Chronik der Oelkers -Werft

Johann Oelkers, geb. am 14. April 1849 zu Wilhelmsburg am Reiherstieg, erlernte bei seinem Onkel Johann Oelkers ab seinem 14. Lebensjahr das Schiffszimmerhandwerk und übernahm später die von diesem betriebene Schiffsreparaturwerkstätte in Steinwärder. Die Arbeit bestand in Reparaturen an den derzeit üblichen kleinen hölzernen Seglern, soweit sie an Bord ohne Werftbetrieb erledigt werden konnten.

1. Mai 1876 pachtet der Schiffszimmerer Johann Oelkers ein 3000 qm großes Gelände hinter seinem Wohnhaus auf Hamburg - Steinwärder, und legt damit den Grundstein für die Firma Johann Oelkers, Schiffswerft und Maschinenfabrik.

1888 arbeiten auf dem Werftplatz 20 Mann, um diese Zeit herum gewannen Johann und seine Ehefrau Friederike die er 1877 heiratete 2.500 Mark in der Lotterie. Doch anstatt wie Friederike es sich wünschte das Geld für neue Möbel auszugeben wurde die erste kombinierte Blechloch- und Schneidemaschine angeschafft. Das Grundstück auf Steinwärder musste im selben Jahr wegen der Schaffung des Freihafens geräumt werden. Johann Oelkers bemühte sich um ein Grundstück auf dem damaligen preußischen Gebiet am Reiherstieg auf der Insel Neuhof. Nach langen Verhandlungen mit den damaligen Besitzern des "Rittergutes Neuhof", Freiherr v. Grote, wurde ihm ein Pachtgelände außerhalb des Deiches für eine Pachtzeit von 90 Jahren überlassen. Dieses Gebiet umfasste ca. 7.500qm.

Ein Bild der Werftanlage aus der Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts zeigt, dass nach kürzester Frist neun Hellige zur Reparatur von Schuten und für Neubauten vorhanden waren und das ein flacher Schuppen für die Aufstellung der Eisenbearbeitungsmaschinen, eine Abdeckung über dem Glühofen sowie ein weiterer Schuppen zur Einlagerung von Booten und zur Ausführung von Holzarbeiten errichtet worden war. Ferner wurde ein handbetriebener Schwenkkran aufgestellt und zur Mitte des Werftplatzes ein Einschnitt als Liegeplatz geschaffen.

Ende der 90er Jahre wurde neben den üblichen Schutten die etwa 25 t tragende Frachtmotorbakasse als erstes Fahrzeug dieser Art für die Firma J. H. N. Heymann gebaut. Ob das damals noch nicht einwandfreie Funktionieren des Motors oder auch die Abneigung des Hamburger Hafens, Güter schnell in solchen Fahrzeugen zu befördern, der Grund war, dass dieses Fahrzeug damals noch keinen festen Fuß fassen konnte, ist nicht bekannt. Jedenfalls ist Tatsache, dass diese Frachtbarkasse nach 2 - 3 Jahren als Motorfrachtschiff außer Dienst gestellt und zum Schleppdampfer "Louise" umgebaut werden musste und so tat "Louise" noch mehrere Jahrzehnte für die gleiche Firma im Hamburger Hafen ihren Dienst.

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre haben Herr und Frau Oelkers ihren ältesten Sohn John den Beruf des Maschinenbauers, den zweiten Sohn Wilhelm den Beruf des Schiffsbauers ergreifen lassen.

John Oelkers, geb. am 26. April 1878 absolvierte zunächst im Jahre 1894 ein Jahr in der Neuhofer Dorfschmiede die Schmiedeausbildung um dann von 1895 - 98 als Maschinenbau - Lehrling bei Blohm & Voß seine Lehre erfolgreich abschloss , wo er bis zur Ableistung seiner einjährigen Dienstzeit bei der Marine 1899/1900 als Geselle tätig war.

Wilhelm Oelkers, geb. am 18. Mai 1880, kam 1895 in den väterlichen Betrieb als Holz- und Eisenschiffbauer in die Lehre. Bis zu seiner 1900 beginnenden Dienstzeit als Pionier in Königsberg und auch später wußte er sich durch den Besuch der staatlichen Gewerbeschule und durch Zeichenkurse in dem Ausbildungsbüro von Johs. Heitmann die für die Meisterausbildung notwendigen theoretischen Kenntnisse zu verschaffen.

Otto Oelkers, beginn einer technischen Ausbildung im Jahre 1907 in der väterlichen Werft.

1901 Bau der ersten Patentslipanlage zum aufnehmen von Schleppern bis zu 25 m Länge sowie von Leichtern und Küstenfahrzeugen bis zu 35 m Länge zu bauen, weiter die notwendigen Anlagen für Maschinenreparaturen in Gestalt einer entsprechenden Werkstelle mit Drehbänken, Hobelmaschinen usw. usw. zu schaffen. 

Die Oelkers Werft im Jahre 1905

1906 verstarb Friederike Oelkers nach einer schweren Operation

1911/12 Die Belegschaft der Werft war ungefähr 120 Mann groß, sie mußte um die vorliegenden Neubauarbeiten von morgens 6 Uhr bis abends 19 Uhr tätig sein und außerdem noch die üblichen Überstunden für die Ausführung dringenster Reparaturen leisten.

