40 Jahr Feuerwache Wilhelmsburg vom 30.Juni 1970

Ein Beitrag zur Wachchronik

Heute, am 30. Juni 1970, sind 40 Jahre seit dem bestehen der Feuerwache Wilhelmsburg vergangen. 40 Jahre, in denen die Männer dieser Feuerwache Tag und Nacht bereit waren ihre ganze Kraft, und wenn es sein mußte, auch Gesundheit und Leben zum Wohle der Bürger von Wilhelmsburg und unserer Stadt einzutreten.

Bis zum Jahr 1927 wurde der Feuerschutz auf der Elbinsel Wilhelmsburg von den Freiwilligen Feuerwehren Kirchdorf, Neuhof, und Reiherstieg durchgeführt.

Durch Beschluss der damaligen Staatsregierung wurden dann die Städte Wilhelmsburg und Harburg unter den Namen " Harburg-Wilhelmsburg" vereinigt. Gleichzeitig beschloss die Bürgerschaft den Feuerschutz für Wilhelmsburg einer Berufsfeuerwehr zu übertragen. Es wurde der Bau einer Feuerwache genehmigt, die mit 2 Brandmeistern, 4 Oberfeuerwehrmännern und 18 Feuerwehrmännern besetzt werden sollte.

Am 1.Dezember 1927 entstand bis zum Bau der neuen Feuerwache auf dem Bauhof an der Veringstraße eine behelfsmäßige Wache unter der Bezeichnung "Feuerwache II Nord", welche zunächst mit einem Oberfeuerwehrmann und 8 Feuerwehrmännern je Wachabteilung in Dienst gestellt wurde. Als Fahrzeug stand ein LF (Löschfahrzeug) 15 zur Verfügung. Hinzu kamen die beiden Krankenwagen der Stadt Wilhelmsburg. Diese behelfsmäßige Feuerwache wurde dann auch schon bald vor große Aufgaben gestellt.

So mussten u.a. in den Jahren 1927/29 mehrere Großfeuer bei den Firmen Schindler, bei der Kontroll- u. Lagerhausgesellschaft und bei der Firma Schatz & Hübner, einer Teerpappenfabrik in der Schmitzbreite, bekämpft werden, die den kleinen Häuflein Feuerwehrmännern gleich das letzte abverlangte.

Erst in den Jahren 1929/30 konnte mit dem Bau der jetzigen Wache an der Rotenhäuser Straße begonnen werden. Der erste Bauabschnitt wurde im Sommer 1930 fertig gestellt, und am 30.Juni 1930 seiner Bestimmung übergeben. Die Wache erhielt eine Feuermeldeanlage (Siemens-Doppelmorsesystem) die mit 50 angeschlossenen Melder in Betrieb genommen wurde. Diese Anlage ist noch heute in Betrieb, soll aber voraussichtlich im Jahre 1971 durch eine modernere ersetzt werden. Die gesamte Innereinrichtung dieser Wache wurde übrigens in den Feuerwehreigenen Werkstätten der Feuerwache Harburg angefertigt. Die Wachstärke betrug seiner Zeit 30 Mann.

Mit Ausbruch des Krieges wurde die Wachbesatzung dann auf 40 Mann verstärkt. Bei den Kriegseinsätzen in Hamburg, Lübeck, Rostock, Bremen und Berlin wurde an diese Männer besonders hohe Anforderungen gestellt. Außer 3 Verletzten die Verbrennungen durch Stichflammen erlitten hatten, waren aber keine weiteren Verluste zu beklagen.

Doch auch diese Feuerwache sollte von den Kriegsereignissen nicht verschont bleiben. Die Wache wurde noch kurz vor Kriegsende ausgerechnet am Karfreitag, dem 30.März 1945 von Sprengbomben getroffen, wobei der gesamte Nordflügel zerstört und die restlichen Gebäudeteile erheblich beschädigt wurde.

