zweizügig bis zur 4. Klasse, dann einzügig
bis zur 9. Klasse.
1978
Noch
270 Kinder feiern das 75 jährige Jubiläum. An „3 tollen Tagen" ist was
los in Georgswerder. Auf dem Müllberg wird Dioxin gefunden und wieder verlassen
viele Familien unseren Stadtteil. Die Schule wird einzügige Grundschule.
1980
Eine
Woche vor den Frühjahrsferien wird die Schule geschlossen: Gelbsucht. Eine
Lehrerin und fünf Kinder sind erkrankt.
1989
Nachdem
Rektor Buckbesch, der die Schule seit 1970 leitet, in den Ruhestand versetzt
ist, wird die Schule trotz vieler Proteste der Schule Buddestraße angegliedert.
1989
Zweigstelle
der Schule Buddestraße. Schulleiterin wird Frau Schmitz. Sechs Lehrkräfte
unterrichten in 4 Klassen und der Vorschule.
1996
Einführung
der vollen Halbtagsgrundschule. Ein Konzept für die Schule wird entwickelt,
kann aber nur minimal umgesetzt werden. In erster Linie aufgrund fehlender
finanzieller Mittel. Alle Schüler erhalten 1 x die Woche eine
Psychomotorikstunde in der Turnhalle. Einführung der Monatsfeier. Jede Klasse
präsentiert einmal im Monat den anderen Klassen etwas aus dem Unterricht. Die
Ziege (Metallkunstwerk) kommt wieder zurück in die Schule.
1997
Teilnahme der Schule am Müllprojekt. Ein schöner Spielplatz wird auf Anregung des Arbeitskreises Georgswerder auf dem vorderen Schulhof eingerichtet. Die Schule übernimmt die Müllpatenschaft.
2000
Schulprogramm
2003
Ein 2 m
hoher Zaun wird um das Schulgelände gezogen.
2003
100
Jahre
Schule
Rahmwerder Straße
Genauso
ungewiss, wie das Schicksal der Schule immer wieder in den 100 Jahren ihres
Bestehens war, ist es auch heute. Die rigiden Sparmaßnahmen der Regierung
lassen das Schlimmste befürchten. Aber wie schon in der Festschrift zum 50 jährigen
Jubiläum steht: „Alles, was in der Welt geschieht, geschieht in der
Hoffnung" (Luther). Wir hoffen also, dass die Schule noch lange bestehen
bleibt und zeigen mit unserem Fest, dass in der „alten Dame" noch Leben
steckt und sie keineswegs „tot" ist.
Angelika
Pasch, unter zu Hilfenahme der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum und der
Wilhelmsburger Zeitung
kam
1909 mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern von Wismar nach Wilhelmsburg und
hat von Ostern 1911 bis Ostern 1919 die Volksschule in Georgswerder besucht.
Ihre Schulzeit schildert sie wie folgt:
Zur
Konfirmandenstunde mußten wir ganz zur alten Kirche in Kirchdorf gehen. Dort im
Pastorenhaus gegenüber der Kirche hatten wir Unterricht. Heute kann man ja
dahin fahren, wir mußten aber bei jedem Wind und Wetter laufen. Oft sind wir nass
geworden und vollgespritzt. Rektor Reinstorf war mit manchem nicht
einverstanden, was der Pastor sagte, aber wir haben versucht, uns daraus zu
halten.
Wir
waren Jungs und Mädchen in einer Klasse, oft waren wir über 50 Schüler, in
meinem Zeugnisheft ist die genaue Schülerzahl angegeben.
Als Mädchen
haben wir immer Handarbeit gehabt. Als es im ersten Weltkrieg keine Wolle mehr
gab, hatten wir ab Ostern 1916 mit den Jungs Raumlehre, die diese schon Jahre
hatten, wir aber nicht. Wir haben zuerst wie der Ochs vorm Berg gestanden.
Wir saßen
damals in Zweierbänken, die obere Hälfte waren die Mädchen und die untere Hälfte
die Jungs. ich bin gern zur Schule gegangen; wir saßen damals nach Plätzen und
ich hatte immer die ersten Plätze inne. Ich habe dann immer wegen der Raumlehre
den besten von den Jungen gefragt, damit ich dahinter kam. Trotzdem habe ich
1917 einen schlechteren Platz gehabt, das hat mich ziemlich gewurmt, erst im
letzten Schuljahr 1918/19 war ich wieder die Nummer 1."
Herr Backhausen
ehemaliger
Schüler an unserer Schule, berichtete uns folgendes:
lm
Winter 1945, in einer Schulpause, kam es auf dem Schulhof, wo reichlich Schnee
lag, zu einer heißen Schneeballschlacht zwischen uns Jungen und Mädels. Ein
Mitschüler wollte sich im Eingang verstecken, dabei hatte ich aber schon
einen handlichen Schneeball abgefeuert, der dann haargenau den Kopf vom
Schulleiter Johann Bürgel traf, weil er just in diesem Moment aus der Eingangstür
trat. Da sich niemand auf die Frage, „Wer war das?" meldete, musste die
gesamte B. Klasse geschlossen, 1 Stunde Nachsitzen und 100 mal schreiben:
„ich habe mich in der Pause anständig zu benehmen."
Aus der
Festschrift anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Schule Rahmwerder
Straße