1912 folgte Johann Oelkers seiner Frau im alter von 63 Jahren nachdem er zur Kur in Bad Eilsen einem Herzschlag erlag. Die drei Brüder John, Wilhelm und Otto setzten den Werftbetrieb fort, die anderen drei Geschwister eine Abfindung erhielten.

1914 Der erste Weltkrieg, gemäß den militärischen Bestimmungen rückten in den ersten Tagen der Mobilmachung John Oelkers noch am Sonnabend, Wilhelm Oelkers am Dienstag und Otto Oelkers am Mittwoch, und mit ihnen der größte Teil der im militärpflichtigen Alter stehenden Belegschaft zum Heerdienst ein. Als Leiterin des Betriebes blieb die Schwester Emma mit etwa 20 Mann der Belegschaft und einer Anzahl Lehrlinge zurück. Ende 1914 konnte John Oelkers eine Beurlaubung von der Werftdivision Wilhelmshaven durchsetzen und diese auf ein ganzes Jahr zu verlängern.

Die Werft im Mai 1924 mit Neubauplatz und Vorhafen

ebenfalls im Mai 1924 die Werft mit den Slipanlagen I, II, III

 

Karte des Schiffzimmerers August Ratjens, geb. 28. Dezember 1862 wohnhaft am Reiherstieg 41, er erhielt für das dritte und vierte Quartal 1925 300 Mark und 23 Pfennige

1926/27  Durch Umbau eines 700 t großen Viermastschoners gab man der Oelkers Werft die Möglichkeit sich als Vorbote im Bau einer kleinen Waltrankocherei zu betätigen. Dieses Schiff ging unter den Namen "Bahia del Fono" nach Argentinien, dürfte aber, wegen seiner zu geringen Größe, nicht den nötigen Erfolg gehabt haben und soll auch schon auf seiner Reise durch Strandung wrack geworden sein, so daß es diesbezüglich leider keine großen Erfolge und Nachbestellung gab.

1928/29 arbeiteten 220 Mann auf der Werft, sowie 20 bis 30 Facharbeiter anderer für die Werft beschäftigter Firmen.

1929 Der allgemeine Niedergang der Schifffahrt brachte auch für die Oelkers Werft ab 1930 eine ansteigende Tendenz, so das es Familie Oelkers mit Freuden begrüßte, daß sie für die Alsterschieffahrt im Jahre 1930 im Auftrag der Firma Lütgens & Reimers einen neuen Motorboottyp in "Clementine L & R X" entwickeln konnte. Die Ausführung dieses kleinen schnittigen Bootes hat dann auch wohl dazu geführt, daß sie 1931 den Bau des Dampfers "Alster" für die Hamburger Hochbahn A.G. kontrahieren konnten, der mit seinen großen Fenstern, die allen Fahrgästen einen guten Ausblick gewährten, sich bald im Verkehr auf der Alster viele Freunde erwarb.

19332/33 wegen einer schlechten Auftragslage wird die Anzahl der Beschäftigten auf 20 reduziert.

drei Motorfrachtschiffe auf Slip

1937 lieferte die Oelkers Werft das Inspektionsboot "Süderelbe" für das Wasserbauamt Harburg - Wilhelmsburg ab, das mit ansprechenden Kajüten versehen der Stolz des Wasserbauamtes war.

1941 gleich bei den ersten Luftangriffen auf Hamburg wurde die Werft nur leicht durch Brandbomben beschädigt, nur durch ein beherztes eingreifen von Wilhelm Oelkers und einigen Männern der Luftschutzwache konnten größere Schäden abgewendet werden. Obwohl die Werft zwischen dem Kraftwerk Neuhof der Elektrizitätswerke und dem Wilhelmsburger Flakbunker gelegen und somit im Bereich der gern angesteuerten Angriffspunke lag, wurde die Werft bis Ende 1944 nur gering durch Sprengbomben beschädigt.

1945 im Januar und vor allem am 20. März1945, an dem Tag, an dem Wilhelm Oelkers sein 50 jähriges Berufsjubiläum begehen wollte, wurde der Betrieb von mindestens 12, wenn nicht mehr Bomben innerhalb des Werftgeländes in vielen Punkten stark beschädigt. Durch die schon 1943 in den Wohnvierteln Hamburg, Neuhof, Wilhelmsburg usw. entstandenen Verwüstungen waren auch die Belegschaftsmitglieder mehr oder minderstark betroffen, viele vollkommen ohne Wohnung, so das in dem Augenblick, wo auch der Betrieb, der bislang in mancher Beziehung für den Einzelnen noch eine Zuflucht und Hilfsquelle gewesen war, stark angeschlagen dalag, es zunächst schien, als wenn auch der ganze Zusammenhang zwischen Betrieb und Belegschaft verloren gehen sollte. Der Zusammenhalt zwischen Betrieb und Belegschaft einschließlich der auswärtigen Arbeiter war jedoch größer, als man am Tage nach der Katastrophe annehmen konnte. Schon in den nächsten Tagen wurde von allen Seiten zur Aufräumung der Trümmer geschritten und innerhalb von 8 Tagen war die Werft wieder soweit, daß wenn sie auch nicht die elektrischen Antriebe der Maschinen betätigen konnten, sie doch mit Hilfe der Dampfkessel- und Dampfwindenanlage sowie durch Einbau von Drahtseilumleitungen zwei Schlepper, die auf dem sonst elektrisch betriebenen Slip IV nahezu unbeschädigt saßen, zu Wasser bringen und somit fertig stellen konnten. Der entstandene Schaden an der Werft wurde von den zuständigen Stellen mit 350 000 RM beziffert, Hilfe durch Bereitstellung von Materialien zum Wiederaufbau konnte infolge der Gesamtlage nicht mehr gegeben werden.

