Reinhard Jittler

Das Autogramm

Reinhard Jittler vom BC Wilhelmsburg

"Jittl" wie er von seinen Freunden genannt wird, ist als Boxer nicht gerade besonders groß und schwer; er ist eben Federgewichtler. Aber man täusche sich nicht über seine "Geberqualitäten" : in seinem Kampfpass stehen allein 18 K.O.-Siege verzeichnet! Diese "knocks" kommen nicht von ungefähr, denn er überrascht Gegner und Zuschauer während des Kampfes durch eine unerhörte Schlagkraft beider Fäuste. Dabei hat er instinktiv eine Schlagtechnik für sich entwickelt, die seine mangelnde Schwere ausgleicht: einen aus halber Körperdrehung herausfliegenden, geschwingerten Haken, der im flachen Bogen mit voller Wucht an der Kopfseite des Gegners einschlägt. Und hat es erst einmal "eingeschlagen" dann ist "Jittl" nicht mehr zu bremsen, setzt er konsequent und kompromisslos nach, sucht die schnelle Entscheidung, betrommelt seinen Gegner temperamentvoll mit gepfefferten Linksdubletten und beidhändigen Serien aus allen Lagen "Du oder ich!"

Reinhard Jittler (21) hat bereits als 14 jähriger zu boxen begonnen. Drei Jahre später war er Fliegengewichtsmeister der Hamburger Junioren und verfehlte anschließend bei der "Deutschen" nur knapp den Titel, wurde dritter durch eine höchste umstrittene Punktniederlage gegen den späteren Meister. Bei den Senioren wurde er 1960 Hamburger Vizemeister und auch im "Fernseh-Pokal" im gleichen Jahr endete er als "Vize": zweimal hatte er den damaligen deutschen Meister Schlaudraff (Württ.) bereits am Boden, dann gab's doch noch eine hauchdünne Punktniederlage. Dreimal stand er in Repräsentativkämpfen der Hamburger Städtestaffel im Ring. Seinen bisher größten Erfolg als Seniorboxer aber errang er am vergangenen Freitagabend der vergangenen Woche mit dem Gewinn der Hamburger Federgewichtsmeisterschaft- durch seinen 18. K.- O. - SIEG im 60. Kampf.

Eigentlich wollte "Jittl" FUßBALL-Karriere machen. Als 13 jähriger spielte er in Neuhof, war aber schon bald sauer. "Ich krieg nie Flanken nach außen", sagte er,"und 11:0-Niederlagen oder so, wenn man selbst gut gespielt hatte, nee, das war nicht das richtige!" Am Kampf Mann gegen Mann im Ring, ganz auf sich gestellt, fand er dann beim BC Wilhelmsburg besseren Geschmack. Auch seine Frau, mit der er seit dem vergangenen Jahr jungverheiratet ist und ein Töchterchen hat (Susanne), hat eigenwillig in die Boxerei. "Sie ist einverstanden damit", kommentiert "Jittl" diplomatisch. Als Zuschauerin der Kämpfe ihres Mannes macht Frau Gisela allerdings nicht mehr mit. Zweimal war sie mit, aber nachdem sie mit ansehen musste, dass ihr Reinhard beim Boxen auch selbst "was in die Wäsche gelangt kriegt" bleibt sie lieber im Hause und wartet gefasst die Dinge ab.

Das gedeihen seiner jungen Familie ist natürlich jetzt Reinhard Jittlers größtes Hobby. Dafür spart er, macht als Klempnergeselle Überstunden, um eine Wohnung, um Sachen anschaffen zu können, nachdem er bei der Flutkatastrophe, wenig entfernt von seinem Geburtshaus an der Durchbruchsstelle des Wassers, alles verlor. Trotzdem hat er in jenen Tagen noch vielen uneigennützig geholfen. Kommentiert Wilhelmsburgs Fred Büschel: "Der Reinhard gibt sein letztes Hemd weg, wenn er helfen kann!"

Zeizungsausschnitt aus dem Jahre 1962

Reinhard Jittler, 3 von links