Kurz gefasste Geschichte der katholischen Kirchengemeinde
„St. Bonifatius mit der Seelsorgestelle St. Maximilian Kolbe“ in Hamburg-Wilhelmsburg

(nach Jahreszahlen geordnet)

 

1889
Die „Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei zu Reiherstieg-AG“ wird im Jahre 1889 gegründet. Da es in Wilhelmsburg zu wenig Arbeitskräfte gibt, wirbt die Direktion der Wollkämmerei in Posen, Schlesien und Westpreußen rund 1.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an. Fast alle jungen Menschen, die daraufhin nach Wilhelmsburg kommen, sind Katholiken. Ihre Muttersprache ist Polnisch.

 

Abbildung 1:  Die “Wollkämmerei”; eine Abbildung aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts

 

Wilhelmsburg gehört damals politisch zu Preußen und kirchlich zum Bistum Hildesheim. Also sind der jeweilige Bischof der Diözese Hildesheim und diejenige katholische Pfarrei des Bistums, die der Elbinsel am nächsten gelegen ist, für die religiöse Betreuung der Katholiken Wilhelmsburgs zuständig. Die nächstgelegene katholische Pfarrei ist “St. Maria” in Harburg. Die katholischen Arbeiterinnen und Arbeiter der Wollkämmerei wünschen sich bald, dass ihnen der Besuch des Sonntag-Gottesdienstes in Wilhelmsburg ermöglicht werde.


1891
Die beiden Direktoren der Wollkämmerei stellen einen großen Saal im so genannten “Mädchenheim” der Wollkämmerei für den katholischen Gottesdienst zur Verfügung. Der Saal wird auf Kosten der Wollkämmerei als Kapelle eingerichtet und mit dem notwendigen Messinventar ausgestattet. Zusätzlich ist die Direktion bereit, einem katholischen Geistlichen freie Wohnung und die Hälfte seines jährlichen Gehaltes - 1.200 Mark - zu gewähren. 600 Mark sollen die Arbeiterinnen und Arbeiter selbst aufbringen. Die Männer und Frauen verpflichten sich, vierteljährlich pro Person eine Mark zum Gehalt eines katholischen Geistlichen beizusteuern.

 

24.12.1891

Am 24. 12. 1891 wird die Kapelle auf dem Gelände der Wollkämmerei im Auftrag des Bischofs von Hildesheim, Wilhelm Sommerwerck (1871 bis 1905), von einem polnischen Priester und Religionslehrer geweiht. Er ist aus Krakau herbeigerufen worden. Am ersten Weihnachtstag 1891, wird in der Kapelle die Heilige Messe gefeiert. Das ist seit Einführung der lutherischen Reformation (1527) der erste katholische Gottesdienst auf der Elbinsel Wilhelmsburg.

 

08.04.1892

Die Katholiken Wilhelmsburgs, von denen nur ein Zehntel Deutsch zur Muttersprache hat, erhalten ihren ersten ortsansässigen Geistlichen. Es ist der Kaplan von “St. Maria” in Harburg, Gustav Töttcher, der zum “Missionsvikar” für Wilhelmsburg bestellt wird. Kaplan Töttcher hat sich im Eigenstudium eifrig bemüht, die polnische Sprache zu lernen. Er beherrscht die Sprache allerdings nur in Ansätzen, als er im Haus “Alte Schleuse 35” Wohnung nimmt. Das Haus und der zugehörige Garten gehören der Wollkämmerei.

 

Abbildung 2:  Gustav Töttcher, von 1892 bis 1897 “Missionsvikar” in Wilhelmsburg.

1892
Infolge der Eröffnung des Verschiebebahnhofs Wilhelmsburg vergrößern rund 1500 Eisenbahner die Anzahl der Katholiken auf der Elbinsel.

 

01.10.1893

Auf einem Grundstück an der Straße “Groß-Sand”, das der Wilhelmsburger Ingenieur und Bauunternehmer Hermann Vering den Katholiken Wilhelmsburgs geschenkt hat, ist das erste Gebäude der Katholischen Schule Wilhelmsburgs bezugsfertig. Nachdem Vikar Töttcher die Schule am Vortag eingeweiht hat, führt der Kreisschulinspektor an diesem Montag den ersten Lehrer, Edmund Wedig, in sein Amt ein. Im ersten Jahr besuchen 82 Kinder - Jungen und Mädchen - die Katholische Schule. 64 Kinder sprechen und verstehen nur die polnische Sprache. Im zweiten Jahr nach der Eröffnung hat die Katholische Schule - in zwei Klassen - schon 116 Schülerinnen und Schüler.

Ebenfalls im Jahr 1893 schenkt Hermann Vering dem  Bischof von Hildesheim ein 4.500 Quadratmeter großes Grundstück und außerdem 10.000 Mark für den Bau einer katholischen Kirche an der “Karlstraße”, die später den Namen “Bonifatiusstraße” erhält.

 

01.01.1897

Nach Unstimmigkeiten mit führenden Personen innerhalb des polnischsprachigen Teils der Katholiken Wilhelmsburgs verlässt Gustav Töttcher auf eigenen Wunsch seine Vikarstelle. Bischof Wilhelm bestimmt den Kaplan Franz Klaus zum Nachfolger.

 

Abbildung 3: Das erste Schulgebäude der Katholischen Schule Wilhelmsburgs auf einem Foto aus dem Jahre 1933

 

Abbildung 4:  Franz Klaus, von 1897 bis 1909 Pfarrvikar und später Pastor in St. Bonifatius

 

16.06.1897

Die Rammarbeiten zur Gründung des Fundaments der Bonifatiuskirche beginnen. Am selben Tag ernennt Bischof Wilhelm den Kaplan Franz Klaus zum Pfarrvikar.

 

03.10.1897

Der Grundstein der St. Bonifatiuskirche wird gelegt.

    

01.11.1897

Die Ansiedelung von Industriebetrieben auf der Elbinsel Wilhelmsburg geht weiter. Dadurch wächst auch die katholische Gemeinde Wilhelmsburgs kontinuierlich. Ein typisches Beispiel für diesen Zusammenhang ist die Eröffnung der “Weizenmühle Georg Plange”. Der Gründer, Kommerzienrat Georg Plange, besitzt bereits in Soest / Westfalen einen Mühlenbetrieb. Weil ihm in Soest Schwierigkeiten gemacht werden, den Betrieb zu vergrößern, errichtet Georg Plange am Reiherstieg in Wilhelmsburg eine zweite Großmühle, die wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage, ihrer modernen Maschinen und der guten Facharbeit aller Mitarbeiter bald zum führenden Unternehmen des norddeutschen Raumes wird. Georg Plange ist selbst Katholik und sieht es gern, dass Katholiken in seiner Wilhelmsburger Fabrik die Arbeit aufnehmen.

 

Abbildung 5: Diese Postkarte stammt aus dem Jahre 1898.

 

26.06.1898

Der Generalvikar des Bistums Hildesheim, Friedrich Hugo, benediciert im Auftrag des erkrankten Bischofs Wilhelm die Bonifatiuskirche. Die katholische Gemeinde St. Bonifatius in Wilhelmsburg wird zur Pfarrvikarie erhoben und untersteht als  solche der Pfarrei „St. Maria“ in Harburg.

 

Abbildung 6:  Dieses alte Foto zeigt die Bonifatiuskirche und rechts das erste Schulgebäude der Katholischen Schule Wilhelmsburgs, die “Alte Schule”, Groß-Sand 2

Abbildung 6a:  Kath. Kirche und Pfarre

              

1899
Das Pfarrhaus der Vikarie St. Bonifatius an der Karlstraße 1 (jetzt Bonifatiusstraße 1) ist bezugsfertig. Kaplan Franz Klaus wird im Jahre 1900 zum Pastor ernannt.

 

Abbildung 7: Diese Postkarte zeigt - aus Sicht des Betrachters - links das Pfarrhaus

von St. Bonifatius, in der Mitte die Bonifatiuskirche und vor dem rechten Kirchturm

einen Teil des Schulgebäudes.

 

Die Integration der “Polen” in die deutsch geführte Kirchengemeinde St. Bonifatius bleibt auch zur Zeit des Pastors Klaus schwierig. Obwohl er die polnische Sprache einigermaßen beherrscht, Beichten auf Polnisch hört, Trauungen, Taufen und Beerdigungen auf Polnisch abhält und das Evangelium auf Polnisch verlesen lässt, fordern die polnischsprachigen Mitglieder der Gemeinde weiterhin die feste Anstellung eines polnischen Priesters.

 

Abbildung 8: Pastor Franz Klaus und Mitglieder des polnischen Vereins “St. Josef” vor dem Pfarrhaus von St. Bonifatius.

 

03.01.1904

Das zweite Gebäude der Katholischen Schule Wilhelmsburgs - die “Neue Schule”, Karlstraße 2 (=Bonifatiusstraße 2) - wird feierlich eingeweiht. Die Fertigstellung des Baues ist bereits im Dezember 1903 erfolgt.

 

Abbildung 9: Die “Neue Schule”;  eine  Zeichnung aus der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Katholischen Schule Wilhelmsburgs (1918).

 

1909
Der neue Bischof von Hildesheim, Adolf Bertram (Bischof in Hildesheim von 1906 bis 1914, später Kardinal von Breslau und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) erhebt St. Bonifatius zur selbständigen Pfarrei. Gleichzeitig genehmigt er der Bonifatiusgemeinde eine erste Kaplanstelle. Der erste Pfarrer heißt Franz Algermissen.

 

Abbildung 10: Franz Algermissen, Pfarrer in St. Bonifatius von 1909 bis 1925

 

 

1910

Der Bonifatiusgemeinde wird eine zweite Kaplanstelle bewilligt. Die Pfarrgemeinde hat 6.849 Mitglieder. Mindestens 2.075 erwachsene Personen gehören zum polnischsprachigen Teil der Gemeinde. Auch Franz Algermissen kommt seinen “Polen” entgegen. Er lernt ihre Sprache und bemüht sich sogar um die Genehmigung des Generalvikariates, sich längere Zeit in Polen aufhalten zu dürfen. Er möchte mithilfe des Aufenthalts in Polen seine Aussprache des Polnischen verbessern.

 

1912

Bischof Adolf verspricht für das Jahr 1912, in jedem Monat einen polnischen Geistlichen für einige Tage nach Wilhelmsburg zu senden. Dieses Versprechen kann er nicht einhalten. Nur fünf Mal im Laufe des Jahres macht ein polnischer “Missionar” in Wilhelmsburg Station.

