Weißt Du noch..................?
Hier berichten Wilhelmsburger was sie einst auf der Elbinsel erlebt haben. Wenn auch Sie Geschichten haben wäre ich Ihnen sehr Dankbar wenn Sie mir diese zukommen lassen. Ich werde die Berichte dann hier veröffentlichen.
Vielen Dank
Der Posthof
von
Michael Peters
Ein warmer, feuchter, irgendwie wohliger Geruch nach Bier und Menschen strömte einem dann entgegen. Der hohe Tresen war gleich links vom Eingang. Darauf befand sich die „Nuss-Bar“, ein rundliches Glasgefäß, gefüllt mit leckeren Erdnüssen. Für einen Groschen konnte man sich davon eine kleine Hand voll abfüllen.
Wilhelmsburger Kinos in den 60er Jahren
von
Michael Peters
Ich kann mich erinnern, dass es in den 60er Jahren 4 Kinos im Zentrum Wilhelmsburgs gab: das Astoria, die Filmburg, das Monopol und das Rialto.
Das Rialto am Vogelhüttendeich hatte den schlechtesten Ruf, weil sich dort des öfteren „Rocker“ austobten (besonders in der Phase, als die Rock & Roll-Ära langsam zu Ende ging und irgendwann die Beatles aufkamen). Man sagte, dass diese „Rocker“ von Zeit zu Zeit das hölzerne Gestühl des Kinos „auseinander genommen“ hätten. Deswegen wagte ich mich nur bei ganz besonderen Filmen dorthin, zumal diese Ecke nicht zu meinem Umfeld gehörte (natürlich altersabhängig).
Das Monopol war ein zentral gelegenes Kino Ende Veringstraße / Ecke Vogelhüttendeich. Dort gab es meistens sehr interessante Filme, so dass meine Freunde und ich oft dort waren. An der rechten Ecke des Eingangs hing ein gelber PEZ-Automat, der von uns regelmäßig benutzt worden ist. Wie in anderen Kinos, wurde die Leinwand von einem schweren Vorhang verdeckt, der zu Beginn der Vorführung nach beiden Seiten geöffnet wurde. Das Publikum klatschte bei Beginn des Hauptfilmes. Vorher „musste“ man die Wochenschau ansehen. Werbung gab es noch nicht. Ob damals auch Eis und Süßigkeiten verkauft wurden, weiß ich nicht mehr.
Zum Astoria-Kino fällt mir noch ein, dass der Eingang irgendwie bergab ging, an beiden Seiten mit Filmplakat-Schaukästen bestückt. Später, in Rahmen des „Kinosterbens“, übernahm Aldi den Laden. Bei diesem unterirdischen Aldi war die Luft stets muffig und von allerlei schweren Düften geschwängert. Ins Gehirn prägte sich dann die Vorstellung, dass man bei Aldi irgendwie schwer Luft holen konnte... Heute ist Aldi natürlich moderner und irgendwie luftiger.
Es gab damals zwei Vorstellungen für Kinder: Eine mittags, eine andere nachmittags.
Einer meiner Freunde machte es ganz schlau: Seine beiden Großelternpaare wohnten in Wilhelmsburg. Jeden Samstag (oder auch vorher) klapperte er beide Pärchen ab und holte sich dort das Eintrittsgeld fürs Kino, einen gegen den anderen ausspielend. Wer ihm mehr gab, wurde als „Omi“ tituliert, wer weniger oder nichts gab, als „Oma“...
von Michael Peters
März 2008
Der Konfirmandenunterricht bei Pastor Kollhoff war in den 60ern geprägt von normaler Langeweile. Kaum jemand folgte den Ausführungen des Pastors. Man wusste, dass eh jeder konfirmiert werden würde. Man musste nur das eine oder andere Textstück auswendig lernen und schon konnte man den zukünftigen Konfirmationsgeschenken gelassen entgegen sehen. Danals war der „Schnitt“ bei ca. 300 DM.
März 2008
1967 war das Jahr der „chemischen Experimente“ am Gymnasium Wilhelmsburg.
Schüler der 12. Klasse hatten sich auf dem Gebiet der Explosivstoffe privat weitergebildet, um Silvester entsprechend „zu begehen“. Dazu waren natürlich entsprechende Versuche notwendig.
Das resultierte darin, dass man seine selbst gebastelten Feuerwerkskörper mit in die Schule brachte, begutachtete, und nach Unterrichtsschluss vor der Schule zu Vergleichszwecken hochgehen ließ, vor dem benachbarten Gebäude der Feuerwehr!
Niemand beschwerte sich damals über die regelmäßigen Explosionen nach Unterrichtsschluss. Heute wäre das undenkbar.
