Katholische Kirche
Sankt Bonifatius

1. Katholische Kirche und Schulhaus, 1899

2. 1902

3. 1906

4.

5. leider ohne Datumsangabe
Mit dem Beginn der industriellen Entwicklung wanderten viele Arbeiterinnen und Arbeiter katholischen Glaubens auf die bis dahin ländliche Insel Wilhelmsburg. 1889 eröffnete die Wollkämmerei ihre Tore. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter wurden aus der Provinz Posen angeworben. Sie waren vorwiegend katholisch und polnischsprachig.
1892 erfolgte sie Inbetriebnahme des Wilhelmsburger Verschiebebahnhofs. Fast 1500 Eisenbahner kamen mit ihren Familien auf die Elbinsel, größtenteils katholisch. Neue Menschen wanderten zu nach der Inbetriebnahme der großen Weizenmühle Georg Plange (Diamantmehl) im Jahre 1897.
Die seelsorgerische Betreuung der Katholiken oblag an sich von Anfang an der Diözese Hildesheim. Trotzdem wurden Katholiken bis 1883 von den Geistlichen Hamburgs betreut. Von da an übernahm die eigentliche zuständige Pfarrei Harburg die kirchliche Versorgung. Für die Einwanderer war die Kirche eine aus ihrem Leben nicht wegzudenkende geistige Heimat, ein wichtigen Bindeglied im neuen Milieu und ein Hilfe, die Isolation zu überwinden.
Die Wollkämmerei erkannte diese Tatsache und stellte einen Saal zur Verfügung, den sie als Kapelle einrichten ließ. Am 24. Dezember 1891 erfolgte die feierliche Einweihung der Wollkämmer-Kapelle. Am 1. Weihnachtstag feierte die Geistliche Styrinski aus Krakau die erste heilige Messe.
Erst am 8. April 1892 erhielt die längst vorhandene Gemeinde einen ortsansässigen Geistlichen. Kaplan Gustav Töttcher siedelte von Harburg nach Wilhelmburg in das Haus Alte Schleuse 35 über.
Mit der Ernennung des späteren Pastors Franz Klaus zum Pfarrvikar vom Reiherstieg am 16. Juni 1898 war Wilhelmsburg kirchlich von Harburg getrennt und nunmehr eine eigenständige Gemeinde.
Am 25. Juni 1898 weihte der Generalvikar Hugo im Auftrag des Bischofs von Hildesheim die St. Bonifatiuskirche ein. 1899 wurde der Bau des noch heute unveränderten Pfarrhauses beendet.
Die Einrichtung einer Pfarrkirche war beschlossen worden, weil die Kapelle der Wollkämmerei zu klein geworden war.
Ingenieur Vering stellte den Baugrund unentgeltlich zur Verfügung. Im Juni 1897 begannen die Rammarbeiten, die Grundsteinlegung erfolgte am 3. Oktober.
„Zur Ehre der heiligen Dreifaltigkeit, zum Ruhme des heiligen Bonifatius, zum Segen der Gemeinde,“
das waren die Worte, die die drei Hammerschläge des Kaplans Franz Klausbegleiteten.
In Anlehnung an den romanischen Stil erstellte Landesbauinspektor Herzig aus Hildesheim den Bauplan. Die Kirche hatte die noch heute erhaltene Kreuzform im Grundriss, eine flache Holzdecke und rotes Backsteinmauerwerk.
Die Länge betrug 33 Meter, die Höhe der Türme 35. Sie wurden an der Chorseite errichtet, um nötigenfalls auf der Seite des Hauptportals die Möglichkeit der Verlängerung des Längsschiffes zu behalten.
Die Baukosten wurden hauptsächlich vom Bonifatiusverein getragen. Die Gemeinde selbst brachte in kurzer Zeit 9000 Mark auf. Wohltäter waren Herr Vering, die Wollkämmerei, die königliche Regierung in Hannover und der Bischof von Hildesheim. Der Hochaltar im Wert vom 4000 Mark war eine Stiftung des Kommerzienrates Riedmann, Hamburg; er stiftete ebenfalls die in Eicheholz geschnitzte Kanzel. Der Bildhauer Mormann, Wiedenbrück, schnitzte die Statuen für den Hauptaltar: St. Maria, St. Bonifatius, St. Ansgar und St. Josef.