 

März 1913

Die Anführer der “Polen” verteilen unter den Mitgliedern der Bonifatiusgemeinde ein Flugblatt. Darin ist zu lesen: “Wir fordern einen polnischen Geistlichen. Nicht einen Deutschen, der Polnisch gelernt hat, sondern einen Polen von Haut und Knochen”.  Anschließend wird zum Boykott von Gottesdienst und kirchlichen Feiern aller Art aufgerufen. Die Gläubigen sollen auch keine Spenden mehr geben. Dieses Vorgehen der “Polen” erregt großes Aufsehen. Sogar die überregionale Presse berichtet. Die staatlichen Stellen, die für Wilhelmsburg zuständig sind, befürchten nationalpolnische Umtriebe und wollen einschreiten. Pfarrer Algermissen wehrt sich dagegen, den staatlichen Stellen die Namen der “polnischen Rädelsführer” anzugeben. Abgesehen von der Aufregung, den der Boykottaufruf verursacht, erreichen die Initiatoren nichts.

Abbildung 10a: 1915

 

1914 - 1918

Die Bestrebungen des polnischsprachigen Teils, in der Gemeinde Sonderrechte zu bekommen, werden durch den Ersten Weltkrieg in den Hintergrund gedrängt.

Während der Kriegsjahre sterben 325 junge Männer der Gemeinde den Soldatentod. Die Kirchenglocken werden zur Einschmelzung eingezogen. Aus dem Material sollen schwere Waffen hergestellt werden.

 

01.10.1918

Die Katholische Schule Wilhelmsburgs besteht seit 25 Jahren. Der Rektor, Edmund Wedig, veröffentlicht die Festschrift “Die katholische Volksschule Wilhelmsburgs in den ersten 25 Jahren ihres Bestehens”. Die Schrift wird bei A. J. Schüthe, Wilhelmsburg, gedruckt.

 

1919

Es gelingt Pfarrer Algermissen, die Pläne zum Bau eines Gemeindehauses, die seit 1914 vorliegen, zu realisieren. Das Gemeindehaus erhält den Namen ”St. Willehadstift”. Es ist fortan für die Gemeinde, aber auch für die nichtkatholische Bevölkerung Wilhelmsburgs von großem Nutzen. Im Gemeindehaus führen “Ehrwürdige Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul” eine Nähschule für junge Frauen, einen Kindergarten, eine Kindertagesstätte und eine Krankenstation. Zwei “Ehrwürdige Schwestern” betätigen sich in der ambulanten Krankenpflege. Die Krankenhilfe und die Aufnahme von Kindern in die Tagesstätte erfolgen ohne Rücksicht auf die Konfession der Betreuten.

 

Abbildung 11: Das Gemeindehaus “St. Willehadstift”, Bonifatiusstraße 6

 

1920

Nachdem der Staat Polen durch den Vertrag von Versailles neu geschaffen ist, verlässt eine nennenswerte Zahl polnischsprachiger Mitglieder die Bonifatiusgemeinde.

 

1920

Konrad Dohrenkamp wird Kaplan in St. Bonifatius. Er beherrscht die polnische Sprache perfekt und wird zum “Polenpastor” der Gemeinde. Die “Polen”, die in Wilhelmsburg geblieben sind, bringen ihm sehr bald Anerkennung und Liebe entgegen. Sie sind zufrieden, dass sie auf Polnisch beichten können und dass in der Bonifatiuskirche - zusätzlich zu den Gottesdiensten in deutscher Sprache - 14-tägig - ein Sonntag-Gottesdienst mit polnischer Predigt und polnischem Gesang stattfindet.

 

1924

In der Harburger Kirchengemeinde St. Maria und in St. Bonifatius werden Vereine des katholischen Sportverbandes “Deutsche Jugendkraft” (DJK) gegründet.


28.06.1925

Obwohl die Nöte der Inflationszeit kaum überwunden sind, gelingt es Pfarrer Algermissen, die im Krieg abgelieferten Kirchenglocken durch drei neue Glocken zu ersetzen. Sie werden am 28. 6. 1925 dem heiligen Bonifatius, der Gottesmutter Maria und einem polnischen Heiligen, dem heiligen Stanislaus, geweiht. Die Glockenweihe ist die letzte herausragende Amtshandlung des Pfarrers Algermissen in Wilhelmsburg. Er verlässt die Gemeinde im Jahre 1925 und geht nach Detfurt. Später wird er Domprobst von Duderstadt. Eine Straße in Kirchdorf ist nach Pfarrer Algermissen benannt.

 

1925−1928
Im Herbst 1925 wird Dr. Wilhelm Offenstein Pfarrer von St. Bonifatius. Als großartiger Prediger beeindruckt er die Gemeinde. Dr. Offenstein, der später Reichstagsabgeordneter der katholischen Zentrumspartei und Generalvikar der Diözese Hildesheim wird, bleibt weniger als drei Jahre in Wilhelmsburg. Er wird von Bischof Nikolaus Bares nach Hannover-Linden versetzt, in die Pfarrei “St. Benno”.

 

Abbildung 12: Dr. Wilhelm Offenstein, Pfarrer in St. Bonifatius von 1925 bis 1928

 

1926/27 will Dr. Offenstein im “Reiherstiegviertel” Wilhelmsburgs einen Schul-Neubau errichten. Er soll in der “Lessingstraße” stehen, die heute “Rotenhäuser Damm” heißt. Die Baupläne sehen auch einen Raum für den Gottesdienst vor. Das Baugrundstück ist 1927 schon ausgesucht und vermessen. Der damalige Oberbürgermeister von Harburg-Wilhelmsburg, Dr. Walter Dudek, hat den Katholiken seine Unterstützung beim Grundstückskauf zugesagt. Doch Dr. Offensteins Versetzung unterbricht für kurze Zeit die Bemühungen um das Bauvorhaben.

 

 

1928

Friedrich Schmidts wird Pfarrer der Bonifatiusgemeinde. Er schließt am 4.  März 1930 im Namen des Kirchenvorstandes einen Vertrag mit der Stadt Harburg-Wilhelmsburg ab. Ziel des Vertrages ist der Erwerb des Grundstückes “Lessingstraße”. Die Welt-Wirtschaftskrise verhindert den Baubeginn.

Abbildung 13: Friedrich Schmidts, Pfarrer in St. Bonifatius von 1928 bis 1934

 

Obwohl die finanziellen Möglichkeiten der Bonifatiusgemeinde zu seiner Zeit erheblich eingeschränkt sind, sorgt Pfarrer Schmidts dafür, dass die Bonifatuskirche mit einer Warmluft-Heizung ausgestattet wird.

 

1930

Pfarrer Schmidts verweigert im Februar dem neu gegründeten polnischen Gesangsverein “Cäcilia” die kirchliche Anerkennung, “ weil die Gründung des Vereins vorgenommen worden ist, ohne dass ein Geistlicher zu Rate gezogen ist und ohne dass ich davon unterrichtet bin.” Er begründet seine Weigerung weiter: “Der Verein hat in letzter Zeit drei Maskeraden veranstaltet mit dem Hinweis darauf, solange die Fahne nicht kirchlich geweiht sei, könne der Verein derartige Vergnügen veranstalten. Ich möchte Ihnen dazu mitteilen, dass es keine katholischen kirchlichen Vereine gibt - mit Jugendlichen beiderlei Geschlechtes vom vierzehnten Lebensjahre ab - die Vergnügen veranstalten und dazu noch durch öffentlichen Anschlag jeden beliebigen Menschen einladen“.

Laut einer Statistik, die Pfarrer Schmidts erstellt, gibt es in der Bonifatiusgemeinde bei einer Gesamtzahl von 7.200 Mitgliedern noch fünfhundert Personen, die nur ihre Muttersprache Polnisch beherrschen. Rund 300 Gemeindemitglieder besuchen regelmäßig den Gottesdienst mit polnischem Gesang und polnischer Predigt, der weiterhin von Kaplan Dohrenkamp angeboten wird.

 

28.02.1933

Eine Polzeiverordnung untersagt konfessionellen Jugendverbänden jede nicht rein kirchlich-religiöse Betätigung. Für die katholische Sportbewegung Deutsche Jugendkraft (DJK), bedeutet diese Verordnung das Ende, auch in der Bonifatiusgemeinde.

 

Mai 1933

Das jetzt nationalsozialistisch orientierte Schulamt Lüneburg will die beiden Hilfsschulklassen der Katholischen Schule Wilhelmsburgs schließen. Trotz empörter Proteste des Vertreters der Katholiken Harburg-Wilhelmsburgs in der Schuldeputation - des Pfarrers Alban Wüstefeld von St. Maria - wird die Ankündigung im Herbst 1933 wahr gemacht.

 

01.09.1934

Pfarrer Schmidts wird nach Osterode am Harz versetzt. Sein Nachfolger, Karl-Andreas Krieter, wird durch den neuen Bischof von Hildesheim, Joseph-Godehard Machens (1934 - 1957), für die Zeit vom 1. 10. bis zum 31. 10. 1934 zum Administrator (vicarius oeconomus) der Bonifatiusgemeinde bestellt.

 

 

 

28.10.1934

Dechant Carl Kopp, Celle, führt Karl-Andreas Krieter in das Amt des Pfarrers von  St. Bonifatius ein. Pfarrer Krieter wird 27 Jahre - bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand - in St. Bonifatius bleiben.

 

Abbildung 14:  Karl-Andreas Krieter, Pfarrer in St. Bonifatius von 1934 bis 1961

 

17.12.1934

Die einschüchternde Werbung für die Hitlerjugend, die in der katholischen Bekenntnisschule Wilhelmsburgs seit 1933 durch den (katholischen) Rektor betrieben wird, nimmt schärfere Form an. Die Lehrer sollen in den Klassen stärker für die DJ (= Deutsche Jugend) werben, weil die Katholische Schule Wilhelmsburgs von allen Schulen der Stadt Harburg-Wilhelmsburg  “prozentual am geringsten in der DJ vertreten ist ”.

 

20.06.1935

Während in Harburg die öffentliche Fronleichnamsprozession durch den nationalsozialistischen Polizeipräsidenten verboten wird, dürfen die Gläubigen der Bonifatiusgemeinde ihre Prozession im Jahre 1935 - und auch noch 1936 - in der Öffentlichkeit durchführen. Am Nachmittag des Fronleichnamtages begeht die Bonifatiusgemeinde zum letzten Mal während des Dritten Reiches auf ihrer Gemeindewiese im Höpen (= ein Waldgebiet bei Harburg) die „weltliche“ Fronleichnamsfeier. Das geschieht, obwohl Reichsinnenminister Frick am 12. 5. 1935 angeordnet hat, “dass weltliche Feiern konfessioneller Vereine und Verbände in Zukunft zu verbieten sind, da sie mit Religion nichts zu tun haben“.

 

05.07.1935

Pfarrer Krieter trägt dem Oberbürgermeister von Harburg-Wilhelmsburg schriftlich die Bitte des Kirchenvorstandes vor, vom Kaufvertrag bezüglich des Grundstückes an der “Lessingstraße” zurücktreten zu dürfen. Weil damals der Osten der Elbinsel zu einem neuen Besiedelungsschwerpunkt wird, erlaubt Pfarrer Krieter sich gleichzeitig “die höfliche Anfrage, ob uns die Stadtgemeinde … ein geeignetes Grundstück im Osten Wilhelmsburgs für den Bau einer Kapelle zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellen kann”. Oberbürgermeister Bartels ist einverstanden, aber erst viele Jahre später kauft die Kirchengemeinde St. Bonifatius ein Grundstück im Osten Wilhelmsburgs, um darauf eine Kirche und ein neues Gemeindezentrum zu errichten.