Folge:
Unbeschreiblicher Aufstand, Verhöre und Untersuchungen, die in mehreren
angedrohten Schulverweisen resultierten, die vor der Schulversammlung in der
Aula verkündet wurden. Unsere Chemielehrer mögen möglicherweise einen
gewissen Respekt gehabt haben angesichts derartiger chemischer Kenntnisse.
März 2008
Damals, zwischen Ende der 50er und Anfang der 60er, spielte man noch „auf der Straße“. Das heißt, dass man sich regelmäßig nach der Schule „vor der Tür“ bzw. „auf der Straße“ traf, um die Freizeit gemeinsam zu verbringen. Immer zwischen dem Mittagessen und dem Kaffeetrinken (was von vielen Familien strikt eingehalten wurde, mit Kuchen).
Man verwendete viel Zeit und Energie zur Herstellung schön bemalter Schilde, Dolche und sonstiger Rüstungen.
Kreisel, die man mit einer Peitsche aus Stöckchen und Bindfäden antrieb, waren auch ein beliebtes Spiel, ganz zu schweigen von den Hula-Hoop-Kunststücken, die damals fast die Hüften verrenkten.
Beliebt war auch „verstecken“: Jemand musste bis soundso zählen, bis sich alle in der näheren Umgebung versteckt hatten. Dann ging die Suche los. „Reise nach Jerusalem“ wurde auch gern gespielt: Der Spielführer konnte nach Belieben jeden Teilnehmer vorwärts oder zurück bewegen. Dabei gab es natürlich oft Streit, weil der Spielführer oft jemanden ungerecht bevorzugte.
März 2008
Die „Ritterschänke“ war in den späten 60ern gemütlicher Treffpunkt meiner Klassenkameraden und unseres Klassernlehrers Herrn Arnold. Die Ritterschänke lag an der Einmündung Veringweg / Veringstraße.
Das Dortmunder Ritter Bier schmeckte wirklich gut; schade dass heutzutage diese alten Brauereien von überregionalen Firmen übernommen worden sind.
60er
Gerüche
März 2008
Wenn
man in den 50ern und 60ern durch die Veringstraße ging, zwischen alter Bücherhalle
und katholischer Kirche, umfing einen eine wirklich eklige Atemluft. Die kroch
in die aufgehängte Wäsche, in „frisch“ gelüftete Wohnräume, in
alle atmenden Lungen.
Man
kann diesen Gestank nicht beschreiben. So muss es in der Hölle riechen!
Es
war wie eine Mischung aus alten Socken von Kriegsgefangenen, vergammeltem
Fleisch und nassen Tapeten.
Abgase
der Ekeltanks los zu werden.
Der
Betrieb war sowas von widerlich, dass ich als Briefträger immer alle Nerven
zusammen reißen musste, um mich am fettigen, stinkigen Treppengeländer der
Fabrik „zum Büro“ empor zu hangeln.
Heute wird sicher nichts mehr von diesen Zuständen vorhanden sein. Man ist hoffentlich umweltbewusster, geruchsempfindlicher, sensibler geworden.
Vogelhüttendeich
März 2008
Für uns in der Weimarer Straße war der Vogelhüttendeich ab der Pubertät immer der
„Vögelnuttendeich“. Warum, weiß ich nicht mehr.
Ich kann mich noch erinnern an eine Bäckerei, einen Weinhandel mit Flaschenlager im Hof, eine Drogerie, einen Ford-Händler und etliche Kneipen.
Als eifriger Kinogänger in meiner Jugendzeit kann ich Ihnen vielleicht mit einigen Erinnerungen helfen: Beginnen möchte ich mit dem Bahnhofskino, Thielenstraße 3, gegenüber dem ehemaligen Bahnhof; heute ist dort, wo der Eingang war, eine Gaststätte. 1945 wurde das Kino zerbombt; es wurde später als Kirchdorfer Lichtspiele im Saal des Gasthauses Sohre in Kirchdorf wieder eröffnet. Das Kino wurde von der Familie Holthusen betrieben, die in der Wittestraße wohnte.
Die Astoria-Lichtspiele in der Fährstraße waren eine Neueröffnung nach der Währungsreform.
Das Rialto-Kino am Vogelhüttendeich gibt es, so lange ich denken kann, an der gleichen Stelle, leider ist es aber schon lange geschlossen.
Gegenüber dem Stübenplatz an der Veringstraße war das Monopol-Theater. Auch dieses Kino wurde im Krieg ausgebombt; es wurde von der Familie Schallenmüller, die auch schon das .Monopol. betrieb, als Insel-Lichtspiele im Saal der Gaststätte Holsteinischer Hof von Familie Steer, an der Ecke Gerorg-Wilhelm-Straße / Ziegelerstraße wiedereröffnet.
