Heino Zinserling

Zum 100. Geburtstag des Wilhelmsburger Künstler Heino Zinserling

Alles in allem immer Romantisch

Wilhelmsburg war für ihn eine Heimat, die er nicht haben wollte. Aber er paßte gut auf die Elbinsel, denn er war wie sie: voller Widersprüche. Heino Zinserling, Grafiker, Maler, Dichter, Denker, Fotograf, Musiker, und Zeichenlehrer, wäre heute 100 Jahre alt geworden.

1920 kam er widerwillig nach Wilhelmsburg, denn er hatte sich als Kunststudent in Kassel bereits erste Anerkennung verdient. Später witzelte er, daß er in Kassel bestimmt Professor geworden wäre. In Wilhelmsburg wurde er ein bunter Vogel, und das blieb er bis zu seinem Tod.

Am 24. Oktober 1891 in Duderstadt im Harz geboren studierte Zinserling zunächst Theologie und ging dann nach München, um Malerei zu studieren. 1914 wurde er eingezogen, im ersten Weltkrieg mehrmals verwundet. 1919 setzte er sein Studium in Kassel fort, von 1925 bis 1928 studierte er am Lerchenfeld in Hamburg. Seitdem arbeitete er als selbständiger Künstler in Wilhelmsburg. 1920 hatte er sich in die Krankenschwester Anna verliebt, die auf einem Bauernhof an der Thielenstraße arbeitete. Also suchte er sich eine Bleibe in Ihrer Nähe, in Kirchdorf wurde er fündig, er zog zur Familie Keesenberg unters Dach.

Sein Brot verdiente er in Otto Hopp's Tanzlokal, dem späteren " Penny Lane". Dort unterhielt er die Gäste, doch "Heino ließ sich ablenken und spielte mit einem Auge Klavier, mit einem sah er zu den Mädchen", sagte Hermann Keesenberg über seinen früheren Hausgenossen. So kam Zinserling wieder mehr zur Kunst. Der Kontakt zu den Heimatforschern um Ernst Reinstorf und später Hermann Keesenberg riß jedoch nie ab, neben New York, Rom, und Monaco stellte er immer wieder im Wilhelmsburger Museum aus.

Der Künstler Heino Zinserling mischte in allen Sparten mit: Als Grafiker ist er international anerkannt, als Maler teilweise umstritten, als Fotograf war er ganz leidlich, als Autor der Stammtischzeitung des "Montagszirkels" humoristisch, als Denker modern, und als Kunstlehrer beim Arbeitslosenbildungswerk, an der Volkshochschule und anderen Instituten sehr engagiert. Bei allem was er tat, war er aber vor allem romantisch, wie seine gegenständlichen Arbeiten zeigen.

Ein dunkler Punkt in Zinserlings Wirken ist seine Tätigkeit als SA-Unterführer. Von Anfang an war er bei den Nazis. "Er verkannte den Nationalsozialismus in seiner blinden Künstlernaivität, erst spät begriff er den wahren Charakter der nationalsozialistischen Bewegung", schreibt Herbert Wagner über Zinserling, mit dem er befreundet war. Nach 1945 hatte er zunächst Schwierigkeiten rehabilitiert zu werden, seine Arbeit bei Friedensbund der Kriegsteilnehmer in den 20er Jahren half ihm bei der Entnazifizierung. In den 60er Jahren wandelte er sich zum Ostermarschierer gegen Atomwaffen.

Als Zinserlings Hauptwerk gilt das Motiv "Selbstüberwindung". Über Jahrzehnte bearbeitete er immer wieder die Darstellung des Lebensweges eine Künstlers. Neben dieser und vielen anderen ungegenständlichen Darstellungen, war er ein leidenschaftlicher Porträtzeichner. Er setzte sich bei Festen in eine stille Ecke und zeichnete Menschen. Im Wilhelmsburger Heimatmuseum sind zwölf Porträts der letzten Milchmänner der Elbinsel erhalten, auch durch Auftragsarbeiten und als Gerichtszeichner verdiente er sein Geld.

Bis zu seinem Tod arbeitete er an einem Buch. " Über das Unbewußte in der Kunst"- so der Arbeitstitel - schrieb er in seinen zwei Kurzschriften. Bis er merkte, daß außer ihm kaum jemand das " Garbelsberger Stenosystem" und die Kurzschrift "Stolze Schrey" lesen konnte, dann machte er sich eiligst daran, sein fertiggestelltes Buch in lateinische Schrift zu übersetzen. Doch dafür blieb ihm keine Zeit mehr, daß Buch ist bis heute unveröffentlicht. Heino Zinserling starb am Pfingstmontag, dem 26. Mai 1980, im Alter von 88 Jahren.

Dagmar Rockel, Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 24. Okt. 1991

01. Bild von Zinserling, 600 Jahrfeier des Beginns der Eindeichung Wilhelmsburg

02. 4 x Heino Zinserling

03. Niedersächsisches Bauernhaus

04. Niedersächsisches Bauernhaus

05. Bauernhaus in Finkenriek

05a.

06. Die Wilhelmsburger Malerin Sonja Einsiedel-Klier porträtierte Heino Zinseling

07.

08.

09. Postkarte

10. Radierung von Heino Zinserling

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Abb. 01. - 05a., 10. von Peter Pforr steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Abb. 06. von Wilhelmsburger Insel Rundblick steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Abb. 07. - 09. von Rene Dura steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.