 

05.07.1935

Der Kirchenvorstand beschließt Bau- und Verschönerungsmaßnahmen, die in den nächsten Jahren verwirklicht werden sollen. Die Wege auf dem Kirchplatz (1936) und die maroden Seitengänge in der Kirche sollen ausgebessert werden 1937). Für die Jahre 1938 /39 wird eine neue Ausmalung des gesamten Kircheninneren geplant. Weil das nötige Geld für dieses große Vorhaben fehlt, beschließt der Kirchenvorstand, aus freiwilligen Spenden einen Fonds zu bilden. Die Sammlung muss auf Opfergaben beschränkt bleiben, die in der Kirche gespendet werden, denn das Sammlungsgesetz vom 5. 11. 1934 lässt nur noch Sammlungen und Kollekten in der Kirche zu. Örtliche Polizeispitzel überwachen, ob „die im Interesse der öffentlichen Wohlfahrtspflege durchgeführten Sammlungen durch die Kollekten in der Kirche Abbruch erleiden“.

 

03.09.1935

Der Lehrer und ehemalige Organist der Bonifatiusgemeinde, Richard Rhein, referiert in der Lehrerkonferenz der Katholischen Schule Wilhelmsburgs zum Thema „Die Richtlinien für die rassenpolitische Erziehungsarbeit“. Es ist seit Beginn des Schuljahres 1933/34 üblich, dass in den Lehrerkonferenzen jeweils eine Lehrkraft ein Referat zur nationalsozialistischen Ideologie/Politik vorträgt. Die Lehrkräfte werden von ihrem Rektor nachdrücklich gemahnt, dem Nationalsozialistischen Lehrerbund  (NSLB) beizutreten.

 

13.10.1935

Kaplan Dohrenkamp verabschiedet sich von der Bonifatiusgemeinde. Er ist zum Pastor in Aumund ernannt worden. Die polnisch sprechenden Mitglieder der Bonifatiusgemeinde gestalten am Nachmittag für „ihren Geistlichen“ eine gesonderte Abschiedsfeier. Die Feier der gesamten Gemeinde findet abends statt.

 

16.10.1935

Nachfolger des Kaplans Dohrenkamp wird Johannes Wosnitza. Er ist gebürtiger Oberschlesier, spricht perfekt Polnisch und hat keine Schwierigkeiten, der neue “Polenpastor von St. Bonifatius” zu werden.

 

27.08.1936

Pfarrer Krieter “erbettelt” beim Caritasverband der Diözese Hildesheim einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 1.500 RM für das Gemeindehaus, weil die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) dem gemeinnützigen Stift “St. Willehad ” nicht mehr 4.000 RM als Zuschuss bewilligt - wie zur Zeit der Weimarer Republik üblich - sondern nur noch 800 RM.

 

18.03.1937

Weil sie in der Schule Religionsunterricht erteilen, müssen Pfarrer Krieter und seine Kapläne Johannes Wosnitza und Antonius Holling beim zuständigen Schulrat in Harburg die folgende Erklärung unterschreiben: `Ich verpflichte mich, meine Dienstobliegenheiten gewissenhaft und uneigennützig zu erfüllen und die Gesetze und sonstigen Anordnungen des nationalsozialistischen Staates zu befolgen´.

 

21.03.1937

Im Hochamt des Palmsonntages verliest Pfarrer Krieter in der Bonifatiuskirche den ersten Teil des päpstlichen Rundschreibens “Mit brennender Sorge …”. Papst Pius XI. verurteilt in dieser Enzyklika die Ideologie der Nationalsozialisten und die kirchenfeindliche Politik der deutschen Reichsregierung.

 

23.03.1937

In amtlichem Auftrag teilt der Schulleiter der Katholischen Schule Wilhelmsburgs Pfarrer Krieter mit, dass mit Beginn des neuen Schuljahres in den Klassen 1a und 1b - das sind die Schulabschlussklassen - wöchentlich nur eine Religionsstunde erteilt werden darf. Somit fallen für die beiden Klassen wöchentlich drei Religionsstunden weg. In den übrigen Klassen dürfen wöchentlich statt vier nur noch zwei Stunden Religionsunterricht erteilt werden. Zum Ausgleich führt Pfarrer Krieter - gemäß bischöflicher Anordnung - für die Folgezeit eine so genannte „Christenlehre“ ein. Sie findet an Sonntagen nachmittags um 14 Uhr im Gemeindehaus statt und dauert 45 Minuten.

 

29.03.1937

An diesem zweiten Ostertag verliest Pfarrer Krieter im Hochamt den zweiten Teil der päpstlichen Enzyklika “Mit brennender Sorge …”.

 

01.04.1937

Durch das Groß-Hamburg-Gesetz verliert die bis dahin preußische Stadt Harburg-Wilhelmsburg ihre Existenz. Harburg und Wilhelmsburg heißen nun „Hamburg-Harburg“ und „Hamburg-Wilhelmsburg“. Die Erhebung der Kirchensteuer steht fortan unter Aufsicht des Landes Hamburg. Der staatliche Pfarrbesoldungszuschuss wird von Hamburg gezahlt. Anträge auf Zuschussgelder für geplante Baumaßnahmen oder für caritative Zwecke müssen nun an Hamburger Stellen gerichtet werden. Die Hamburger Kultur- und Schulbehörde tritt an die Stelle des Schulamtes Lüneburg. Die Katholische Schule Wilhelmsburgs erhält den Namen „Volksschule Alte Schleuse“.

Die Katholische Kirche will wegen des neuen Gebildes „Groß-Hamburg“ die Grenzen ihrer Diözesen nicht verändern. St. Bonifatius und die beiden katholischen Kirchengemeinden in Harburg bleiben deshalb bei der Diözese Hildesheim.

 

22.04.1938

Der zuständige Schulrat teilt Pfarrer Krieter brieflich mit, dass seine Kapläne und er selbst in der Katholischen Schule Wilhelmsburgs nicht mehr Religionsunterricht erteilen dürfen.

 

24.04.1938

An diesem Weißen Sonntag nutzt Pfarrer Krieter den Gottesdienst der Erstkommunionfeier zu einem eindrucksvollen Protest gegen das für die Geistlichen erstellte Verbot, in der katholischen Bekenntnisschule Religionsunterricht zu erteilen. Unter anderem sagt Pfarrer Krieter: „ … Es handelt sich hier um einen Eingriff in die heiligen Rechte der Kirche Gottes. Im Namen des göttlichen Kinderfreundes, der gesagt hat: `Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht´, müssen wir gegen diesen Eingriff feierlich Einspruch erheben. … Zum Zeichen der tiefen Traurigkeit Eurer Seelsorger schweigen heute unsere Kirchenglocken. Auch ordne ich an, dass die Orgel von der Opferung bis zur heiligen Kommunion der Kinder ebenfalls schweigt. Nach der Kommunion beginnt die Orgel wieder zu spielen, und wir singen gemeinsam das Lied `Katholisch bin und bleibe ich´.“

 

26.04.1938

Am Dienstag nach der Erstkommunionfeier schreibt der Schulrat an Pfarrer Krieter: „Die Schulkinder der „Volksschule Alte Schleuse“ gingen bisher an einem Wochentage während des Unterrichts zur Kirche, um ihrer Beichtpflicht zu genügen. Bei der beschränkten Stundenzahl kann ich dies heute nicht mehr gestatten. Ich bitte Sie daher, die Beichte der Schulkinder in die schulfreie Zeit zu verlegen.

 

11.08.1938

Pfarrer Krieter beantragt bei der Sozialverwaltung der Hansestadt Hamburg den bisher üblichen Zuschuss für das Stift “St. Willehad”. Sein Antrag wird abgewiesen. Unablässiges Drängen bewirkt schließlich, dass sich die Sozialverwaltung fünf Monate später - am 12. März 1939 - bereit erklärt, “ein letztes Mal” eine Unterstützung in Höhe von 800,- Reichsmark für das Stift “St. Willehad” zu zahlen.

 

11.11.1938

Der nationalsozialistische Reichsstatthalter in Hamburg, Karl Kaufmann, lässt über das Generalvikariat Hildesheim den Pfarrern in Harburg und Wilhelmsburg die folgende Drohung zukommen: „Im Haushaltsplan der Staatsverwaltung der Hansestadt Hamburg sind Mittel bereitgestellt, die als Zuschüsse zur Pfarrbesoldung und zur Versorgung der Ruhestandspfarrer und Pfarrhinterbliebenen bestimmt sind. … Sobald sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ein kirchlicher Amtsträger, für dessen Besoldung Staatsmittel verwendet werden, sich durch sein Verhalten der Fürsorge des Staates unwürdig erwiesen hat, werde ich … die zur Verfügung gestellten Staatsmittel gegebenenfalls sperren. …“

 

26.03.1939

An diesem Sonntag werden in der Bonifatiuskirche in allen Heiligen Messen - wie vom Bischof angeordnet - eine Zählung der Kirchenbesucher und eine Abstimmung zum Thema “Katholische Bekenntnisschule oder Gemeinschaftsschule” durchgeführt. Ohne Ausnahme stimmen die 1.594 Kirchenbesucher durch Erheben von den Plätzen und Emporheben der rechten Hand für die Erhaltung der katholischen Bekenntnisschule. (An diesem Sonntag ist die Zahl der Gottesdienstbesucher geringer als üblich, weil das Wetter besonders schlecht ist.)

 

01.04.1939

Die „Volksschule Alte Schleuse“, die bis zu diesem Tag eine katholische Bekenntnisschule ist, wird gemäß nationalsozialistischer Schulpolitik zur “Gemeinschaftsschule” umgewandelt. Von offizieller Seite erfährt Pfarrer Krieter über diesen Verwaltungsakt nichts. Die Kinder, die außerhalb des Bereiches der “Volksschule Alte Schleuse“ wohnen, werden umgeschult. Neun Lehrkräfte werden versetzt. Der nationalsozialistisch eingestellte (katholische) Rektor bleibt Schulleiter. Der Hausmeister - Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Bonifatius - muss die Kruzifixe von den Wänden der Klassenzimmer nehmen. Die Zusammenarbeit von Kirche und Schule anlässlich Einschulung und Schulentlassung der Kinder ist vorbei. Der demonstrative Protest, den Pfarrer Krieter im Gottesdienst am Weißen Sonntag des Jahres 1939 veranstaltet, ist ein Beweis erheblichen Mutes und großer Trauer. Er bewirkt nichts.