Das vornehmste Kino in Wilhelmsburg war die Filmburg, mit einem gediegenen Foyer, Logen im 1. Rang und grünen Polstersitzen. Besitzer war die Familie Renzie Hausen. Das Haus überstand den Krieg. Im Winter 1945/46 fanden Matineen statt; zweimal gastierte hier Juan Llossas und auch Arthur Reis, der .singende Schauermann.
Das Kino Luna ist mir nicht bekannt, und auch an das Neuhöfer Kino habe ich keine Erinnerung.
Die Georgswerder Filmbühne wurde nach der Zerstörung der Röhrendamm-Kinos (1943) von einem der Eigentümer im Saal des Gasthauses Gerdts, Niedergeorgswerder Deich 18, eingerichtet. Geschäftsführer war Herr Siegert.
Die Lichtburg Veddel wurde nach der Zerstörung in den Großangriffen in der Aula der Schule Slomanstieg eingerichtet.
Meine Freunde und ich waren, so weit damals möglich, eifrige Kinogänger. Es war ja zu jener tristen Zeit nahezu das einzige Vergnügen. Auch nach Kriegsende war Kino alles! Dienstags und Freitags wechselte das Programm. Marika Roekk, Johannes Heesters und viele mehr flimmerten über die Leinwand. Auch die klassichen Filme aus Hollywood durften wir nun sehen: Marlene Dietrich, Cary Grant usw.
Zu meiner Person: Ich bin reichlich 73 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt sehr bewusst in unserem nun geschundenen und verrufenen Stadtteil. Es gab trotz Not und Zerstörung der Nachkriegsjahre schöne Zeiten hier.
Otto Lohmann, Wilhelmsburg
An Sonntagen in den 30er-Jahren durften wir Kinder aus dem ländlichen Gebiet ins Kino an der Thielenstraße am Bahnhof gehen. Zur Vorstellung um 14.30 Uhr eilten die Kinder von überall herbei. In den Kinosaal führte eine Treppe hinunter. Die Sitze waren ungepolstert, und an den Wänden hingen Bilder von Filmschauspielern. Leider wurden diese selten gewechselt und sahen oft nicht mehr schön aus. Am Kinoeingang gab es zwei Programm-Kästen mit der Vorschau auf die nächste Woche, jeweils mit 12 bis 14 Fotos darin. Ich denke, dass etwa 300 Besucher im Kino Platz hatten.
Die Filmburg in der Veringstraße habe ich auch einmal besucht. Dort gab es immer Alterskontrollen, und ich war so ängstlich... Ich kann mich noch an den Kinderstar Shirley Temple entsinnen, und auch an Die Frau meiner Träume mit Marika Roekk, an Das weiße Rössel am Wolfgangsee. Es wurden damals viele Heimatfilme gezeigt.
Ursula Mohncke
Ein weiterer Brief kam von unserem Leser Gerhard Pump, Ex-Wilhelmsburger, der inzwischen in Altona wohnt:
Als ich mich bei einigen noch älteren Leuten umgehört habe, konnte sich jemand erinnern, dass die Bahnhofs-Lichtspiele 300 Sitzplätze gehabt haben sollen. Der Betreiber des Kinos vor Holthusen hieß Schütt oder Schütte oder so ähnlich. Als Vorführer fungierte eine Zeit lang Karl Gutknecht. Anfang des 2. Weltkriegs - ich war 15 Jahre alt gab es den Film .Kora Terry., ein Revuefilm, in dem Marika Rökk tanzt und steppt, aber vor allem das Lied Für eine Nacht voller Seligkeit, da geb ich alles hin. singt! Den musste ich sehen! Doch was tun? So etwas war damals nicht jugendfrei und die Kontrolle durch die HJ-Streifen rigoros. Also habe ich versucht, mit meinem Milchgesicht älter zu werden und zwar mit einem angeklebten Bart unter der Nase. Als ich abends, als einer der letzten Besucher, mit hochgeschlagenem Mantelkragen und in die Stirn gezogenem Hut die Kinokarte kaufte, schaute mich Frau Holthusen ganz entgeistert an, fragte aber nicht nach dem Alter und ließ mich in den bereits dunklen Saal. Ach was war ich selig und Marika Rökk war wirklich frivol - in meinen Augen! Als ich dann nach Hause kam, empfing mich mein Vater mit den Worten: Frau Holthusen war hier und hat mir erzählt, wie Du ins Kino gekommen bist! (Zur Beruhigung hat er ihr aber verraten, dass er mir beim Bart ankleben geholfen hatte...) Andere haben den Film über den Schleichweg gesehen: Von den Waschräumen des Bierkellers
Wilhelmsburger Inselrundblick. Ausgabe 7/2002