Im linken Teil des Querschiffs fand der Marienaltar Aufstellung, der von den Mitgliedern des damals sehr rührigen Stanislausvereins bezahlt wurde, im rechten Querschiff der Josefaltar.
Im Jahre 1909 erfolgte die Erhebung der Pfarrvikarie zur Pfarrei. Im gleichen Jahr löste Pastor Franz Algermissen Pfarrvikar Klaus in der Leitung der Gemeinde ab. 1909 wurde auch die erste Kaplanstelle eingerichtet; 1910 folgte die zweite, als Neuhof nach Wilhelmburg eingemeindet wurde.
Zu diesem Zeitpunkt plante man schon einen zweiten Kirchbau im Norden Wilhelmsburgs am Vogelhüttendeich. Die Gemeinde war zusehends gewachsen. Nach dem 1. Weltkrieg kehrten jedoch viele Polen in das wiedererstandene Polen zurück. Man gab deshalb den Plan auf, obwohl das Grundstück bereits ausgewiesen war.
Der Krieg 1914-1918 brachte große Trauer über die Gemeinde: 325 Gemeindemitglieder fielen; die Kirchenglocken wurden zur Einschmelzung eingezogen.
Am 28. Juni 1925 konnte Pastor Algermissen nach der schweren Geldinflation drei neue Glocken weihen: die große dem hl. Bonifatius, die mittlere der hl. Maria und die kleine dem hl. Stanislaus.
In jener Zeit entstand statt einer zweiten Kirche da Gemeindehaus, das im 2. Weltkrieg ein Opfer der Bomben wurde. Eine Schwesternstation, ein Kinderhort und ein Kindergarten waren darin untergebracht.
Pastor Algermissen schied 1925 nach Defurt und wurde später Dompropst von Dudertstadt. Eine Straße in Kirchdorf erinnert an ihn.
Bis 1928 war dann der spätere Generalvikar Wilhelm Offenstein Pastor der St. Bonifatiusgemeinde. Ihn löste Pastor Friedrich Schmids ab, der am 31. September 1934 nach Osterode versetzt wurde.
Die Ausstattung der Kirche wurde in seiner Zeit um die dringend gewordene Warmluftheizung vervollkommnet.
Am 1. November 1934 nahm die lange, fruchtbare Amtszeit von Pastor Karl Andreas Krieter ihren Anfang. Nach 27 Jahren schied er am 1. August 1961 von seiner Gemeinde. 1890 in Hilkerode geboren, wurde er am 11. Oktober 1914 im Dom zu Hildesheim zum Priester geweiht. 1923 wurde er Pastor an St. Franz-Josef Harburg, von wo er 1934 nach Wilhelmsburg wechselte. Im Kriegsjahr 1944 ernannte ihn Bischof Josef Godehard Machens zum Dechantendes Dekanates Lüneburg, zu dem damals Harburg und Wilhelmsburg gehörten.
Am 8. Dezember 1960 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine großen Leistungen im Bereich der wirtschaftlich-sozialen und geistlichen Arbeit in Hamburg-Wilhelmsburg. Verstorben am 24. Februar 1963, fand Dechant Krieter seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Finkenrieck.
Die Jahre 1934-1938 waren gekennzeichnet von Ausbesserungs- und Veränderungsarbeiten in und an der Kirche. 1939 erhielt der Kirchenmaler Boland dem Auftraf, Chor und Kreuzschiff auszumalen.
Trotz des Kriegsausbruches am 1. September kam Bischof Josef Godehard, um die bis dahin aufgeschobene Konsekration der Kirche am 2. September vorzunehmen.
Am 30. Januar 1942 wurden die beiden großen Glocken zur Verwendung als Kriegsmaterial abgeholt.
Als am 27. Juli 1943 Industriewerke in der Nähe der Kirche bombardiert wurden, erlitten die Dächer von Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus schwere Schäden. Am 31. März 1945, traf die Gemeinde der schwerste Schlag. Um 8 Uhr vormittags gab es Fliegeralarm, Bomben fielen auf die Stadt, rings um die Kirche schlugen mehrere schwere Sprengbomben ein.