 

01.09.1939

Adolf Hitler befiehlt der deutschen Wehrmacht den Angriff auf Polen. Er löst damit den Zweiten Weltkrieg aus. Noch am selben Tag werden Im Gemeindehaus „St. Willehadstift“ sechs Räume für Ergänzungskräfte des Sicherheits- und Hilfsdienstes (SHD) und für Kräfte des verstärkten Polizeischutzes beschlagnahmt. Die Maßnahme wird erst nach dem Sieg über Polen aufgehoben.

 

 

 

02.09.1939

An diesem Samstag konsekriert Bischof Josef-Godehard die renovierte und mit einem eindrucksvollen Wandgemälde - hinter dem Hauptaltar - geschmückte Bonifatiuskirche. Zur großen Freude der Gemeinde nimmt der Bischof diesen Termin wahr, obwohl Adolf Hitler am Vortag den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Der Bischof übernachtet im Wilhelmsburger Pfarrhaus und spendet am nächsten Tag, am Sonntag den 3. September 1939, 276 Kindern der Bonifatiusgemeinde das Sakrament der Firmung.

Abbildung 15: Das Wandgemälde hinter dem Hauptaltar

 

15.10.1939

Die Gemeinde begeht das Silberne Priesterjubiläum ihres Pfarrers Krieter. Morgens wird ein Levitenamt gefeiert. Die Festpredigt hält der Pallotinerpater Dr. Max Groesser, der mit Pfarrer Krieter seit Jahren befreundet ist und sich deswegen die Mühe gemacht hat, aus Hamburg nach Wilhelmsburg zu kommen. Dr. Groesser ist der Generalsekretär des St. Raphaelvereins, der seit Jahren “nichtarische Christen” (=Juden) dabei unterstützt, aus Deutschland auszuwandern. Nachmittags findet eine Festandacht statt.

 

03.11.1939

Kaplan Johannes Wosnitza wird von der Geheimen Staatspolizei vorgeladen. Er hat durch eigenhändige Unterschrift davon Kenntnis zu nehmen, dass die Predigt auf Polnisch und eigene Gottesdienste für Polen in Deutschland verboten sind.

 

18.05.1940

Britische Flugzeuge greifen Hamburg, Bremen und einige Städte in Westdeutschland an. In Hamburg sind 34 Tote und 72 Verletzte zu beklagen. Die meisten Opfer findet dieser Angriff im Stadtteil Harburg, im Seelsorgegebiet von “St. Maria”.

 

19.05.1940

Ausgerechnet für den Tag nach dem ersten großen Luftangriff auf Hamburg ist in der Bonifatiusgemeinde ein Freudenfest geplant: die Primiz von Heinrich Pachowiak, dem späteren Weihbischof der Diözese Hildesheim. Obwohl in direkter Nachbarschaft zur Bonifatiuskirche Brandbomben gefallen sind, die ein großes Feuer verursacht haben, und obwohl für die nächste Nacht weitere Luftangriffe zu erwarten sind, findet die Primizfeier statt. Am Tage nach der Feier wird Heinrich Pachowiak zur Wehrmacht eingezogen.

 

Abbildung 16: Heinrich Pachowiak, von 1958 bis 1992 Weihbischof der Diözese Hildesheim. Er stirbt am  22.  11.   2000.

 

Die Nacht vom 6. zum 7. Oktober 1940

Agnes Plak, ihr Sohn Rudolf sowie eine Verwandte - Frau Maria Brandt - sind die ersten Mitglieder der Bonifatiusgemeinde, die infolge eines Luftangriffes sterben.

 

30.01.1942

An diesem Freitag werden die große und die zweitgrößte der drei Glocken von St. Bonifatius auf den Anhänger eines Lastautos geladen und abtransportiert. Sie sollen zerschlagen und eingeschmolzen werden und damit zur Herstellung schwerer Waffen dienen.

Ende April 1942

In Wilhelmsburg wird mit dem Bau zweier Luftschutzbunker begonnen, die riesige Ausmaße haben. Die Arbeiten unterstehen direkt Albert Speer, dem neuen Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Die Bauausführung liegt bei der „Organisation Todt“. Während der Bauarbeiten werden gemäß dem „Reichsleistungsgesetz für Wehrmachtszwecke“ Räume im Gemeindehaus „St. Willehadstift“ beschlagnahmt, damit Angehörige der „Organisation Todt“ dort Unterkunft finden. Zusätzlich muss die Küche des Stiftes die Bauleute mit Essen versorgen. Für die Bereitstellung von Wohnung und Verpflegung bekommt die Kirchengemeinde St. Bonifatius von Seiten des Staates zwar ein Entgelt, aber im Gemeindehaus ist nun nicht mehr genügend Platz für den Hort und den Kindergarten. Die “Ehrwürdigen Schwestern”, die im Kindergarten und Hort tätig waren, werden in das Hildesheimer Mutterhaus zurückgerufen.

 

27.03.1943

Die Fabriken Schindler und Haltermann - in der Nähe der Bonifatiuskirche - werden von Bomben schwer getroffen. Anschließend werden im Gebäude der „Volksschule Alte Schleuse“ Polizisten und Zwangsarbeiter untergebracht. Die Küche im katholischen Gemeindehaus „St. Willehadstift“ übernimmt die Verpflegung dieser Personen. Die Kostenabrechnung muss Pfarrer Krieter der Polizeikasse vorlegen.

 

25.07.1943 bis 03.08.1943

Vier Nachtangriffe der Engländer und zwei Tagesangriffe der Amerikaner vernichten in zehn Tagen einige Stadtteile Hamburgs vollständig. (Aktion Gomorrha) Das Unglück dieser Tage bringt der Bonifatiusgemeinde einen enormen Zuzug von Flüchtlingen und Obdachlosen. Pfarrer Krieter und sein Kaplan, Heinz Kruse, stehen dadurch vor Anforderungen, die kaum zu bewältigen sind. Im Pfarrhaus von St. Bonifatius finden drei obdachlose Familien Unterkunft.

 

27.07.1943

In der Nähe der Bonifatiuskirche werden Industriewerke durch Bombenabwurf schwer beschädigt. Die Sprengkraft der Bomben bewirkt schwere Dachschäden an der Kirche, am Pfarrhaus und besonders am Gemeindehaus.

 

31.01.1944

Die Geheime Staatpolizei beschlagnahmt 400 Bücher der Pfarrbücherei.



 

18.06.1944 und 20.06.1944

Die Mineralölbetriebe in Wilhelmsburg und Harburg sind das Angriffsziel für rund siebenhundert feindliche Bombenflugzeuge. Am Sonntag, den 18. 6., werden das Dach der Kirche, einige Fenster und die Innenwände schwer beschädigt. Ein Bombenabwurf am Dienstag, den 20. 6., zertrümmert die restlichen Kirchenfenster. Die Fensteröffnungen müssen mit Brettern zugenagelt werden.

Ebenfalls am Dienstag werden die Dächer des Pfarrhauses und des Gemeindehauses schwer beschädigt. Außerdem sind in beiden Gebäuden Fenster und Türen zertrümmert und Wände eingedrückt.

Die Bonifatiusgemeinde hat 1944 die meisten Luftkriegsopfer innerhalb eines Jahres zu beklagen, nämlich dreißig. Der nationalsozialistische Kreisleiter, Wilhelm Drescher, verbietet, dass bei der Beerdigung der Toten christliche Geistliche anwesend sind. Deswegen können die Gräber erst später eingesegnet werden.

 

25.09.1944

Bischof Josef-Godehard ernennt Pfarrer Krieter zum Dechanten des Dekanates “Lüneburg”. (Das Dekanat wechselt im Laufe der Jahre mehrmals den Namen. Bis 1939 heißt es Dekanat “Harburg”, dann Dekanat “Lüneburg” und nach Kriegsende Dekanat “Hamburg-Harburg”.)

 

31.03.1945

Der 31. März ist der Karsamstag des Jahres 1945. Der Luftangriff am Morgen hinterlässt schwerste Zerstörungen: Die Sakristei und das südliche Seitenschiff der Bonifatiuskirche sind durch eine Sprengbombe vollkommen vernichtet und in einem Bombenkrater verschwunden. Die Kanzel und der Marienaltar sind vernichtet. Der Hauptaltar ist beschädigt, aber eine Reparatur erscheint noch lohnend. Die Wand hinter dem Hauptaltar, die das erst 1938 fertig gestellte Wandgemälde getragen hat, ist schwer beschädigt. Das Gemälde ist verloren. Der südliche Turm der Kirche ist einsturzgefährdet. Das Dach der Kirche ist größtenteils abgedeckt. Die Decke des Kirchenraumes ist zum Teil eingestürzt. Die Orgel hat schweren Schaden genommen.Das Gemeindehaus ist eine Ruine. Nur ein Raum kann nach Reparaturarbeiten notdürftig genutzt werden. Das Pfarrhaus hat am wenigsten Schaden genommen. Es ist noch bewohnbar.

 

Abbildung 17: Diese Luftaufnahme zeigt die Folgen des Luftangriffes vom 31. 3. 1945

 

Abbildung 18: Die Ruine des Gemeindehauses “St. Willehadstift” zu Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts.

 

03.05.1945

Nachdem sie die Brücke über die Süderelbe passiert haben, rollen englische Panzer in den Stadtteil Wilhelmsburg. Im Hauptgebäude der „Volksschule Alte Schleuse“ und in den umliegenden Wohnhäusern - soweit sie bewohnbar sind - werden englische Soldaten einquartiert. Die Spitze der Panzerkolonne rollt ungehindert über die Elbinsel hinweg bis zum Hamburger Rathaus. Um 18 Uhr 25 übergibt dort Hamburgs Kampfkommandant, Generalmajor Wolz, den „Verteidigungsbereich Hamburg“ an den englischen Brigadegeneral Spurling. Reichsstatthalter Kaufmann übergibt ihm die Verwaltung der Stadt. In Hamburg ist der Krieg beendet.

 

14.05.1945

Der von der englischen Militärregierung eingesetzte neue Bürgermeister Hamburgs, Rudolf Petersen, tritt sein Amt an. Am selben Tag wird Dr. Walter Dudek zum Leiter des Hamburger Verwaltungsbezirks 8 bestimmt (Harburg, Wilhelmsburg und Finkenwerder). Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Harburg-Wilhelmsburg ist damit - nicht der Bezeichnung des Amtes nach, aber praktisch - in sein Amt zurückgekehrt. Der Sozialdemokrat Dr. Dudek, der im Dezember 1933 zum katholischen Glauben konvertiert ist, wird in Zukunft gute Kontakte zu den katholischen Geistlichen in Wilhelmsburg und Harburg pflegen.

 

Abbildung 19: Diese Plakette aus Bronze zeigt das Bild des Finanzsenators Dr. Walter Dudek. Sie befindet sich auf dem Denkmal, das in der Nähe des Harburger Bahnhofs steht, nahe der Walter-Dudek-Brücke.

