100 Jahre Süderelbbrücke

Feierlich wurde am 30. September 1899 die neue Elbbrücke zwischen Harburg und Wilhelmsburg eingeweiht. 107 Ehrengäste wurden dazu aus Berlin, Hannover, Lüneburg, Altona und Hamburg eingeladen und vom Bahnhof Harburg mit Equipagen zur neuen Süderelbbrücke gefahren, die im "prächtigen Flaggen und Kranzschmuck, neben ihrer älteren Schwester, der Eisenbahnbrücke prangte", wie es in der Wilhelmsburger Gemeinde-Zeitung vom 3. Oktober 1899 heißt. Allen Gästen wurde als Erinnerungszeichen ein auf schwarz-weiß-rotem Band befestigtes Abzeichen, dass die Embleme der Technik zeigt, überreicht ehe der offizielle Akt der Einweihung begann.

Erst 1813 ließ Napoleon eine "Jochbrücke" aus Holz über die damals nur teilweise eingedeichte Insel Wilhelmsburg erbauen. Der Verkehr von Ufer zu Ufer über die Norder- und Süderelbe wurde mittels Ziehfähren bewirkt. Schon im Jahr 1817 wurde diese Anlage offenbar durch Hochwasser und Eisgang zerstört.

Jahrelang wurde zwischen Hannover und Hamburg um eine Landverbindung verhandelt. 1852 konnte mit dem Bau der Landstraße (der heutigen Georg-Wilhelm-Straße) über die inzwischen eingedeichte Insel Wilhelmsburg begonnen werden. Mit der Fertigstellung dieser Straße wurde der Fährbetrieb über die Süderelbe aufgenommen. In einem Vertrag zwischen Hannover und Hamburg wurde beschlossen, eine Brückenverbindung über die Süderelbe herzustellen. Die Brücke über die Norderelbe wurde bereits 1888 eingeweiht.

Im April 1897 wurde der Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg der Bau der Brücke übertragen und nach 2 1\2 Jähriger Bauzeit beendet. Das gesamte Bauwerk konnte für eine Summe von 1.800.000 Mark hergestellt werden. "Zur Armortisation, für die Unterhaltung der Brücke und die Schaffung eines Neubaufonds sollen Brückengelder erhoben werden" hieß es in der Wilhelmsburger Gemeinde Zeitung. So musst ein Fuhrwerk mit einem Pferd 25 Pfennig entrichten, mit zwei Pferden 40 Pfennig. 10 Pfennig kostete es, ein Stück Großvieh über die Brücke zu treiben, für ein Stück Kleinvieh oder für ein Fahrrad zahlte man 5 Pfennig. Fußgänger waren frei.

In der Festschrift, die alle Teilnehmer erhielten, hieß es: "möge das stolze Werk Jahrhunderte lang fest und sicher - den Stürmen der Zeit zum Trotze - dem Verkehr die Wege bahnen; möge es ein weiteres Glied für das emporblühen von Handel und Industrie bilden, zum Segen der Gemeinden Hamburg und Wilhelmsburg!"

Die Zeiten wandeln sich, der Verkehr nahm zu, die Brücke reichte nicht mehr. Neue Brücken wurden gebaut. Viele Jahre gammelte diese stolze Brücke vor sich hin und es wurde sogar von Abriss gesprochen. Inzwischen wurde sie für viel Geld restauriert und die Portale Sandgestrahlt. So kann sie nun von Fußgängern und Fahrradfahrern benutzt werden.

Brückengeld muss man nicht mehr bezahlen, es sei denn aus Spaß, wie beim 100-jährigen Geburtstag.

 

Vielen Dank Ursula Falke, Wilhelmsburger Insel Rundblick

Montage der4. Strombrücke, September 1898

Ausführung der Strombrücken, Februar 1899

Baubureau

Perspektive von der Südseite aufgenommen 1900

Einnehmerhäuschen auf Wilhelmsburger Seite

Wilhelmsburger Portal und Flutbrücke

Fotos 1, 2, 3, 4, 6, 7, aus der Festschrift zur Eröffnungsfeier 30.Sept.1899 mit freundlicher Genehmigung von Fritz Drichelt