Der Arbeitsdienst in Wilhelmsburg

Im Sommer 1931, als im Gefolge der Weltwirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit im deutschen Reich mit über 6 Millionen gezählten Arbeitslosen (einschließlich der nicht gezählten arbeitslosen Jugendlichen schätzte man an die 7,5 Millionen!) einen ungeahnten Höhepunkt erreichte, führte die Regierung unter dem Reichskanzler Brünning den sogenannten "Freiwilligen Arbeitsdienst" als eine zusätzliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ein. Im Grunde handelte es sich um nichts weiter als um eine neue Finanzierungsform zur Beschäftigung von Arbeitslosen, nachdem die bisherige Finanzierung von Fürsorge- und Notstandsarbeiten durch Überschuldung der Gemeinden und das parallel zur Arbeitslosigkeit gesunkene Steueraufkommen nicht mehr gewährleistet war. Als diese Maßnahme eingeführt wurde, erhoben sich rasch von verschiedenen Seiten Proteste. Das Hauptargument war, dass Arbeitsdienst letzten Endes die Arbeitslosigkeit nicht mindert, sondern nur zu minderen Löhnen ausbeutet.

Für die Arbeitsdienstwilligen (ADW) wurden vom Arbeitsministerium 2.- RM pro Arbeitstag (6 Std.) gezahlt, davon galten 1,75 RM für Verpflegung und Unterkunft, 0,25 RM als Taschengeld. Die Träger des Dienstes stellten die Lagerorganisation zur Verfügung, erhielten dafür die 1,75 RM pro ADW und Arbeitstag, sorgten für Unterkunft und Verpflegung. Schließlich kamen aber auch aus sog. "Offene Lager" in Gang. Dies bedeutete, dass die ADW zu Hause wohnten, sich selbst verköstigten und damit den ganzen Tagessatz von 2.- RM (= 12.- RM in der 6-Tage-Woche) voll ausgezahlt erhielten. "Offenes Lager" war im Grunde nichts weiter als die Versammlung der Arbeitsmannschaft an der Arbeitsstätte. Die Dienstdauer betrug immer 1/2 Jahr. Am 01.07.1935 wurde die allgemeine Arbeitsdienstpflicht per Gesetz eingeführt.

In Harburg-Wilhelmsburg - das damals noch zur Provinz Hannover gehörte -wurde Oberstudiendirektor Merck mit der Aufsicht über den freiwilligen Arbeitsdienst- kurz FAD genannt - beauftragt. Dieser hatte in Wilhelmsburg 3 Standorte: Goetjensort, Siedenfelde und Kornweide. Er hatte durch seine Tätigkeit wie Entwässerungsmaßnahmen, Bau von Spüldämmen und Wegebau mit zur Veränderung Wilhelmsburgs beigetragen, besonders im Gebiet der heutigen Siedlung Wilhelmsburg-Ost.

Die Barackenlager wurden im Feb./März 1934 errichtet und bestanden bis Ende des Winterhalbjahres 35/36