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02. Familienbad Kattwyk, Gasthaus zum Lindenheim, Badestrand Kattwyk, Inhaber: J. Körner 1926

Die Gesamtfläche von rund 500 ha gehörte ursprünglich 13 verschiedenen Besitzern aus der Ortschaft Lauenbruch (bei Harburg) und ist 1899 vom Preußischen Staat erworben worden. Es hat offensichtlich auf preußischer Seite von Anbeginn die Absicht bestanden, das Gebiet für Industrie- und Hafenzwecke herzurichten, so daß die Frage der Versorgung der Hohen Schaar mit einem Eisenbahnanschluß bald nach dem Erwerb behandelt wurde. Im Jahre 1927 kam die damalige Domäne zusammen mit der Hohen Schaar zu seinerzeitigen Stadt Harburg - Wilhelmsburg. Es war gewissermaßen das Hochzeitsgeschenk der Preußischen Regierung. Das früher einsam gelegene Eiland war mit Wilhelmsburg durch eine Straße und ab 1927 auch durch eine Güterbahn verbunden. Zu dieser Zeit wurde auch die Rethe ausgebaut und ein Hafen für den Umschlag angelegt. Nun konnten hier auch große Seeschiffe anlegen, be - und entladen werden. Doch weit bekannter wurde Kattwyk in Hamburg und auch in Harburg durch den weitläufigen Badestrand am Köhlbrand. Viele tausend Menschen genossen hier Badefreuden in enger Verbundenheit mit der Natur. Ein richtiges Wochenendleben mit Strandkörben und Badehütten hatte sich neben dem Badestrand entwickelt, besonders, seitdem Dampfer der Hadag Kattwyk anliefen. Ein sauberes Gasthaus "Zum Lindenheim" bot den Gästen in den Clubzimmern Platz. In der geräumigen Strandhalle, die unmittelbar am Badestrand lag, fanden die Badenden Unterkunft und Erfrischung. Es herrschte ein heute kaum noch vorstellbares Leben und Treiben. Im Krieg und in der Nachkriegszeit hatten sich viele Ausgebombte Hamburger eine Notunterkunft geschaffen. Rund 80 Familien wohnten in Behelfsheimen. Sie mußten weichen, als gegen Ende der fünfziger Jahre die Hamburger Gaswerke hier ihre moderne Großkokserei errichteten. Für - Bade und Strandleben war nun kein Raum mehr. Auch war das Wasser im Köhlbrand dermaßen verschmutzt, daß das Baden auch in diesem Flusslauf zu einem erheblichen gesundheitlichen Risiko geworden war.- Wir leben heute in einer schnelllebigen Zeit: Bereits 1981 wurde die, seinerzeit moderne Großkokserei wieder abgebrochen. Der Siegeszug des aus der Nordsee gewonnenen Erdgases hatte begonnen. Das Werk Kattwyk war damit unwirtschaftlich geworden. Heute befindet sich hier ein Autoterminal für den Umschlag von Kraftfahrzeugen auf der inzwischen hochwassersicher aufgehöhten Halbinsel. Vom einst romantischen Kattwyk ist nichts mehr vorhanden.

Quelle: Hamburger Hefte zur Eisenbahngeschichte "Die Wilhelmsburger Industriebahn"

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