MAX OERTZ - WERFT

Am 20. April 1871 wurde Max Oertz In Neustadt/Holst. geboren. Er wuchs in der
Fischerstraße auf und hatte durch die unmittelbare Nähe zum Wasser und zum
Neustädter Handelshafen die Möglichkeit, in seiner Kindheit und Jugend die
Segelei aus erster Hand zu erleben und kennenzulernen.
Nach Abschluss der Schule mit dem Reifezeugnis ließ er sich an der
Königlich-Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg für den Studiengang
des Schiffbauers einschreiben. Seine Liebe zum Segelsport führte ihn während
dieser Zeit in die Reihen des Akademischen Seglervereins/Berlin. Das Studium des
Schiffbaues gepaart mit dem Segeln in seiner Freizeit haben Max Oertz
entscheidend geprägt, um auf dem Sektor der Yachkonstruktion tätig zu werden.
Für seinen weiteren Lebensweg hatte diese Entwicklung eine herausragende
Bedeutung.
Während des Studiums lernte er den Yachtkonstrukteur Stahl aus Petersburg
kennen, der die Fähigkeiten von Max Oertz erkannte und ihn nach Petersburg
holte. Zuvor hatte er bei der Werft Lürssen in Vegesack seine praktischen
Bootsbaukenntnisse vervollständigt und erweitert. Besonders mit einer großen
Zahl der von ihm gebauten Schwertboote erzielte er hier seine ersten großen
Erfolge. Den bis dahin als unschlagbar geltenden englischen und amerikanischen
Booten waren seine Konstruktionen überlegen. 1894, Max Oertz war erst 23 Jahre
alt, gewann er seinen ersten Preis in einem Konstruktionswettbewerb für den Bau
einer Rennyacht zum Einsatz im Kampf um den Hohenzollern Preis.
Max Oertz wurde sehr schnell klar, dass im Yachtbau der Entwurf und die
Bauausführung ein untrennbares Ganzes bilden.

Riss einer Kreuzeryacht, aus der Feder von Max Oertz
Er entwickelte den Wunsch, auf einer eigenen Werft seine Ideen in die Tat umsetzen zu können.

Arbeiter der Yachtwerft von Max Oertz & Harder, Neuhof am Reiherstieg am 2. August 1897
Er schuf seine
eigene Werft 1896/97 in Neuhof bei Hamburg. Aus kleinen bescheidenen Anfängen
entwickelte sich schnell eine weltbekannte Yacht- und Bootswerft, die man als
die Geburtsstätte des deutschen Yachtbaus bezeichnen kann. Mehr als 30 Jahre
hindurch hat die Oertz Werft in Hamburg unter seiner Leitung geblüht, und es
entstanden hier eine Fülle von sehr hochwertigen Neubauten, die aufgrund der
genialen Konstruktion, der hervorragenden handwerklichen Ausführungen und der
legendären Regattaerfolge Berühmtheit erlangten. Seine Spitzenleistungen waren
sicher die großen Schoner für den deutschen Kaiser, die Meteor IV und V, aber
auch die Rennyacht Germania des Hauses Krupp.
Max Oertz bemühte sich Zeit seines Lebens die für Regattaklassifizierungen
vorgegebenen Messformeln hinsichtlich der geschwindigkeitsfördernden Formgebung
optimal auszuschöpfen. Gleichzeitig verfügte er über einen besonderen
Einfallsreichtum bei der formschönen Gestaltung von Beschlägen an Deck, in der
Takelage, an den Masten und Spieren und in der Schiffsinneneinrichtung. Er
entwarf seine Klampen, Poller, Klüsen und Augen, Nockbeschläge selbst und
wußte, dass sie dann der Segelpraxis entsprechend geformt waren.
Neben der Konstruktion und dem Bau von Segelyachten machte sich Max Oertz
ebenfalls einen Namen als Konstrukteur von Motoryachten, Fischereifahrzeugen,
Marinefahrzeugen und auf dem Sektor der Großschifffahrt. Mit viel Erfolg hat er
Flugzeuge, Flugboote und einen für die damaligen Verhältnisse neuartigen
Fesselballon entwickelt. 1909, nur wenige Wochen
nach dem ersten Auftreten eines Wright-Flugapparates in Deutschland, erregte
Max Oertz als Konstrukteur eines eigenen motorgetriebenen Flugzeuges großes
Aufsehen. Zwei Jahre später konstruierte er den ersten aerodynamisch
geformten und geschlossenen Flugzeugrumpf. Seine Wasserflugzeuge für die
kaiserliche Marine waren die ersten Flugboote mit eigenstabilem Bootskörper.
Vor allem wegen seiner großen Verdienste im Flugzeugbau erhielt Max Oertz
1918 vom Dekan der Universität Darmstadt den Titel Dr.-Ing. h.c. Nach dem Ersten Weltkrieg
baute Oertz schnelle Hochsee-Fischkutter und Strandboote für die Küstenfischerei.
Das von ihm entwickelte Oertz-Scheerbrett gehört heute zum Standard in der
Netzfischerei
Seine größte Schaffenskraft setzte er allerdings
immer für die Konstruktion und den Bau von Segelyachten ein. Max Oertz starb
nach schwerem Leiden am 24. November 1929.
Die bekanntesten Max Oertz Yachten
Pinguin, Wannsee, Felca, Lims, Orchis, Samoa, Pesa, Luna, Senta, Angela, Prosit
II und Prosit III, Wega, Germania, Polly, Thetis, Meteor, Klein Polly, Ingorata,
Nyota
Daneben entstanden auf seiner Werft am Reiherstieg bei Hamburg mehr als 450 Schiffe und Yachten. Viele seiner formvollendeten Schöpfungen haben Yachtsportgeschichte geschrieben.
Die internationale Großschifffahrt revolutionierte der geniale Erfinder durch sein sogenanntes Oertz-Ruder. Es hatte einen bedeutend höheren Wirkungsgrad als alle bekannten Ruderkonstruktionen, sparte bis zu 15 Prozent Antriebsenergie ein und verlieh dem Schiff zusätzlich eine höhere Geschwindigkeit. Mit Hilfe des Oertz-Ruders konnten die beiden großen Turbinen-Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd BREMEN und EUROPA den Transatlantik-Rekord der britischen MAURETANIA brechen und für Deutschland des Blaue Band erringen.