1945 im Juli erhielt die Werftleitung die Betriebsgenehmigung durch die englische Besatzungsmacht, sodass wenn auch in geringen Umfang mit der Durchführung von Reparaturarbeiten an Hafen- und sonstigen Verkehrsschiffen begonnen werden konnte.

1947 Der jüngste Sohn von Wilhelm Oelkers sen. ebenfalls Wilhelm, kehrt aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück. Er fing seine Lehre als Schiffbauer zunächst in der väterlichen Werft an, die er dann später bei den Howaldswerken in Hamburg erfolgreich bestand. Mit sechseinhalb Jahren kriegsbedingter Verzögerung fängt Wilhelm Oelkers seine Berufsausbildung als Schiffsbauingenieur an. Der erfolgreiche Abschluß als Schiffsingenieur erfolgte im Juli 1952. Darauf nahm er seine Tätigkeit zunächst als Betriebsingenieur auf. 

15. Mai 1948, kurz nachdem noch der damalige Gouverneur, der Chef der englischen Zivilverwaltung Hamburg, den Betrieb besuchte, um sich bezüglich der vorgebrachten Materialbeschaffungsklagen persönlich zu orientieren, wurde der Betrieb von einen schweren Schicksalsschlag getroffen: John Oelkers erlag nach nur einigen Tagen dauernden Unpässlichkeit einen Herzschlag. Fast 50 Jahre hatte er unermüdlich in dem Betrieb gewirkt. 

Zwischen 1950 und 1954 wurden drei weitere Alsterfährschiffe gebaut, die Eilbek, die Goldbek und die Rodenbek.

1. Mai 1951 75 Jahre Oelkers-Werft

 

1954 wurde ein neuer fahrbarer Motorkran mit größerer Ausladung, einer Tragfähigkeit am Ausleger von 1,2 t und an der Flasche von 5 t in Betrieb genommen. 

 

1957 - Motorschlepper TUG 527 der erste ausländische Schlepperauftrag nach dem Krieg

18. November 1957 verstarb Wilhelm Oelkers sen. Er war bis zum letzten Tag auf der Werft tätig, führte die Aufsicht im Außenbetrieb und war für das Auf- und Abslippen der Schiffe verantwortlich. 

Willi der Boss

Beim Aufslippen, besonders bei den Kielschiffen, saß er auf den beiden Mittelschienen des mittleren Slipwagens, dirigierte per Augenmaß über Mitte Vordersteven, Schornstein und Mast das aufzuslippende Schiff auf die Mitte des mittleren Slipwagens. Unser >Willi Boss<, so nannte man ihn auf der Werft, hatte ein großes Herz für Familie und Belegschaft und war die Seele des Betriebes.

14: September 1960 verstarb Otto Oelkers.

Dieser Dampfkran wurde zwischen 1962 und 1964 durch einen neuen fahrbaren Motorkran ersetzt. 

Diese Schiffbauhalle aus Fertigbetonteilen mit einer Länge von 50 m, einer Breite von 20m, mit einer seitlichen Fahrbahn für zwei Brückenkräne von je 5 t und 16 t Tragkraft und mit einer Hakenhöhe von 13 m wurde am 27. August 1970 eingeweiht, zusammen mit dem Stapellauf des damals größten Hochseeschleppers "HAMBURG"

Am 24. Juni 1971 wurde das Langstrecken - Schubboot "HAMMONIA" getauft und anschließend zu Wasser gelassen.

1. Mai 1976 - 100 Jahre Oelkers Werft

Im März 1980 erlitt Carl Oelkers auf dem Werftgelände einen Herzinfakt und verstarb kurze Zeit später an den Folgen

Am 19. August 1982 wurde der Schottelschlepper "HOLTENAU" zu Wasser gelassen

Am 08. August 1983 lief der Hecktrawler " JAWHARATEELBAHR "  für die ONP Tunis vom Stapel

24.

25.

FORTSETZUNG FOLGT

Quellen: Festschrift aus dem Jahre 1960, 50 Jahre, Goldener Mastknopf in Eichenlaub,

75 Jahre Oelkers Werft, dem Prospekt "Ihr Partner im Spezialschiffbau", Bilder aus dem Privatbesitz von Wilhelm Oelkers

 

Creative Commons License
Abb. 24. und 25.. von Guilherme Ferreira steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.