 

Fronleichnamsfest 1945

Die Chronik von St. Bonifatius berichtet: „Wir erhielten sogleich wieder völlige Freiheit in der Ausübung unserer heiligen Religion. … Wir sind wieder über die Straße (= Bonifatiusstraße) gezogen. … Der Kontrast zwischen dem festlichen Zug, den schön geschmückten Altären, den froh gestimmten Menschen und den Schutthaufen, den ragenden Ruinen und all den Zeichen vergangenen Grauens war sehr groß. …”

 

Sommer 1945

Die heilige Messe wird im Frühjahr und Sommer 1945 im erhaltenen Seitenschiff der Bonifatiuskirche - am Josefaltar - gefeiert. Freiwillige helfen bei den Arbeiten zur Restaurierung der Kirche. Die Männer füllen den Bombentrichter, in dem die ehemalige Sakristei der Kirche versunken ist, und ebnen den Kirchplatz ein. Frauen und Kinder säubern noch verwendbare Steine vom Mörtel. Professionelle Arbeiten sind der Baufirma Zeyn übertragen.

 

18.06.1945

Weil das Gemeindehaus zerstört ist, besteht für außerreligiöse Aktivitäten in der Bonifatiusgemeinde größter Raummangel. Dechant Krieter schreibt deswegen an den Stadtkämmerer, Finanzsenator Velthuysen, dass er die beiden Grundstücke Groß-Sand 2 und Groß-Sand 4 (ehemals im Besitz der Gärtnerei Adler), die an das  Kirchengrundstück anschließen, der Hansestadt Hamburg abkaufen möchte. Auf dem Grundstück Groß-Sand 2 steht das im Jahre 1893 erbaute, jetzt erheblich beschädigte erste Gebäude der ehemals katholischen “Volksschule Alte Schleuse”. Als Notbehelf möchte Dechant Krieter in diesem beschädigten Gebäude Räume einrichten lassen für kirchliche und karitative Zwecke und außerdem Wohnungen für “ausgebombte Kirchenbeamte”.

 

23.07.1945

Senator Velthuysen antwortet auf das Schreiben des Pfarrers Krieter: „Im Einvernehmen mit dem Stadtplanungsamt und der Schulverwaltung überlasse ich Ihnen das dem Kirchengrundstück angrenzende Schulgrundstück an der Straße Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg mit der Hausruine zur Verwertung für kirchengemeindliche Zwecke. Die Hausruine wird Ihnen unentgeltlich zur Verwertung zur Verfügung gestellt. Die Vergütung für die Grundfläche beträgt 10,-RM jährlich. Ferner bin ich bereit, Ihnen das ehemalige Adler´sche Grundstück für Ihre Zwecke vorerst pachtweise zu überlassen. …”

 

Herbst 1945

Dechant Krieter führt stellvertretend für den Bischof von Hildesheim Verhandlungen mit der Hamburger Schulverwaltung zwecks Wiedereinrichtung der katholischen Schulen in Harburg und Wilhelmsburg.

 

Adventszeit des Jahres 1945

Weil der Josefaltar Wind und Wetter ausgesetzt ist, wird der ehemalige Hauptaltar der Bonifatiuskirche repariert und unter der Orgelempore aufgebaut. Der Haupteingang der Kirche wird zugemauert. Der einzige Zugang zur Kirche ist nun der linke Seiteneingang. Die Bänke im Mittelschiff der Kirche werden gedreht. Die Chronik der Kirchengemeinde berichtet: „Von Weihnachten ab steht der Altar am Haupteingang. Wenn auch eng, so ist es für uns doch wieder ein geschlossenes Bild. Wir wagen sogar in dieser beschädigten Kirche mit den Kindern ein Krippenspiel. Der Schnee, der durch das beschädigte Dach auf Spieler und Gemeinde fällt, bringt uns das Spiel so recht nahe“.

 

Ende 1945

Wie aus dem Protokoll der Kirchenvorstandssitzung vom 26. 4. 1949 zu erschließen ist, findet gegen Ende des Jahres 1945 eine Sitzung des Kirchenvorstandes statt, in deren Verlauf der Plan besprochen wird, im Namen und in der Verantwortung der Bonifatiusgemeinde „ein kleines, später jedoch erweiterungsfähiges Krankenhaus“ zu errichten.

 

24.01.1946

In einer Sitzung des Kirchenvorstandes wird die Frage besprochen, wie die Gemeinde für den Krankenhausbau ein Baugrundstück bereitstellen kann. (Grundstückstausch mit der Hansestadt)   Dechant Krieter wird beauftragt, die Kreisverwaltung 8 und die Stadtkämmerei über die Baupläne der Gemeinde zu unterrichten.

 

Februar 1946

Dr. Dudek wird durch Bürgermeister Petersen zum Finanzsenator im “ernannten Senat” Hamburgs berufen. In dieser Position kann er den geplanten Krankenhausbau in Wilhelmsburg noch intensiver fördern als bisher schon geschehen.

 

27.02.1946

Der Schuhmachermeister Josef Springer, Mitglied der Bonifatiusgemeinde und “Busenfreund” des Pfarrers Krieter, wird von der englischen Militärregierung dazu berufen,  in der „ernannten Bürgerschaft“ die 100.000 Katholiken Hamburgs zu vertreten.

 

Frühjahr 1946

Die Baufirma Zeyn schließt die südliche Seitenwand der Bonifatiuskirche und gibt die Notsakristei zum Gebrauch frei.

Abbildung 20: Das Foto zeigt die südliche Seitenwand der Bonifatiuskirche und die davor gebaute Notsakristei.

 

11.04.1946

Dechant Krieter berichtet dem neuen Leiter des Verwaltungsbezirkes 8, Alfred Höhlein, schriftlich von den Plänen der Bonifatiusgemeinde, ein Krankenhaus zu errichten.

 

06.05.1946

Die “Volksschule Alte Schleuse” wird als katholische Gemeindeschule unter dem Namen “Bonifatiusschule” neu eröffnet. Wie die Schulchronik berichtet, versammeln sich auf dem Schulhof an der Bonifatiusstraße  “ … 712 katholische Kinder, die von den Lehrpersonen zunächst zur Kirche geführt werden, wo in einem feierlichen Hochamt Gott innigst gedankt und sein Segen auf die Arbeit in der Schule erfleht wird”. Rektor der Schule ist Wilhelm Rohde.

20.05.1946

In einem Brief an die Kämmerei der Hansestadt Hamburg schreibt Dechant Krieter: „ … Im Hinblick auf die einfach trostlosen Krankenhausverhältnisse im Stadtteil Wilhelmsburg … hat sich die Kirchengemeinde entschlossen, alsbald ein Krankenhaus zu errichten. …”

 

08.09.1946

Der von der Bonifatiusgemeinde beauftragte Architekt, Karl Sterra, legt der Bauverwaltung der Hansestadt Hamburg (Baupolizeiabteilung in Wilhelmsburg, Rathaus Mengestraße) die Pläne zum Bau des Krankenhauses vor. Er bittet um baupolizeiliche Prüfung.

 

13.10.1946 / 15.11.1946

Aufgrund der Wahlergebnisse, die bei der ersten demokratischen Wahl nach Kriegsende zustandekommen, kann die SPD die Regierung Hamburgs bilden. Unter Bürgermeister Max Brauer bleibt Dr. Dudek im Amt des Finanzsenators (= Stadtkämmerers).

 

Mai 1947

Pfarrer Krieter beantragt beim Generalvikariat in Hildesheim “für den polnischen Priester Mieczyslaw Golniewicz die Vollmacht, an Sonn- und Feiertagen in der Pfarrkirche St. Bonifatius in polnischer Sprache zu predigen und die Beichte zu hören”.  Mieczyslaw Golniewicz betreut in den ersten Nachkriegsjahren hauptamtlich die Menschen, die während des Krieges aus Polen nach Deutschland verschleppt wurden. Sie werden durch die englische Militärregierung vor ihrer Rückkehr in Lagern gesammelt. Die polnischsprachigen Mitglieder der Bonifatiusgemeinde betreut der spätere Dechant Golniewicz nebenamtlich bis zum Ende der 60er Jahre. Die “Polenseelsorge” in St. Bonifatius wird eingestellt, nachdem die letzten “Polen”, die in den Anfangsjahren der Bonifatiusgemeinde junge Leute waren, verstorben sind.

Abbildung 21: Mieszyslaw Golniewicz auf einem Foto aus dem Jahre 1959

 

August 1947

Dechant Krieter beruft den Lehrer Andreas Nolte an die wieder eröffnete Katholische Schule Wilhelmsburgs. Er sichert ihm zu, Nachfolger des Rektors Rohde zu werden, der bald in Pension gehen wird. Andreas Nolte engagiert sich In der Bonifatiusgemeinde als Organist, als Kirchenvorsteher und als “weltlicher” Präses der Kolpingsfamilie. Unter seiner Führung entwickelt sich die Kolpingsfamilie außergewöhnlich gut. Die Kolpingsbrüder errichten sich in Eigenarbeit neben der Ruine des Stiftes “St. Willehad” ein kleines Kolpingsheim, das heute noch benutzt wird.

Abbildung 22: Andreas Nolte

 

Abbildung 23: Das Foto zeigt im Vordergrund das Kolpingsheim, das 1948 fertig gestellt wird.

 

31.08.1948

Die Bonifatiusgemeinde feiert ihr 50jähriges Bestehen. Noch vor dem Jubiläum ist die Wand hinter dem Hauptaltar mit einem neuen Gemälde“geschmückt” worden. Es zeigt die Apostel Christi, ein großes Kreuz und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega.

Abbildung 24: Das Foto zeigt die Bemalung der Wand hinter dem Hauptaltar.

 

 

01.01.1949

Andreas Nolte wird Rektor der Katholischen Schule Wilhelmsburgs. Außerhalb der Gemeinde erwirbt er sich als Interessenvertreter der katholischen Lehrerschaft Hamburgs und als  CDU -Kommunalpolitiker - er ist Stellvertreter des Ortsamtsleiters von Wilhelmsburg - großes Ansehen.

 

11.05.1949

Der Grundstein des Krankenhauses wird gelegt. In der Urkunde zur Grundsteinlegung heißt es: „Die Unterzeichneten haben sich heute, am 11. Mai 1949 um 15 Uhr, in feierlicher Weise am Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg zusammengefunden, um den Grundstein eines Krankenhauses zu legen, welches in Zukunft den Namen tragen soll:  Wilhelmsburger Krankenhaus        Groß-Sand. Das Krankenhaus soll allen dienen, die ärztliche Hilfe brauchen,     ohne Unterschied des Standes und des Bekenntnisses. In gemeinschaftlicher Zusammenarbeit zwischen dem Senat und der Bürgerschaft der Hansestadt Hamburg, der Wilhelmsburger Industrie und der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius wurde dieser Bau ermöglicht….“

 

17.08.1949

Das Richtfest für den Bau des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand wird gefeiert.