Die SY PANTAGRUEL blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde 1920 in Anlehnung an die Pläne der kaiserlichen Yacht GERMANIA konstruiert und auf der bekannten Wilhelmsburger Oertz Werft auf Neuhof gebaut. Um der Zerstörung im 2. Weltkrieg zu entgehen, versenkte sie der damalige Eigner im Hafen von Stettin. Doch schon bald wurde sie gehoben und nahm in den Jahren 1950 bis 1985 unter dem Namen des Polenkönigs Chobry als Rennyacht erfolgreich an unzähligen Baltikregatten teil. Von einem deutschen Liebhaber entdeckt wurde sie 1991 nach Hamburg überführt

1912 In der neu entstandenen Konstruktionsklasse der 45-m2-Nationalen Kreuzer wurde als viertes Exemplar die Yacht "Pelikan" (P 4) von Max Oertz gezeichnet und in seiner Werft in Neuhof-Hamburg gebaut. Auftraggeber für die "Pelikan" war ein Mitglied des Augsburger Segler-Clubs (ASC), der Augsburger Bürger Ritter Albert von Forster. Die Yacht wurde speziell für sein Segelrevier, den Ammersee, als schneller Binnensegler für Leichtwinde gebaut, was ihre extrem kurze Wasserlinie von 5,71 m erklärt. Bei anderen Nationalen Kreuzern misst die Wasserlinie etwa 7 m. Die übrigen Maße der "Pelikan" waren: Länge über alles 8,39 m, größte Breite 2,23 m und Tiefgang 1,13 m. Die Yacht wurde per Bahn von Hamburg (Einladungsort: Neuhof-Reiherstieg) nach Herrsching am Ammersee in Bayern transportiert. Dies ist durch eine Versicherungspolice der Oberrheinischen Versicherungs-Gesellschaft in Mannheim vom 15. Juni 1912 belegt

Die Pesa
Rumpflänge: 15,78 m, Länge insgesamt 19,90 m, Breite 2,90 m, Segel: 170 m²




Gebaut 1911auf der Oertz Werft auf Neuhof. Sie hatte viele Inhaber, und wurde des öfteren umbenannt z.B. in GUDRUN, GISELA, ODIN und RAJA V. Der letzte Inhaber gab der Pesa ihren alten Namen wieder.