Chronik der Insel Neuhof

1650 lassen sich die ersten Milch- und Gemüsebauern auf der Insel nieder.

1652 erhielt das Freiherrliche Geschlecht der Groten die Insel Kirchhof vom Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und nannten sie Neuhof.

1672 erwirbt Otto XI die Insel „Karkhoff“, die fortan Neuhof heißt.

1782 am 26. November erhielten die Brüder Johann und Peter Beenk, auf dem Schlömerstack (Ecke Reihersteig/Rethe), die Erlaubnis, eine "Schiffbauerei" anzulegen. 1839 verstarb Johann Beenk, der letzte Besitzer, und die Anlage wurde von dem Altonaer Reeder J.C.D. Dreyer für seinen Sohn erworben. 1845 wurde die Werft aufgegeben.

1805 wurde das Grot’sche Gutshaus am Reiherstieg gebaut.

1813 werden bei der Belagerung Hamburgs durch die napoleonischen Truppen alle Bewohner Neuhofs vertrieben.

1818 fährt das erste Dampfschiff, die „Privilegierte Dampffähre“ von Hamburg mit Zwischenstation Neuhof nach Harburg.

1825 hat Neuhof ca. 400 Bewohner: Fischer, Milchbauern, Schiffszimmerer, Handwerker und Tagelöhner.

1844 erhielt Grote bis auf Widerruf die Erlaubnis, eine Fährverbindung von Neuhof nach Wilhelmsburg einzurichten.

1845 beginnt der Linien-Schiffsverkehr auch auf dem Reiherstieg

1846 erstes Schulhaus an der Reth (so hieß es damals noch) erbaut.

1856 wird Neuhof in ein Majorat Grotes umgewandelt.

1871 Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Neuhof

1877 nimmt die „Petersilienpost“ ein Schiff zum Transport der Waren Neuhofer Gemüsebauern, ihre Fahrt auf.

1888 entsteht der Hamburger Freihafen, die Schiffswerft Oelkers nimmt ihren Betrieb auf.

1892 Die Cholera-Epidemie fordert auf Neuhof 3 Tote.

1895 verkaufte Rittmeister Otto Grote die Insel an ein Berliner Konsortium. Die neuen Eigentümer gründeten die „AG Neuhof“

1896 am 25. Februar zog Ferdinand Nippold mit seiner Familie, er kam aus Berlin, in das Gutshaus.

1897 wurde der Neuhofer Seeschiff-Kanal (heute Neuhöfer Kanal) und die Schleuse zum Reiherstieg fertiggestellt.

1898 Ende Mai Baubeginn der Reiherstieg Drehbrücke.

1899 Mitte März Fertigstellung der Reiherstieg Drehbrücke.

1900 beginnt die Aufhöhung Neuhofs auf 3 Meter durch die hanseatische Baugesellschaft. Die Sandmassen nimmt man aus den neu geschaffenen Hafenbecken. An diesen Arbeiten sind 200 Menschen beteiligt, die auf Neuhof und in Wilhelmsburg in Notwohnungen leben.

1902 die Reth wird ausgebaggert und Schiffbar gemacht. Jetzt Rethe

1902 am Tollerort entsteht die Schiffswerft Pohl & Jozwiak.

1904 gibt es auf Neuhof einen Gesangsverein, 4 Lotterieklubs, 5 Sparklubs und 3 Pfeifenklubs.

1905 kaufte der Wilhelmsburg Bauunternehmer Fritz Harriefeld das erste Grundstück auf Neuhof und bis 1912 noch mehrere Grundstücke.
1911 bis 1914 baute er dann 5 Häuser an der Meisterstraße, 1 Haus an der Brückenstraße und 4 Häuser an der Schleusenstraße.