Nach Kriegsende wurden dann nach und nach mit den seinerzeit geringen Mitteln die Schäden innerhalb der Wache mit eigenen Kräften behoben. Und das von Bombdurchpflügte Wachgrundstück wieder einigermaßen hergerichtet.

Alle Bestrebungen des Feuerwehramtes, die Wache wieder aufzubauen und den geänderten Verhältnissen entsprechend zu erweitern, scheiterten an der katastrophalen Finanzlage und mussten immer wieder zurückgestellt werden.

Endlich, nach Bereitstellung der Mittel durch Senat und Bürgerschaft, konnte dann in den Jahren 1954/55 mit dem endgültigen Wiederaufbau begonnen werden. Am Westflügel der Halle entstanden 2 weitere Fahrzeugremisen mit den darüberliegenden Sozialräumen, am Nordflügel wurden die sehnlichst gewünschten Werkstätten eingerichtet, außerdem erhielt die Wache einen modernen Steigeturm.

Im gleichen Jahre 1955, konnten die Männer der Feuerwache Wilhelmsburg in den schmucken Räumen ihrer Neuerstellten Dienststelle, gemeinsam mit den Vertretern des Feuerwehramtes und vielen Gästen aus der Verwaltung und der Wirtschaft, das 25 jährige Bestehen der Wache feiern.

Die Flutkatastrophe im Februar 1962, bei der allein in Wilhelmsburg zehntausende von Menschen ihr Hab und Gut verloren und 207 Tote zu beklagen waren, forderte von den Männern dieser Wache einen Einsatz, der bis an die Grenze der physischen Leistungsfähigkeit ging. Teilweise selbst bis zum Halse im Wasser stehend und immer in Gefahr von den reißenden Fluten weggerissen zu werden, wurden über 250 Menschen aus Wassernot geborgen, 4 davon leider nur noch Tod. Außerdem wurden neben der Menschenbergung noch 591 Lenzeinsätze erfolgreich durchgeführt. Hierfür gebührt allen, die während dieser schweren Tage dabei gewesen sind, einschließlich der Kollegen von den Freiwilligen Feuerwehren der herzlichste Dank für ihre aufopferungsvolle und bedingungslose Einsatzbereitschaft.

Bis zur Einführung des Dreischichtendienstes am 1.Januar 1967 war dann die Wachbesatzung bedingt durch die ständig steigende Zahl der Einsätze, besonders in der Beförderung von Unfallverletzten und Erkrankten, kontinuierlich angestiegen. Heute machen 65 Beamte in Tag- u. Nachtschichten ihren Dienst an der Feuerwache Wilhelmsburg.

Es bleibt, im Rückblick auf die Vergangenen 40 Jahre nur zu wünschen, daß die Männer dieser Wache auch in der Zukunft weiterhin Erfolgreich zum Wohle ihrer Mitmenschen wirken können.

Zum Schluß noch einige Zahlen aus der Einsatzstatistik der letzten Jahre, die sich im Vergleich zu den Einsätzen anderer Wachen zwar etwas bescheiden ausnehmen, die aber trotzdem beweisen, das die Einsätze auch in Wilhelmsburg, von Jahr zu Jahr angestiegen sind.

1966

Brände..................: 134

davon Großbrände : 16

Hilfeleistungen, Rtw.-Einsätze, u.a. 1511

...................................Insgesamt: 1643

 


1967

Brände..................: 187

davon Großbrände : 32

Hilfeleistungen, Rtw.-Einsätze, u.a. 1518

...................................Insgesamt: 1705

 


1968

Brände..................: 270

davon Großbrände : 17

Hilfeleistungen, Rtw.-Einsätze, u.a. 1574

...................................Insgesamt: 1844

 


1969

Brände..................: 312

davon Großbrände : 43

Hilfeleistungen, Rtw.-Einsätze, u.a. 2465

...................................Insgesamt: 2777

 


Quelle: Wachchronik der  Berufsfeuerwehr Wilhelmsburg