 

05.12.1949

Vier “Ehrwürdige Schwestern der Heiligen Katharina von Alexandrien” kommen nach Wilhelmsburg. Die Oberin ihres Ordens hat sich bereit erkärt, für das Krankenhaus so viele Schwestern nach Wilhelmsburg abzustellen, dass auf jeder Station / Abteilung eine Katharinenschwester als Leiterin eingesetzt werden kann.

Der Orden der “Ehrwürdigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul” (=Vinzentinerinnen), dessen Schwestern bislang in Wilhelmsburg gearbeitet haben, übernimmt die Arbeit im Wilhelmsburger Krankenhaus nicht.  Die Vinzentinerinnen werden  in Harburg benötigt, denn dort hat der „Orden des Heiligen Vinzenz von Paul“  sein im Krieg zerstörtes Krankenhaus “Maria-Hilf” an der Stader Straße neu eröffnet. (Das Krankenhaus „Maria-Hilf“ hat am 13. Mai 1948 seinen Betrieb in der ehemaligen Villa des Harburger Stockfafrikanten Meyer aufgenommen. Eine Erweiterung des Krankenhauses ist geplant.)

     

15.01.1950

An diesem Sonntag wird das “Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand” feierlich eingeweiht. Der erste Chefarzt des Krankenhauses ist der frühere Leiter des  Krankenhauses der Wollkämmerei, Dr. Benno Gebauer.

Abbildung 25: Das „Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand“  im  Jahre 1950

 

Bautätigkeiten an der Bonifatiuskirche in den Jahren 1951- 1954

1951 wird die Orgel repariert. 1951 / 1952 werden die Arbeiten zur Sicherung der beiden Kirchturmfundamente abgeschlossen. 1953 erhält die Kirche eine Anlage zur Blitzableitung. Ende 1953 / Anfang 1954 wird das Dach des Langhauses der Kirche endgültig eingedeckt. Der Wiederaufbau der Sakristei und des südlichen Seitenschiffes der Kirche beginnt am  Peter- und Paulstag 1954. Der Wiederaufbau ist im Oktober 1954 abgeschlossen. Im Zuge der letztgenannten Baumaßnahmen wird das Hauptportal der Kirche erneuert und mit einem Windfang versehen.

1952

Auf dem Gelände, das die Ruine des Stiftes “St. Willehad” trägt, beginnen Aufräumarbeiten.

 

Ostern 1953

Die Gemeinde wird aufgerufen, für den Neubau eines Gemeindehauses zu spenden. Die Spender erwerben jeweils einen so genannten “Baustein zum Wiederaufbau des Gemeindehauses”.

Abbildung 26: Beleg für den Kauf eines “Bausteines”

 

26.02.1956

Das neue Gemeindehaus wird eingeweiht. Es ist ein Mehrzweckgebäude, das fortan der Katholischen Schule Wilhelmsburgs, der Seelsorgearbeit der Geistlichen und auch den Vereinen und Gruppen der Bonifatiusgemeinde von großem Nutzen ist.

 

31.07.1956 / 07.08.1956

Die Baupläne zur Erweiterung des „Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand“ sind kirchenoberlich und staatsaufsichtlich genehmigt und finanziell abgesichert.

 

15.12.1957

Der erste Erweiterungsbau des Krankenhauses “Groß-Sand” wird eingeweiht. Während der Einweihungsfeier ist die höchste politische Prominenz Hamburgs anwesend. Genannt seien der Erste Bürgermeister, Max Brauer, und der Präsident der Hamburger Bürgerschaft, Adolf Schönfelder; ferner die Senatoren Schmedemann (Gesundheit) und Weichmann (Finanzen), dazu die ehemaligen Finanzsenatoren Dr. Dudek und Gisbert Schultze-Schlutius. Heinrich-Maria Janssen, der neue Bischof von Hildesheim (1957 bis 1982), lässt sich bei der Einweihungsfeier durch seinen Generalvikar, Dr. Wilhelm Offenstein, vertreten.

Abbildung 27: Das neue Gemeindehaus, Bonifatiusstraße 6

Abbildung 28: Das Foto zeigt (aus Sicht des Betrachters) links den Altbau und rechts den Erweiterungsbau des Krankenhauses „Groß-Sand“

 

1953 bis 1958

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts feiern 4 Neupriester, die aus der Bonifatiusgemeinde hervorgegangen sind, ihre Primiz in Wilhelmsburg. Es sind:  Joachim Ernst (Priesterweihe 1953), Karl-Heinz Schulz (Priesterweihe 1956), Wolfram Tojok (Priesterweihe 1957) und Johannes Rataij (Priesterweihe 1958).

Abbildung  29: Fünf Priester aus der Bonifatiusgemeinde.  Von links:  Johannes Rataij, Heinrich Pachowiak, Wolfram Trojok, Karl-Heinz  Schulz, Joachim Ernst

 

1959

Die Bonifatiuskirche wird neu ausgemalt. Die Apostelfiguren auf der Wand hinter dem Hochaltar, die jahrelang dem Schönheitsempfinden der Gemeinde eine Last waren, verschwinden. Die nun in schlichtem Weiß gehaltene Wand wird mit einem Kreuz aus Mosaiksteinen geschmückt.

Abbildung 30: Das Innere der Bonifatiuskirche im Jahre 1959

 

27.06.1959

Der unerwartete Tod des Rektors der katholischen Schule, Andreas Nolte, löst große Trauer der gesamten Gemeinde aus. Weil die kommunalpolitische Tätigkeit des Rektors Nolte für die Gemeinde St. Bonifatius von großem Nutzen war, soll sein Nachfolger neben pädagogischen Fähigkeiten auch politischen Sachverstand besitzen. Dechant Krieter wird der CDU-Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, Carl Damm, empfohlen.

 

Sommer 1959

Gefördert von Dechant Krieter entsteht der von den Nationalsozialisten verbotene Sportverein „Deutsche Jugendkraft“ in der Bonifatiusgemeinde neu. Für viele katholische und einige nichtkatholische Jugendliche Wilhelmsburgs wird dieser Sportverein ein Weg, zum religiösen Leben in der Bonifatiusgemeinde einen Bezug zu finden. Zwei Jahre nach seiner Gründung hat der Verein schon 230 Mitglieder in den Abteilungen Fußball, Gymnastik für Frauen und Mädchen und Tischtennis. Der Vorsitzende heißt Georg von Rymon Lipinski.

Abbildungen 31 und 32: Die 1. Herrenmannschaft der DJK-Wilhelmsburg im Jahre 1961 und die Knabenmannschaft im Sommer 1959

 

09.10.1959

Dechant Krieter führt den neuen Rektor der Katholischen Schule Wilhelmsburgs, Carl Damm, in das Amt des Schulleiters ein.

Abbildung 33: Carl Damm

 

01.11.1959

Die Gemeinde feiert das 25jährige Ortsjubiläum ihres Pfarrers Krieter. Bischof Heinrich-Maria Janssen besucht die Feierstunde, die im Gemeindehaus stattfindet. Er verleiht Dechant Krieter den Titel “Geistlicher Rat”.

 

09.12.1959

Der Bundespräsident verleiht Dechant Krieter für seine Verdienste um das Gesundheits- und Schulwesen in Wilhelmsburg das Verdienstkreuz Erster Klasse. Die Auszeichnung wird von Gesundheitssenator Schmedemann überreicht.

Abbildung 34:  Hamburgs Gesundheitssenator, Walter Schmedemann, gratuliert Dechant Krieter.

 

17.03.1961

Dòn Euquerio Bragado, der Seelsorger für die spanischen Gastarbeiter, die in großer Zahl nach Wilhelmsburg und Harburg gekommen sind, findet Wohnung und Verpflegung im Pfarrhaus von St. Bonifatius. Später bekommt er zwei Zimmer im Haus Groß-Sand 2 zugeteilt. Von dort aus startet er die Spanische Katholische Mission für Hamburg und Schleswig-Holstein. In der Bonifatiuskirche findet fortan regelmäßig spanischer Gottesdienst statt.

 

01.08.1961 

Pfarrer Krieter begibt sich - 71 Jahre alt - wegen seiner angegriffenen Gesundheit in den Ruhestand. Er zieht in sein Heimatdorf Hilkerode bei Duderstadt (Eichsfeld).

 

 

06.08.1961

Pfarrer Johannes Großstück wird in sein Amt eingeführt.

Abbildung 35: Johannes Großstück, vom August 1961 bis zum Januar 1964

Pfarrer von St. Bonifatius

 

15.10.1961

Pfarrer Großstück leitet im Gemeindehaus die Gründungsversammlung des „Katholischen Kirchbauvereins-Kirchdorf, Hamburg-Wilhelmsburg e.V.“  Der Verein hat das Ziel, im Neubaugebiet Wilhelmsburg-Kirchdorf eine Kirche und ein katholisches Gemeindezentrum zu errichten. 33 Gemeindemitglieder sind bei der Gründungsversammlung anwesend.

 

16. / 17. Februar 1962

Von den 315 Toten, die Hamburg infolge der großen Sturmflutkatastrophe zu beklagen hat, gehören 15 zur Bonifatiusgemeinde. Im Untergeschoss des Krankenhauses richtet die Flut große Schäden an.

Abbildung 36: Ein Blick auf den Wilhelmsburger Wasserturm und das Krankenhaus “Groß-Sand” am Morgen des 17. 2. 1962 (Flutkatastrophe)

Abbildung 37:  Ein Blick auf die Untergeschosse des Krankenhauses „Groß-Sand”.

 

12.11.1962

Pfarrer Krieter ist so schwer erkrankt, dass der Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses, Dr. Börner, ihn von seinem Ruhestandsort Hilkerode abholt und zur Behandlung in das  Wilhelmsburger Krankenhaus bringt.

Abbildung 38: Dr. Benno Gebauer, der erste Chefarzt des Wilhelmsburger Krankenhauses, besucht Dechant Krieter.

 

24.02.1963

An diesem Sonntag stirbt Pfarrer Krieter “in seinem Krankenhaus”. Bis zu seiner Totenmesse - am folgenden Donnerstag - wird er in der Bonifatiuskirche aufgebahrt. Außerordentlich viele Gemeindemitglieder nehmen an dem Requiem, das von Weihbischof Heinrich Pachowiak zelebriert wird, und an der Beerdigung auf dem Friedhof Finkenriek teil.

Abbildung 39: Das Grab des Pfarrers Krieter auf dem Friedhof Finkenriek

 

Januar 1964

Pfarrer Großstück agiert während seiner Wilhelmsburger Amtszeit mehrmals ungeschickt. Unter anderem vergrault er die Sportler des Vereins “DJK-Wilhelmsburg” derart, dass sie den katholischen Sportverein auflösen und einen “weltlichen” Verein gründen: “Rot-Weiß-Wilhelmsburg”. Als er im Wilhelmsburger Krankenhaus die Kündigung des Chefarztes der Abteilung “Innere Medizin“ durchsetzt und deswegen negative Pressemeldungen und ein Arbeitsgerichtsverfahren ausgelöst werden, zieht die Bischöfliche Behörde Pfarrer Großstück aus Wilhelmsburg ab. Er wird nach Hannover versetzt.