1905 Am 1. Dezember fand eine Viehzählung auf Neuhof statt:
85 Häuser, davon 59 mit Viehbestand und 88 viehbesitzende Haushaltungen; außerdem 18 Pferde, 63 Rinder, 5 Schaft und 254 Schweine

1906 Baubeginn der Vulkan-Werft am Rosskanal

1907 die Aktiengesellschaft Neuhof übernimmt die Gleisanlagen der Wilhelmsburger Industriebahn auf Neuhof.

1908 nach Abschluss des 3. Köhlbrandvertrages wird der Köhlbrand vertieft, der Mündungsarm verlegt und ein Leuchtturm auf dem Damm errichtet. Die Stadt Hamburg kauft 88 Hektar des Neuhofer Gebietes zur Erweiterung der Hafenanlage. Neuhof wird nach Wilhelmsburg eingemeindet.

1909 Umbenennung in Freiwillige Feuerwehr Neuhof in Wilhelmsburg, Bezirk Neuhof.
 (Die Feuerwehr hat nie ein eigenes Feuerwehrhaus gehabt).

1909 wird Neuhof nach Wilhelmsburg eingemeindet.

1910 Fertigstellung des Roßkanals zwischen Neuhof und Roß

1910 – 1914 baut die Neuhöfer Wohnstättengesellschaft unter Beteiligung der Vulkan Werft und der HAPAG
87 4-stöckige Wohnhäuser mit insgesamt 966 Wohnungen für ca. 3000 Menschen. Gleichzeitig entstehen Kleingartenanlagen. Auf der Südseite des Kanals entstehen zwei Wohnblöcke für verschiedene Eigentümer durch die Firma Harriefeld, Wilhelmsburg.
Südlich des Neuhöfer Kanals entstehen die Olea GmbH, später Ölwerke Julius Schindler, heute BP Oil.
1911 Baubeginn der Roßbrücke
1912 Fertigstellung der Roßbrücke.

1912 eröffnet der Gastwirt Carl Lüth das „Köhlbrand-Restaurant“ an der Ecke Nippoldstraße/Vulkanstraße.

1912  Mitte des Jahres Baubeginn des neuen Schulhauses

1913 am 31. Mai d.J. brannte des Schulhaus an der Rethe infolge Blitzschlag ab.
Die Kinder hatten bis zur Eröffnung er neuen Schule schulfrei.

1913 17. Oktober feierliche Einweihung der neuen Schule

1914 eröffnete der Gastwirt Wilhelm Funke das Restaurant „Vulkan“ an der Ecke Werftstraße – später Grote Weid / Köhlbrandstraße
1912 wird ein Kino in einem ehemaligen Kuhstall des Quandtschen Hofes eingerichtet.

1913 Zwei Trajektfähren über den Köhlbrand schaffen die Verbindung nach Waltershof und Altenwerder.

1913 im Bauernhaus des Wallhöfners Johannes Böttcher am Köhlbrand in der Gastwirtschaft und Schiffbauerei „Zur Harmonie“ wird das erste Kino untergebracht.

1916 übernahm die OLEX Petrolchemie die Anlage der DEA.

1921 Bau der Neuhofer Kirche

1922 nimmt die Hanseatischen Mühlenwerke AG ihren Betrieb auf.

1924 Baubeginn des HEW-Kraftwerkes mit dem zu der Zeit größten Dieselmotoren der Welt.

1925 Gastwirt Zandoletti neuer Besitzer des "Köhlbrand Restaurants" an der Ecke Nippoldstraße/Vulcanstraße.

1926 erwarb Hamburg die Aktienmehrheit an der AG Neuhof.

1926 19. September verstarb Ferdinand Nippold
Seine Witwe wohnte bis zu ihrem Tod am 27. April 1947 in dem Haus. Bis 1954 wohnte bewohnte der Sohn Nippolds das Haus.

1929 erwarb Hamburg die letzten noch in Privatbesitz befindlichen Aktien der AG Neuhof

1929 am 12. November wurde der Grundbesitz der Gesellschaft an die Hamburg-Preußische Hafengemeinschaft übereignet und die Liquidation der AG Neuhof eingeleitet.