Die Sakristei war völlig vom Erdboden verschwunden, die linke Außenmauer der Kirche stürzte ein, Kanzel und Marienaltar waren vernichtet. Der Hochaltar wurde schwer beschädigt, die Rückwand der Kirche mit dem 1939 fertig gestellten Bild total zerstört, ebenso das Dach. Nunmehr war die Kirche eine Ruine geworden.
Dennoch wurde aufgeräumt und am Josefaltar unter freien Himmel die hl. Messe gefeiert. An der Stelle der Sakristei setzten bald mit Hilfe fleißiger Hände Bergungsarbeiten ein, bei denen u. a. auch wertvolle Kelche unbeschädigt zum Vorschein kamen. Das Pfarrhaus sah schlimm aus, war aber gerade noch bewohnbar. Das Gemeindehaus hingegen war ganz eingestürzt; ein einziger Raum war noch zu benutzen. Alles in allem bot sich ein heute kaum noch vorstellbares Bild der Verwüstung.
In den Monaten und Jahren noch Kriegsende vollzog sich unter Verzicht, Ausdauer und Fleiß der Wiederaufbau der Gemeindebauten.
Zum Weihnachtsfest 1945 stellte man den Altar am Haupteingang auf, weil der Zustand des Mauerwerks der Kirche es zu gefährlich machte, im Chor die hl. Messe zu feiern. Beim weihnachtlichen Krippenspiel fiel Schnee durch das zerstörte Dach auf Spieler und Gemeinde. Der Aufbau der Kirche ging Dank des unermüdlichen Opfergeistes der Gemeinde weiter.
Ende 1946 konnte der Gottesdienst erstmals wieder am neuaufgestellten Hochaltar im Chorraum stattfinden. Der Wiederaufbau der Sakristei und des linken Seitenschiffs wurde ab Juni 1954 in Angriff genommen.
Das Gemeindehaus wurde in den Jahren 1947 und 1948 soweit wiederhergestellt, dass es zur Benutzung freigegeben werden konnte. Einen großen Anteil daran hatten viele fleißige Frauen und die Kolpingfamilie. Erst 1956 konnte das neue Gemeindehaus eingeweiht werden.
Der Nachfolger von Dechant Krieter, Pfarrer Johannes Großstück wurden am 6. August 1961 eingeführt. Während seiner Amtszeit traf Hamburg und vor allem die Elbinsel am 17. Februar 1962 die große Sturmflutkatastrophe. Infolge des relativ hohen Standortes der Kirche blieb ihr Inneres von den Fluten verschont, jedoch waren große Schäden im Untergeschoss des Krankenhauses Groß-Sand zu verzeichnen.
Ein neuer Seelsorger wurde mit Pfarrer Güter Franz, später Domkapitular zu Hildesheim, am 9. Februar 1964 in die Gemeinde eingeführt.
Unter seiner Regie geschah die Umgestaltung der Bonifatiuskirche nach den Vorstellungen und Vorschriften des 2. Vatikanischen Konzils.
Der Architekt Egon Plauen, Hamburg, hatte mit vielen schweren, zum Teil entmutigenden Problemen zu kämpfen, die der Umbau de alten Kirche mich sich brachte.
Die neuromanischen Stilelemente blieben erhalten, es kamen jedoch Material und Ausdrucksformen der damaligen Zeit hinzu. Dem damaligen Streben nach größtmöglicher Schlichtheit fiel so die Wärme des roten Klinkermauerwerks zum Opfer. Die Frontwand der Kirche wurde um 4,5 Meter vorgezogen und abgeschlossen mit einer Sichtbetongiebelwand. Nord- und Südgiebel des Querschiffs erhielten eine Stahlbetonkonstruktion, die mit farbigen, modernen Glaselementen ausgefüllt wurden.
Den Innenraum beherrschte die kreisförmige, im Durchmesser 9 Meter große Altarinsel. Der Muschel-Sandstein-Altar ist schlicht und ausdrucksstark. Die Altarinsel bildet durch die Anordnung der Bänke und des Gestühls die Mitte des liturgischen Geschehens. Das Eingangsportal, mit Messingblech überzogen und mit Bronzeschmuck versehen, schuf Bildhauer Dierkes, Dahlhausen bei Höxter.