 

09.02.1964

Mit Pfarrer Günter Franz wird ein neuer Seelsorger in die Gemeinde eingeführt. Es wird seine Aufgabe, die Vorstellungen und Vorschriften des Zweiten Vatikanischen Konzils - es tagte in vier Sitzungsperioden von 1962 bis 1965 - in der Bonifatiusgemeinde praktisch umzusetzen. Zur Zeit des Pfarrers Franz verändert sich - wie vom Konzil gewünscht - die durch Pfarrer und Kapläne versorgte und gelenkte Gemeinde zu einer „mitsorgenden“ Gemeinde. Der „Pfarrgemeinderat“ trittt seine Arbeit an und ergänzt die Arbeit der Mitglieder des Kirchenvorstandes.

Abbildung 40: Günter Franz, vom   9. 2. 1964 bis zum 19. 10. 1967 Pfarrer von  St. Bonifatius

 

09.02.1965

Die Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils hinsichtlich der Liturgieerneuerung machen den Umbau der Bonifatiuskirche notwendig. Im Erscheinungsbild der Kirche - innen ebenso wie außen - wird durch die Umbauarbeiten der Kunstgeschmack der 60er Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts dominant. Das rote Ziegelmauerwerk der Pfeiler und  ebenso die Wände des Kircheninneren werden weiß übertüncht. Die Wand hinter dem Hauptaltar wird um 4,5 Meter vorgezogen. Die aus Ziegeln erbauten Wände der beiden Seitenschiffe werden ersetzt durch jeweils eine Stahlbeton-Konstruktion, die den Einbau moderner Glasfenster ermöglicht. Die kreisförmige Altarinsel in der Mitte des Querschiffes bestimmt fortan den Innenraum der Bonifatiuskirche. Das neue Eingangsportal der Kirche zeigt den Hirtenstab des hl. Bonifatius und die Midgardschlange. Der Hirtenstab ist als Sinnbild des Christentums gedacht. Die Schlange soll an Glaubensvorstellungen der Germanen erinnern, die durch Bonifatius zum Christentum bekehrt wurden.

Abbildungen 41, 42, 43: Die Bonifatiuskirche nach den Veränderungen des Jahres 1966

 

13.03.1966

Die renovierte Bonifatiuskirche wird von Bischof Heinrich-Maria Janssen eingeweiht.

 

Oktober 1967

Pfarrer Günter Franz verlässt die Bonifatiusgemeinde. Er wird später Domkapitular des Bistums Hildesheim.

 

19.10.1967

Pfarrer Klaus Bette übernimmt die Bonifatiusgemeinde. 1969 wird er Dechant des Dekanates Hamburg-Harburg. Zu seiner Zeit hat die Bonifatiusgemeinde rund 9.000 Mitglieder.

Abbildung 44: Klaus Bette, vom 19. 10. 1967 bis zum   11. 11. 1984 Pfarrer von St. Bonifatius

 

04.02.1969

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg gibt im „Amtlichen Anzeiger“ bekannt, dass eine Straße auf der Elbinsel Wilhelmsburg den Namen „Krieterstraße“ erhalten hat. Die Benennung erfolgte auf einstimmigen Vorschlag des Ortsausschusses Wilhelmsburg.

 

1969 / 1970

Unter dem Vorsitz des Pfarrers Bette diskutiert und beschließt das Krankenhauskuratorium eine erneute Erweiterung des Krankenhauses. Pfarrer Bette beauftragt den Architekten Karl Sterra, die Pläne für die Um- und Neubauten zu erstellen.

 

1970

In Kirchdorf wohnen 2.300 deutsche und 500 ausländische Katholiken. Das sind genug Personen, um die seit Pfarrer Großstück konkret gewordene Absicht, in Kirchdorf eine Tochtergemeinde von St. Bonifatius zu gründen, in Angriff zu nehmen. In Kirchdorf sollen eine Kirche und ein Pfarrhaus gebaut werden. Das neue Pfarrhaus soll Wohnungen für den Pastor und eine Seelsorgehelferin und Versammlungsräume für die Jugend und erwachsene Gemeindemitglieder haben. Später soll nebenan ein Alten- und Pflegeheim entstehen. Nachdem die Baupläne bei den zuständigen kirchlichen und weltlichen Behörden zur Genehmigung eingereicht sind, werben Pfarrer Bette und sein Kaplan Siegfried Franke nochmals intensiv für den Eintritt in den Kirchbauverein.

 

26.02.1971

In dem Haus Bauwiesenstraße 19, das die Bonifatiusgemeinde gekauft hat, wird die Kroatische Katholische Mission eingerichtet. Von hier aus betreut Pater Kresimir Vukoja fortan etwa 8.500 Kroaten, die in Hamburg leben.

 

01.04.1971

Bischof Heinrich-Maria Janssen ernennt den Kaplan von St. Bonifatius, Siegfried Franke, zum Pastor. Im Pfarrhaus an der Bonifatiusstraße wohnend, soll er - schon vor Fertigstellung der in Kirchdorf geplanten Bauten - damit beginnen, die Katholiken Kirchdorfs zu einer Gemeinde zusammenzuführen.

 

15.04.1971

Weihbischof Heinrich Pachowiak weiht für die Bonifatiusschule einen Neubau ein, der die Raumkapazität der Schule um 6 Klassenzimmer erhöht. Der derzeitige Schulleiter, Erich Matussek, begrüßt bei der Einweihungsfeier  - neben dem Weihbischof und den Geistlichen der Bonifatiusgemeinde - den Bezirks­amtsleiter von Harburg und Wilhelmsburg, Dewitz, den ehemaligen  Rektor der Bonifatius­schule Carl Damm (Mitglied des Bundestages, CDU),  die Oberschulräte Lungfiel und Spes­sart und die Pastoren der evangelischen Kirchengemeinden Wihelmsburgs.

 

Ende Juni 1971

Die Bauarbeiten zur Erweiterung des Krankenhauses sind abgeschlossen. Der Altbau ist aufgestockt und ein neuer Verwaltungstrakt ist gebaut. Die Küche und die Wäscherei des Krankenhauses sind vergrößert. Vollständig neu sind der OP-Bereich, eine Intensivstation mit 10 Betten, eine physikalische Therapie und ein Bewegungsbad. Außerdem sind bessere Unterbringungsmöglichkeiten für das Pflegepersonal geschaffen worden.

Abbildung 45: Der neue Verwaltungstrakt des Krankenhauses

Abbildung 46: Das neue Schwesternwohnheim

 

Herbst 1972

Mit den Rammarbeiten für das Fundament der Kirche und für das Fundament des Gemeindehauses beginnen die Bautätigkeiten an der Krieterstraße in Kirchdorf.

 

24.03.1973

Der Grundstein für die “St. Maximilian-Kolbe-Kirche” wird gelegt.

Abbildung 47: Während der Grundsteinlegung schließt Pfarrer Bette die Kassettemit der Urkunde.  Der Geistliche rechts - aus Sicht des Betrachters - ist Pastor Franke. Der andere Geistliche ist Kaplan Merettig.

 

 

24.06.1973

Die Bonifatiusgemeinde feiert ihr 75jähriges Bestehen. Bischof Heinrich-Maria zelebriert den Festgottesdienst.

 

21.09.1974

Bischof Heinrich-Maria und der polnische Bischof Bischof Pluta aus Landsberg, dem heutigen Gorzow, der zur Einweihung aus Polen angereist ist, konsekrieren gemeinsam die „St. Maximilian-Kolbe-Kirche“. Am selben Tag wird die Kirchdorfer Gemeinde durch Bischof Heinrich-Maria zur Vikarie erklärt.

Abbildung 48: Die Kirche St. Maximilian Kolbe

 

08.09.1978

Pastor Franke verlässt die Vikarie St. Maximilian Kolbe. Nachfolger sind die Pastoren Norbert Rudolph (1978-1982) und Jan Carol Kozczka (1982-1985). Die Vikarie entwickelt sich nicht so stark weiter, dass es gerechtfertigt wäre, sie zu einer selbständigen Pfarrei zu erheben. Vielmehr werden St. Bonifatius und St. Maximilian Kolbe zu einer so genannten „Doppelgemeinde“  zusammengefasst, die heute den Namen trägt: „St. Bonifatius mit St. Maximilian Kolbe“

 

14.06.  bis  16.06.1979

Die Katholische Schule Wilhelmsburgs (= Bonifatiusschule) feiert das 75-jährige Bestehen ihres Schulgebäudes an der Bonifatiusstraße. Anlässlich des Jubiläums wird ein Sonderdruck der Wilhelmsburger Zeitung veröffentlicht. Unter anderem durch die Überschrift der ersten Seite  - „Eine Schule feiert Geburtstag“ - entsteht der falsche Eindruck, als gäbe es die Katholische Schule Wilhelmsburgs erst seit dem Jahre 1904.

Abbildung 49:  Aus dem Sonderdruck der Wilhelmsburger Zeitung vom 8. 6. 1979

 

04.10.1981

Der Grundstein für das „Wohn-und Pflegeheim Maximilian Kolbe“ wird gelegt.

 

13.04.1983

Weihbischof Heinrich Pachowiak weiht das „Wohn-und Pflegeheim Maximilian Kolbe“ ein. Es bietet Platz für rund 140 alte Menschen. Sie werden von ca. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Pflegestationen oder „noch in ihren eigenen vier Wänden  wohnend“ betreut.

 

25.06.1984

In der Bonifatiuskirche beginnen Arbeiten zur Renovierung der Fenster und der Decke. Gleichzeitig werden die Ziegelsteine der Pfeiler und Bögen vom weißen Putz befreit. Das Kreuz wird näher an den Altar gerückt, und die Marienfigur findet ihren endgültigen Platz am ersten rechten Pfeiler im Langhaus der Kirche. Hinter dem Altar werden acht Heiligenfiguren auf Bronzestelen, die von dem Künstler H. G. Bücker geschaffen sind, aufgestellt.

 Abbildung 50: Der im Jahre 1984 neu gestaltete Innenraum der Bonifatiuskirche

 

 

21.10.1984

Pfarrer Klaus Bette verabschiedet sich von der Bonifatiusgemeinde. Er geht nach Sarstedt bei Hildesheim, wo er das Kirchliche Zentrum „Hl. Geist“ übernimmt.

 

11.11. 984

Pfarrer Martinus Min wird in sein Amt eingeführt.

Abbildung 51: Martinus Min, vom  11. 11. 1984  bis zum 31. 5. 1998 Pfarrer von St. Bonifatius

 

Auch Pfarrer Min ist als Bauherr tätig. In seiner Amtszeit bekommt die Bonifatiuskirche eine neue Heizung, die Giebelwände der Kirche werden saniert und die Orgel wird überholt.