1930 wird die Vulkan-Werft durch die Howaldt-Deutsche-Werft AG übernommen.

1933 „Luftschutz-Unterricht“ in der Schule Neuhof. Der Sportverein wird verboten, weil er sich nicht gleichschalten lässt.

1934 die Rethe-Hubbrücke wird in Betrieb genommen.

1937 wurde die AG Neuhof im Handelsregister gelöscht.

1937 Eingemeindung Neuhofs gemeinsam mit Harburg-Wilhelmsburg im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes nach Hamburg.

1939 ein Räumungsbefehl für die Insel Neuhof wird am 19.09 wiederrufen; Luftschutzräume werden ausgebaut.

1945 Die Kirche wird bei einem Bombenangriff zerstört.
Bis zum Wiederaufbau fand der Konfirmandenunterricht in er Schule statt.

1945 Bilanz des 2. Weltkrieges: 443 Wohnungen vollkommen zerstört, 278 stark beschädigt.

1951 übernimmt die Neue Heimat die Neuhöfer Wohnstätten AG auf Wunsch des Hamburger Senats.

1952 Wiederaufbau der Kirche.

1953 Die alte Drehbrücke wird durch eine Klappbrücke ersetzt.

1953 auf dem Gelände nordwestlich der Rethebrücke lässt sich die Firma Hansamatex nieder, heute Van Oevenen.

1954 Schleuse zugeschüttet.

1955 wird wegen Erweiterung des HEW-Kraftwerks der Sportplatz an der Nippoldstraße geschlossen, der während der NS-Zeit von der Hansa-Mühle als Betriebssportplatz angelegt worden war.

1957 Abriß der „Nippoldsche Villa“.

1962 Sturmflut. Neuhof wird wegen seiner hohen Lage nicht überflutet, die Schule dient als Einsatzbasis für Rettungsmaßnahmen in Wilhelmsburg.

1966 verschwinden die letzten Fischerhäuser am Köhlbranddeich.

1970 beginnt der Bau der Köhlbrandbrücke.

1972 immer mehr Neuhöfer verlassen ihren Stadtteil. Ausländische Bewohner ziehen in die kostengünstigen Wohnungen.

1974 Neuhof wird als Industriegebiet auf dem Flächennutzungsplan gesetzt. Im September wird die Köhlbrandbrücke mit Senatsprominenz und großem Volksfest eingeweiht. Die Kosten des Bauwerks: 120 Millionen DM.  

1975 Die Saison 1974/75 ist die letzte für den FTSV Neuhof, danach wird der Verein aufgelöst

1976 Die Flut 1976  Die feucht gewordenen Parterre-Wohnungen wurden für unbewohnbar erklärt. Der Senat beschließt Neuhof als Wohngebiet aufzugeben.

1976 am 1. Oktober wird die Kirchengemeinde aufgelöst und die Gemeinde kommt zur Paul-Gerhardt-Kirche in Wilhelmsburg.

1979 das Wohnviertel Neuhof wird abgerissen.

1979 Abriss der Kirche.

1983 Die Belegschaft der Howaldt Deutsche Werft AG geht in den Streik, um das Werftsterben zu verhindern. Trotzdem wird die HDW dichtgemacht.

1990 - 1992 Das HEW-Kraftwerk Neuhof wird abgerissen, die Schornsteine gesprengt.

1994 Nur einmal noch ist Neuhof seither in die Schlagzeilen gekommen, als Wilhelmsburgs Bevölkerung verhinderte, das Neuhof  Standort für eine Müllverbrennungsanlage wurde. Die Neuhofer - ein besonderer Menschenschlag, der Opfer ehrgeiziger Hafenerweiterungspläne wurde - leben heute weitverstreut, wie die Treffen nachhaltig unterstreichen.