Es zeigte den Hirtenstab des hl. Bonifatius und die Milgardschlange. Sie versinnbildlichen das Aufeinandertreffen der von Bonifatius verkündeten christlichen Heilsbotschaft mit den germanischen Glaubensvorstellungen.
Da die Gemeinde über viele Jahre hinweg jede Mark für das neue Gemeindezentrum in Kirchdorf sparte, war eine Renovierung der St. Bonifatiuskirche dringend notwendig geworden: Putz, Decke und Fenster waren in schlechten Zustand. Das Hauptziel war das Innere der Kirche. Die Pfeiler und Bogen sollten wieder ihre Klinker zeigen und zusammen mit einer neuen Ausmalung der Kirche mehr Wärme geben.
Das Kreuz sollte näher am Altar herangebracht werden, die Marienfigur einen endgültigen Platz am rechten vorderen Pfeiler finden.
Pfarrer Bette, der im Herbst 1967 aus Bremerhaven kommend, die Gemeinde übernahm und den Bau des Kirchdorfer Gemeindezentrums und des Alten- und Pflegeheims mit aller Kraft vorantrieb, konnte den Architekt Jo Filke, Bremerhaven, für die Ausführung der Renovierung gewinnen.
Am 25. Juni 1984 begannen innen und außen die Arbeiten. Gleichzeitig wurde ein viel geäußerter Wunsch erfüllt, die Kirche durch eine Reihe von Heiligenstatuen lebendiger zu gestalten. Bildhauer H. G. Bücker, Vellern, der schon die St. Maximilian-Kolbe-Kirche so überzeugend gestaltete, wurde mit dem Entwurf beauftragt. Folgende Figuren waren geplant: St. Bonifatius, der Kirchenpatron; St. Ansgar, der Gründer der Stadt Hamburg; St. Katharina von Alexandrien, die Patronin unserer Schwesterngemeinschaft, St. Jakobus von Compostella als Patron Spaniens, St. Franziskus als Schutzheiliger Italiens; St. Elisabeth als Heilige Portugals; der heilige Bischof Augustinus Kazotic von Zagreb als Heiliger Kroatiens und St. Maximilian Kolbe, der Patron unserer St. Maximilian-Kolbe-Kirche. Auf diese Weise sollten auch die Gläubigen anderer Muttersprache einen sichtbaren Bezugspunkt in dieser Kirche finden.
Der Bildhauer H. G. Bücker, Vellern, der bereits das Altarkreuz und die Marienfigur gestaltet hatte, schuf imposante Bronzestelen, die die Figuren der Heiligen tragen. Sie bilden zusammen mit dem Kreuz ein sichtbares Zeichen der Gemeinschaft der Heiligen, der himmlischen Kirche.
Am 14. Oktober 1984 wurden als Abschluss der Renovierungsarbeiten die Statuen feierlich geweiht.
Am 21. Oktober 1984 nahm Pastor Bette Abschied und ging nach Sarstedt bei Hildesheim. Sein Nachfolger, Pfarrer Martinus Min, wurde bald darauf am 11. November in sein Amt eingeführt.
Auch in seiner Amtszeit standen wieder Renovierungsarbeiten an. Die Kirche bekam eine neue Heizung, die Giebelwände der Kirche wurden saniert, die Orgel wurde gründlich überholt und das Pfarrhaus von Grund auf renoviert.
In einer Zeit knapper Finanzen bewies die Gemeinde Einsatz und Spendenfreudigkeit. Aktionen wie Tombola, Gemeindefeste, Spendenscheine und auch einzelne große Spenden ermöglichten so die Erneuerung des Parkettfußboden im Gemeindehaus, die Einrichtung eines Meditationsraumes und neue Fenster. In St. Maximilian Kolbe wurden eine behindertengerechte Toilette gebaut, der der Parkettfußboden instand gesetzt und ein Großteil der Fenster erneuert. Quelle: Festschrift, St. Bonifatius Wilhelmsburg (1898-1998)

06. Altar