Die wichtigste - und wohl nervenaufreibendste - Aufgabe außerhalb der Seelsorgearbeit hat Pfarrer Min gleich zu Beginn seiner Amtszeit zu übernehmen. Die Gesundheitsbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg macht der Gemeinde St. Bonifatius ein verlockendes, aber finanziell auch risikoreiches Angebot: Das Gemeindekrankenhaus soll eine Abteilung für Akutgeriatrie und geriartrische Frührehabilitation aufmachen. Die Hansestadt ist bereit, den Großteil der auf 27 Millionen DM veranschlagten Kosten zu tragen. Von der Bonifatiusgemeinde wird erwartet, dass sie - wie bei der früheren Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde auch - die kaufmännische und personelle Verwaltung der neuen Einrichtung trägt und zusätzlich einen Eigenbeitrag in Höhe von zwei Millionen DM leistet. Nach Rücksprache mit der Bischöflichen Behörde Hildesheim und der von dort erteilten Genehmigung gehen Pfarrer Min und der Kirchenvorstand von St. Bonifatius auf den Vorschlag der Gesundheitsbehörde ein.

Als das Grundstück für die geplanten Neubauten erworben wird, muss auch der Wasserturm Wilhelmsburgs gekauft werden. Er wird durch die Einrichtung von Personalwohnungen für das Krankenhaus nutzbar gemacht. Heute weist das Logo des Krankenhauses darauf hin, dass der Wasserturm im Besitz des Krankenhauses ist.

Abbildung 52: Das Logo des Wilhelmsburger Krankenhauses

 

01. bis 06.10.1993

Die Bonifatiusschule feiert mit einer Festwoche ihr 100-jähriges Bestehen.

 

Juli 1994

Der Erweiterungsbau des Krankenhauses, der die Abteilungen für Akutgeriartrie und geriartische Frührehabilitation aufnimmt, ist fertiggestellt.

 

1995

Als Folge der Wiedervereinigung Deutschlands wird das Erzbistum Hamburg neu gegründet. Wie alle katholischen Kirchengemeinden auf dem Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg wird auch „St. Bonifatius mit Maximilian Kolbe“ der neuen Erzdiözese zugeschlagen. Die Katholische Schule Wilhelmsburgs wird eine der 20 Schulen im „Verband der Römisch Katholischen Kirchengemeinden in der Freien und Hansestadt Hamburg“.

 

28.11.1996

Die Bonifatiusschule gründet einen Förderverein, der es sich zur Aufgabe macht, „Mittel aufzubringen für den Bau neuer Räumlichkeiten, insbesondere einer Turnhalle …“. Vorsitzender des Vereins ist der Schulleiter, Erhard Porten. Geplant ist ein Mehrzweckbau. Er soll der Schule außer der Sporthalle auch Räume für Informatik, Technik und Musik, eine Küche und eine Pausenhalle bringen.

 

1998

Der Weihbischof des Erzbistums Hamburg, Dr. Hans-Jochen Jaschke, und der ehemalige Hamburger Bürgermeister, Dr. Henning Voscherau, werden Schirmherren des Bauprojektes „Mehrzweckgebäude“ der Katholischen Schule Wilhelmsburgs.

 

02.02.1998

Pfarrer Min verlässt die Bonifatiusgemeinde. Er übernimmt die Pfarrei St. Paulus-Augustinus  in Hamburg-Großflottbek.

 

03.06.1998

Pfarrer Burkhard Göcke wird in sein Amt eingeführt.

Abbildung 53: Burkhard Göcke, vom 1.  6. 1998 bis zum 1. 8. 2004 Pfarrer von St. Bonifatius

 

28.06.1998

Die Gemeinde feiert den 100. Jahrestag ihres Bestehens. Den Festgottesdienst zelebrieren der Erzbischof von Hamburg, Dr. Ludwig Averkamp, und der Weihbischof von Hildesheim, Heinrich Pachowiak.

 

2002

Unter dem Vorsitz des Pfarrers Göcke wird das „Leitbild des Wilhelmsburger Krankenhauses Groß-Sand“ erarbeitet, dem alle Mitarbeiter des Krankenhauses verpflichtet sind. Dort ist formuliert: „Das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand ist ein Teil der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius. In der christlichen Tradition caritativen Handelns und als Dienstgemeinschaft auf Basis der bischöflichen Grundordnung des Kirchlichen Dienstes leisten wir seit der Gründung im Jahre 1950 den Dienst am kranken Menschen im Stadtteil Wilhelmsburg. Das christliche Menschenbild dient als Grundlage und Maßstab unserer Arbeit …“

 

2003

Der Neubau der Geriatrie des Krankenhauses wird um eine Etage aufgestockt. Damit bekommt das geriartrische Zentrum noch größeren Komfort und noch bessere Behandlungsmöglichkeiten. Die Stationen im Akutkrankenhaus werden renoviert und mit Sanitärzonen versehen. Durch den Neubau der Krankenhausküche werden Räumlichkeiten für eine Cafeteria geschaffen, die nicht nur die Patienten, das Krankenhauspersonal und die Krankenhausbesucher versorgt, sondern auch soziale Einrichtungen, die sich in der Nähe befinden, zum Beispiel Kindertagesstätten und Altenheime.

 

12.09.2003

Direkt neben der Bonifatiusschule wird der Grundstein für das Mehrzweckgebäude gelegt, das seit 7 Jahren in Planung ist.

 

 

 

23.05.2004

Pfarrer Burkhard Göcke verlässt die Bonifatiusgemeinde. Er übernimmt die Leitung der Pastoralen Dienststelle des Erzbistums Hamburg.

 

01.08.2004

Pfarrer Dr. Jürgen Wätjer wird in sein Amt eingeführt. Er leitet „St. Bonifatius mit St. Maximilian Kolbe“ sechs Jahre. Die Unterlagen über sein Wirken sind noch nicht gesichtet und ausgewertet.

Abbildung 54:  Dr.  Jürgen Wätjer, vom  1. 8. 2004 bis zum 5. 9. 2010 Pfarrer  von  St. Bonifatius

 

06. bis 08.09.2004

Die Bonifatiusschule führt anlässlich der bevorstehenden Einweihung ihres neuen Mehrzweckgebäudes „Projekttage“ unter der Überschrift „Zeitreise 1904-2004“ durch. Weil sie die „Zeitreise“ ihrer Schüler und Schülerinnen nicht im Jahre 1893 beginnen lassen, erwecken die Lehrkräfte der Bonifatiusschule ein weiteres Mal den Eindruck, die Katholische Schule Wilhelmsburgs bestehe erst seit dem 3. 1. 1904.

 

12.09.2004

Das neue Mehrzweckgebäude der Katholischen Schule Wilhelmsburgs wird eröffnet. Im Erdgeschoss befinden sich das Hausmeisterbüro, die Pausenhalle, die Küche, ein Hort für 45 Kinder und eine Lernwerkstatt. Im ersten Stock sind die Informatik-, Technik- und Musikräume und sanitäre Anlagen. Im Obergeschoss befindet sich die Sporthalle. Sie ist mit einem Fahrstuhl erreichbar. Um 11 Uhr findet ein Festgottesdienst mit Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke statt, um 14 Uhr ein Festakt für geladene Gäste. Um 15 Uhr 15 folgt die offizielle Eröffnung und Segnung des neuen Gebäudes. Danach findet bis 19 Uhr ein großes Schulfest statt.

 

01.09.2010

Der derzeitige Pfarrer von „St. Bonifatius mit St. Maximilian Kolbe“  wird in sein Amt eingeführt. Er heißt Thomas Hoffmann.


 

Verantwortlich für den Text und die Bebilderung dieser Daten zur Geschichte der Bonifatiusgemeinde ist Ulrich Krieter. Die Zusammenstellung erfolgte im Dezember 2010. Als Quellen wurden benutzt:

1.   die Festschriften zum 75. und 100. Bestehen der Bonifatiusgemeinde; die Internetseite der Bonifatiusgemeinde; die von Jürgen Kubella zusammengestellten und digitalisierten Pfarrbriefe der Bonifatiusgemeinde der Jahre 1961 bis 1974; die Internetseite des Wilhelmsburger Krankenhauses  Groß-Sand und die Internetseite der Bonifatiusschule

2.     die Dissertation von Elke Hauschild, Polnische Arbeitsmigranten in Wilhelmsburg bei Hamburg während des Kaiserreiches und der Weimarer Republik, Dortmund, 1986, ISBN 3 - 923293 - 17 – 8

3.     Wedig, Edmund, Die katholische Volksschule Wilhelmsburgs in den ersten 25 Jahren ihres Bestehens – 1. Oktober 1893 bis 1. Oktober 1918, Schüthe-Druck, Wilhelmsburg 1918

4. Materialien aus dem Archiv der Kirchengemeinde St. Bonifatius und weitere Materialien, die angegeben sind, in:

Krieter, Ulrich, Karl-Andreas Krieter - Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde             St. Bonifatius in Hamburg-Wilhelmsburg in den Jahren 1934 bis 1961, Grin-Verlag für Akademische Texte, 2010, ISBN  978 -3 -640 – 55084 - 5

Krieter, Ulrich,  Die St. Bonifatius-Gemeinde in Hamburg-Wilhelmsburg zur Zeit des Pfarrers Krieter - 35 Zeitzeugen berichten, Grin-Verlag für Akademische Texte, 2009, ISBN  978 -3 - 640 - 48494 – 2

(Die beiden Bücher sind im Buchhandel und – deutlich kostengünstiger – als

 Autoren-Eigenexemplare bei Ulrich Krieter erhältlich. Telefon 040 / 760 63 29)

 

 

Bildnachweis

Herkunft / Besitz

 

Abbildung

Archiv der Kirchengemeinde                           St. Bonifatius, Wilhelmsburg

4, 8, 10, 11, 13, 15, 16,18, 20, 23, 27, 29, 30, 37, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48,  50, 51, 53,

Archiv der Kirchengemeinde St. Maria, Harburg

2

Bistumsarchiv Hildesheim

12, 40

Peter Pforr, www.alt- wilhelmsburg.de

 5, 6, 6a, 7, 10a

Privatarchiv Ulrich Krieter

3, 14, 17, 19, 21, 22, 25, 26, 28, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 38, 39, 41

Internetseite „Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand“

53

Neue Kirchenzeitung, Hamburg

54

Reinstorf, E., Geschichte der Elbinsel Wilhelmsburg von Urbeginn bis zur Jetztzeit, Verlag Georg Romanowski, Hamburg, 1953, S. 348

1

Wedig, Edmund, Die katholische Volksschule Wilhelmsburgs in den ersten 25 Jahren ihre Bestehens, S. 12

9

Wilhelmsburger Zeitung vom 8. 6. 1979

49